[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Tom Tit Tot

Nun denn, vor Zeiten war da einmal eine Frau und die buk fünf Kuchen. Und als die aus dem Backofen kamen, hatten sie zu lange gebacken, und die Kruste war zu hart zum essen. Da sagte sie zu ihrer Tochter: »Mädchen«, sagt sie, »tu doch diese Kuchen da aufs Bord und lass sie ein bisschen liegen, sie werden dann wieder.« Wisst ihr, sie meinte, die Kruste würde weich werden. Aber das Mädel dachte sich: »Na, wenn sie wieder werden, dann eß ich sie gleich.« Und sie machte sich dran und aß sie alle auf, vom ersten bis zum letzten.

Na, es wurde Essenszeit, und die Frau sagte: »Geh und hol einen von den Kuchen. Ich denk doch, sie sind jetzt wieder geworden.« Das Mädel ging und schaute, und da war nichts, nur die leeren Schüsseln. Sie kommt also zurück und sagt: »Nein, sie sind nicht wieder geworden.«

»Kein einziger davon?« sagt die Mutter. - »Kein einziger davon«, sagt sie. »Also geworden oder nicht geworden«, sagt die Frau, »ich eß einen zum Abendbrot.«

»Aber das kannst du nicht, wenn sie nicht wieder geworden sind«, sagt das Mädel. »Das kann ich schon«, sagt sie, »geh und bring den besten davon.«

»Ob den besten oder den schlechtesten«, sagt das Mädel, »ich hab sie alle aufgegessen, und bevor sie nicht wieder geworden sind, kannst du keinen davon haben.«

Na, die Frau war ganz wütend, und sie holte ihr Spinnzeug vor die Tür und spann, und beim Spinnen sang sie: »Meine Tochter, die hat heut fünf, fünf Kuchen gegessen. Meine Tochter, die hat heut fünf, fünf Kuchen gegessen.«

Der König, der kam da die Straße herunter, und der hörte sie singen. Aber er konnte nicht hören, was sie sang, so hielt er an und sagte: »Was war das, was Ihr gesungen habt, junge Frau?« Die Frau, die schämte sich, ihn hören zu lassen, was ihre Tochter gemacht hatte, und da sang sie stattdessen: »Meine Tochter, die hat heut fünf, fünf Strähne gesponnen, meine Tochter, die hat heut fünf, fünf Strähne gesponnen.«

»Meiner Treu!« sagte der König, »ich hab nie von jemandem gehört, der das konnte.« Dann sagte er: »Schaut her, ich brauche eine Frau, und ich will Eure Tochter heiraten. Aber«, sagt er, »schaut her, elf Monate im Jahr soll sie alles zu essen haben, was sie will, und alle Kleider, die sie bekommen möchte, und alle Gesellschaft, die sie haben will, aber im letzten Monat des Jahres muss sie jeden Tag fünf Strähne spinnen, und wenn sie's nicht tut, werde ich sie töten.«

»Gut so«, sagt die Frau, denn sie dachte daran, was das für eine großartige Heirat sei. Und wegen der fünf Strähne - wenn's dazu kommt, dann wird es da viele Auswege geben, und wahrscheinlich wird er es vergessen haben.

Na, so heirateten sie. Und elf Monate lang bekam das Mädel alles zu essen, was sie gern aß, und alle Kleider, die sie bekommen wollte, und alle Gesellschaft, die sie haben wollte. Aber als die Zeit verging, dachte sie über diese Strähne nach und fragte sich, ob er sich daran erinnern würde. Aber er sagte kein Wort darüber, und sie meinte schon, er habe sie vergessen.

