[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Die heilige Ich-esse-nichts

Es war einmal eine Hausherrin, die war ganz unausstehlich geizig. Sie gab dem Gesinde so schlecht zu essen, dass niemand es bei ihr aushalten konnte. Sie schimpfte nur immer: »Die schlingen und schlingen! Ihr könnt einem die Haare vom Kopfe fressen! Warum esse ich denn nichts?!« Und wirklich, wenn das Gesinde dabei war, aß sie niemals. Doch da war so ein schlauer Knecht. Warte mal, denkt er, bist du wirklich eine solche heilige Ich-esse-nichts?

Am Sonntagmorgen ist die Hausfrau dabei, sich für den Kirchgang fertigzumachen. Doch der Knecht lief, von niemandem gesehen, voraus und kletterte auf einen Baum am Wege. Da kommt auch schon, die Röcke geschürzt, halb im Galopp die Hausfrau angelaufen. Der Knecht fragt: »Wohin gehst du, heilige Ich-esse-nichts?«

»Ich esse ja, ich esse ja, liebster Herrgott, doch nur, wenn das Gesinde es nicht sieht!«

Als die Hausfrau nach Hause kommt, isst der Knecht gerade und sagt: »Wohin gehst du, heilige Ich-esse-nichts?« Doch die Hausfrau kann sich nun denken, was das für ein »lieber Herrgott« war. Und sie schimpfte vielleicht los!