[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Die junge Frau, die zu einem Entlein wurde

Es war einmal ein Herr mit seiner Frau und einer Stiefmutter. Dem Herrn schenkte Gott ein Söhnchen. Es verging einige Zeit, dann wurde dem Gesinde befohlen, das Badehaus zu heizen. Doch die Stiefmutter sagte: »Warum sollen die ihre Zeit vergeuden! Ich werde das Badehaus selber heizen.« Da heizte sie und heizte und hob eine tiefe Grube unter der Schwelle aus; dann füllte sie diese Grube mit glühenden Kohlen und Steinen. Und sie kehrte zur Wöchnerin zurück: »Gehen wir, das Badehaus ist fertig.« Und sie sagte zur Frau: »Geh du voran, geh du als erste hinein!« Ach, da stürzte sie, wie sie voranging, in die Grube und verbrannte. Doch es wehte ein Wind, und der blies ein Härlein auf das Haff - und das wurde zu einem Entlein. Und die Stiefmutter kam ins Haus: »Wo ist denn die Frau?« Sie ist fort. Der Herr wartet und wartet, wartet und wartet - einen Tag, den zweiten und den dritten - die Frau ist und bleibt fort. Und sie kam nicht wieder.

Eines Morgens führte ein Knecht die Pferde zur Tränke an das Ufer des Haffs. Und das Entlein fiept die ganze Zeit am Ufer: »Wiet-wiet-wiet, sie hat verbrannt,
Wiet-wiet-wiet, zu Asche mich,
Wiet-wiet-wiet, Stiefmutter Hexe.
Wiet-wiet-wiet, und es flog da fort ein Härlein,
Wiet-wiet-wiet, fort ein Härlein,
Wiet-wiet-wiet, und es wurde,
Wiet-wiet-wiet, da zum Entlein,
Wiet-wiet-wiet, und es schwimmt nun,
Wiet-wiet-wiet, hier auf dem Haff.«
»He, was fiept denn dort so herzergreifend? So sang doch noch nie ein Vogel, und dieser Gesang da, der klingt wirklich unwahrscheinlich schön! Man kann sich gar nicht satt hören!«

Am anderen Morgen führten sie wiederum die Pferde zur Tränke. Und wieder fiept das Entlein so: »Wiet-wiet-wiet, sie hat verbrannt,
Wiet-wiet-wiet, zu Asche mich,
Wiet-wiet-wiet, Stiefmutter Hexe.
Wiet-wiet-wiet, und es flog fort,
Wiet-wiet-wiet, ein Härlein klein,
Wiet-wiet-wiet, da wurde es,
Wiet-wiet-wiet, zum Entlein klein,
Wiet-wiet-wiet, und es schwimmt nun,
Wiet-wiet-wiet, hier auf dem Haff.«
Sie ritten nach Hause und sagten dem Herrn: »So und so, das Weinen kommt einen ja sogar an, wenn der fremde Vogel so schön singt!«

Am dritten Morgen stand der Herr schon selbst auf, nahm das Gewehr und ging selber nachsehen. Und das Entlein singt wiederum: »Wiet-wiet-wiet, weint denn da nicht,
Wiet-wiet-wiet, mein liebes Kindlein?
Wiet-wiet-wiet, ist nicht traurig,
Wiet-wiet-wiet, mein lieber Gatte?
Wiet-wiet-wiet, wiehern denn nicht,
Wiet-wiet-wiet, meine Rosse lieb?
Wiet-wiet-wiet, muhen denn nicht,
Wiet-wiet-wiet, meine Kühlein traut?
Wiet-wiet-wiet, blöken denn nicht,
Wiet-wiet-wiet, meine Schällein schön?
Wiet-wiet-wiet, schnattern denn nicht,
Wiet-wiet-wiet, meine Gänslein weiß?
Wiet-wiet-wiet, baken denn nicht,
Wiet-wiet-wiet, meine Entlein klein?
Wiet-wiet-wiet, gackern denn nicht,
Wiet-wiet-wiet, meine Hühnlein bunt?«
Da verstand der Herr, dass der Gesang ihn anging. Er befahl den Fischern, allerlei Schlingen und Fallen anzufertigen. Die Fischer taten es und legten überall Schlingen - da gab es kein Entweichen, kein Fortfliegen. Und der Herr war bei dem Boot. Und das Gesinde trieb und trieb und trieb. Sie wollen sie zum Boot treiben, doch sie - lieber Gott! - huschhusch - und wieder schwamm sie fort. Bis aufs äußerste haben sie sie umhergejagt, und schon, ach du lieber Gott, kann sie nicht mehr. Jetzt wollen sie sie zum Herrn treiben, da fängt sie wieder an: »Wiet-wiet-wiet, den Fuß steckt' ich -
Wiet-wiet-wiet, nur ihn nicht brechen!
Wiet-wiet-wiet, Flügel steckt' ich -
Wiet-wiet-wiet, nur ihn nicht brechen!
Wiet-wiet-wiet, Schnabel steckt' ich -
Wiet-wiet-wiet, nur ihn nicht reißen!«
Der Herr - schwupp - und er hatte sie gefasst und brachte sie ans Ufer. Er warf sie über eine Schulter - sie wurde zur Hälfte seine Frau, über die andere - und sie wurde wieder ganz seine Frau. Dann kam sie nach Hause. Sie versucht und versucht, ihrem Kindlein Milch zu geben, denn sie sieht, es ist schon fast vergiftet, sein kleines Bäuchlein ist ganz krank. Da banden sie die Hexe an den Schwanz eines Hengstes. Der Hengst sprengte gewaltig los und schleifte sie hinter sich her über Stock und Stein.