Am letzten Tag des letzten Monats jedoch nahm er sie mit zu einem Zimmer, das sie nie vorher gesehen hatte. Da war nichts drin als ein Spinnrad und ein Schemel. Und er sagt: »Nun, meine Liebe, hier wirst du morgen eingeschlossen mit etwas zu essen und mit etwas Flachs, und wenn du bis zum Abend nicht fünf Strähne gesponnen hast, verlierst du deinen Kopf.« Und fort ging er zu seinen Geschäften. Na, da hatte sie eine Angst! Sie war immer so ein unbekümmertes Mädchen gewesen, dass sie nicht einmal wusste, wie man spann, und was sollte sie jetzt morgen machen, wenn keiner zu ihr kommen und ihr helfen konnte!

Sie setzte sich auf einen Schemel in der Küche nieder, und schau an, wie sie da weinte!

Auf einmal jedoch hörte sie etwas wie ein Klopfen unten an der Tür. Sie stand auf und öffnete, und was sah sie da? Ein dünnes, kleines, schwarzes Ding mit einem langen Schwanz. Das schaute recht neugierig an ihr hinauf, und dann sagte es: »Warum weinst du so?«

»Was geht's dich an?« sagt sie. »Darum kümmre dich nicht«, sagte das Ding, »aber sag mir, warum du weinst.«

»Das hilft mir nichts, wenn ich's dir sage«, sagt sie. »Das weißt du nicht«, sagte das Ding, und es wirbelte seinen Schwanz herum. »Na ja«, sagt sie, »es wird nicht schaden, wenn's auch nichts nützt«, und sie richtete sich auf und erzählte von den Kuchen und den Strähnen und alles. »Was ich machen will, ist das«, sagt das kleine schwarze Ding. »Ich komm jeden Morgen an dein Fenster und hol den Flachs und bring ihn am Abend gesponnen zurück.«

»Was für einen Lohn verlangst du?« sagt sie. Das Ding schaut sie so aus seinen Augenwinkeln an, und es sagt: »Ich lass dich jeden Abend dreimal meinen Namen raten, und wenn du ihn nicht erraten hast, ehe der Monat um ist, dann gehörst du mir.« Na, sie dachte, sie würde sicher seinen Namen erraten, ehe der Monat um sei. »Also gut«, sagt sie, »einverstanden.«

»Also gut«, sagt es, und schau einer an, wie es seinen Schwanz herumwirbelte!

Na, am nächsten Tag brachte sie ihr Mann in das Zimmer, und da war der Flachs und das Essen für den Tag. »Da ist jetzt der Flachs«, sagt er, »und wenn der bis zum Abend nicht gesponnen ist, ist dein Kopf herunter.« Und dann ging er hinaus und verschloss die Tür.

Kaum war er fort gegangen, da klopfte es gegen das Fenster. Sie stand auf und öffnete es, da war doch wirklich das kleine seltsame Ding und saß auf dem Sims. »Wo ist der Flachs?« sagt es. »Hier hast du ihn«, sagt sie. Und sie gibt ihm den Flachs. Nun, als es Abend war, klopfte es wieder am Fenster. Sie steht auf und öffnet es, und da war doch wirklich das kleine seltsame Ding mit fünf Strähnen Flachs auf dem Arm. »Hier hast du ihn«, sagt er und gibt ihr den Flachs. »Und jetzt, wie ist mein Name?« sagt er. »Also, ist es Bill?« sagt sie. »Nein, ist's nicht«, sagt er. Und er wirbelte seinen Schwanz herum. »Na, ist's Ned?« sagt sie. »Nein, ist's nicht«, sagt er. Und er wirbelte seinen Schwanz herum. »Na, ist's Mark?« sagt sie. »Nein, ist's nicht«, sagt er. Und er wirbelte noch mehr, und fort war er. Na, als ihr Mann dann kam, da waren die fünf Strähne für ihn bereit. »Ich sehe, ich muss dich heute Abend nicht töten, meine Liebe«, sagt er. »Am Morgen sollst du dein Essen und deinen Flachs bekommen«, sagt er und geht fort.

