[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Der Wechselbalg

Eine Frau hatte ein kleines Kind, das wuchs nie. Es war immer hungrig und nie zufrieden, Jahr für Jahr lag es nur in der Wiege, es lief nicht, und nichts schien ihm zu helfen. Sein Gesicht war haarig und sah seltsam aus. Eines Tages kam der ältere Sohn der Frau, ein Soldat, vom Krieg nach Hause, und er war überrascht, seinen Bruder immer noch in der Wiege zu sehen. Als er aber hineinschaute, sagte er: »Das ist nicht mein Bruder, Mutter.«

»Er ist es aber«, sagte die Mutter. »Das werden wir sehen«, sagte er. Dann nahm er zuerst ein frisches Ei, blies es aus und füllte die Schale mit Hopfen und Malz. Dann fing er an, über dem Feuer zu brauen. Daraufhin kam ein Lachen aus der Wiege. »Ich bin alt, so alt, so uralt«, sagte der Wechselbalg, »aber noch nie zuvor habe ich gesehen, dass ein Soldat in einer Eierschale Bier braut.« Dann stieß er einen entsetzlichen Schrei aus, denn der Soldat ging mit der Peitsche auf ihn los, und er jagte ihn rund um die Stube herum, ihn, der nie vorher seine Wiege verlassen hatte! Zuletzt verschwand er zur Tür hinaus, und als der Soldat hinter ihm herging, traf er auf der Türschwelle seinen lang verlorenen Bruder. Der war ein Mann von vierundzwanzig Jahren und war schön und kräftig. Die Elfen hatten ihn in einem schönen Palast unter den Felsen aufgezogen und ihn mit dem Besten von allem genährt! Er sagte, nie wieder würde er so gut dran sein, aber er musste nach Hause kommen, als seine Mutter ihn rief.