Nun, jeden Tag wurden also der Flachs und das Essen gebracht, und jeden Tag kam der kleine schwarze Kobold am Morgen und am Abend. Und den ganzen Tag über versuchte sie über Namen nachzudenken, die sie ihm nennen könnte, wenn er am Abend kam. Aber sie traf niemals den richtigen. Als es gegen das Ende des Monats zuging, da fing der Kobold an so boshaft zu schauen, und er wirbelte seinen Schwanz schneller und schneller bei jedem Mal, wenn sie zu raten versuchte.

Schließlich kam der vorletzte Tag. Der Kobold, der kam am Abend mit den fünf Strähnen daher, und er sagte: »Na, hast du meinen Namen noch nicht gefunden?«

»Ist's Nikodemus?« sagt sie. »Nein, ist's nicht«, sagt er. »Ist's Samuel?« sagt sie. »Nein, ist's nicht«, sagt er. »Also dann, ist's Methusalem?« sagt sie. »Nein, das ist's auch nicht«, sagt er. Dann schaut er sie an mit Augen wie feurige Kohlen, und dann sagt er: »Frau, nur noch morgen Abend, und dann bist du mein!« und flog fort.

Na, wie sie sich fürchtete! Aber da hörte sie den König den Gang entlangkommen. Er kam rein, und als er die fünf Strähne sah, da sagt er: »Nun, meine Liebe«, sagt er, »ich sehe schon, du wirst morgen deine fünf Strähne geradeso fertig haben, und ich glaube, ich muss dich nicht töten, deshalb will ich heut Abend hier mit dir zusammen essen.« Also wurde das Abendessen gebracht und noch ein Schemel für ihn, und die zwei, die setzen sich nieder. Na, er hatte kaum ein oder zwei Bissen im Mund gehabt, da hält er inne und fängt an zu lachen. »Was ist los?« sagt sie. »Ach«, sagt er, »ich war heute beim Jagen, und ich kam zu einer Stelle im Wald, die ich noch nie vorher gesehen hatte. Und da war eine alte Kalkgrube. Und ich hörte so was wie ein Summen. Da stieg ich vom Pferd, und ich ging ganz leise zu der Grube und schaute hinunter. Na, und was war da anderes als das ulkigste kleine schwarze Ding, das du jemals vor die Augen gekriegt hast. Und das tat doch nichts anderes, als an einem kleinen Spinnrad sitzen, und da spann es wunderbar schnell, und dabei wirbelte es seinen Schwanz herum. Und als es spann, da sang es: ›Nimmy, nimmy, not,
mein Nam' ist Tom Tit Tot.‹«
Na, als das Mädchen das hörte, da meinte sie, sie müsste vor Freude zerspringen, aber sie sagte kein Wort. Am nächsten Tag, da schaute dieses kleine Ding so boshaft drein, als es um den Flachs kam. Und als der Abend da war, hörte sie wieder das Klopfen an den Fensterscheiben. Sie machte das Fenster auf, und es kommt gleich über das Sims herein. Und es grinst von einem Ohr zum andern, ach und wie schnell der Schwanz herumwirbelt! »Wie ist mein Name?« sagt es, als es ihr die Strähne gab. »Ist es Salomon?« sagt sie und tut, als ob sie sich fürchtet. »Nein, ist's nicht«, sagt es, und es kommt weiter in das Zimmer herein. »Nun, ist es Zebedäus?« sagt wieder sie. »Nein, ist's nicht«, sagt der Kobold.

Und dann lachte er und er wirbelte seinen Schwanz, bis er kaum mehr zu sehen war. »lass dir Zeit, Frau«, sagt er. »Noch einmal raten, und du bist mein.« Und er streckte seine schwarzen Hände nach ihr aus. Na, sie trat ein, zwei Schritte zurück, und sie sah das Ding an, und dann lachte sie auf, und sie sagt und zeigt mit dem Finger auf den Kobold: »Nimmy, nimmy, not,
dein Nam' ist Tom Tit Tot.«
Nun, als er das hörte, da kreischte er schrecklich, und fort war er in die Dunkelheit verschwunden, und niemals sah sie ihn wieder.