[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Das Lied des Wolfes

Es war einmal ein Alter mit seiner Alten. Sie hatten fünf Schafe, einen kleinen Hund Krummschwänzlein und eine kleine Hündin Dickbäuchlein. Na, und da kommt der Wolf zu den Alten und sagt: »Striulinke, bulinke,
Beide seid ganz gleich ihr.
Da der Opa mit der Oma
Haben Schafe, fünf an Zahl gar,
Und 'nen Hund mit krummem Schwänzlein,
Hündin auch mit dickem Bäuchlein.«
Der Alte wirft ein Schaf hinaus. Der Wolf frisst das Schaf ratzekahl auf, geht nach Hause, legt sich hin, kommt wieder. Er kommt wieder und sagt: »Striulinke, bulinke,
Beide seid ganz gleich ihr.
Da der Opa mit der Oma
Haben jetzt noch Schafe, vier an Zahl gar,
Und 'nen Hund mit krummem Schwänzlein,
Hündin auch mit dickem Bäuchlein.«
Da wirft er wieder ein Schaf hinaus, der Alte. Er wirft also wieder das Schaf hinaus, und der - kannst dir schon denken, wer - frisst es wieder ganz auf, der Wolf, und zieht wieder los. Doch am Abend kommt er wieder, und wieder sagt er: »Striulinke, bulinke,
Beide seid ganz gleich ihr.
Da der Opa mit der Oma
Haben jetzt noch drei der Schafe,
Hündin auch mit dickem Bäuchlein
Und 'nen Hund mit krummem Schwänzlein.«
Wieder wirft der Alte ein Schaf hinaus. Ihnen bleiben jetzt nur noch zwei. Na, und weiter, weißt du: ein Schaf hinaus (er war schon wieder gekommen). An dem Abend kommt er nun nicht mehr, aber am nächsten Abend. Am nächsten Abend also kommt er wieder - der Alte fürchtet, dass er auch das andere noch rauswerfen muss. Wieder singt der Wolf: »Striulinke, bulinke,
Beide seid ganz gleich ihr.
Da der Opa mit der Oma
Haben jetzt noch zwei der Schafe
Und 'nen Hund mit krummem Schwänzlein,
Hündin auch mit dickem Bäuchlein.«
Er wirft wieder ein Schaf hinaus. Eins haben sie nur noch. Und weiter: Jetzt kommt er bestimmt nicht mehr! Doch da kommt er schon wieder und singt: »Striulinke, bulinke,
Beide seid ganz gleich ihr.
Da der Opa mit der Oma
Haben nur noch eins von den Schafen,
Hündin auch mit dickem Bäuchlein
Und 'nen Hund mit krummem Schwänzlein.«
Da wirft er ihm das letzte Schaf hinaus. So etwa zwei Tage kommt der Wolf nicht wieder. Na, und weiter, kannst's glauben: Da kommt er doch schon wieder an: »Striulinke, bulinke,
Beide seid ganz gleich ihr.
Nur noch übrig ist der Hund mit dem Krummschwanz,
Hündin auch mit dickem Bäuchlein
Und der Opa mit der Oma.«
Er wirft ihm die liebe Hündin hinaus. Der frisst die Hündin auf und geht nach Hause. Doch er kommt schon wieder an! Er wartet ein wenig, dann singt er wieder: »Striulinke, bulinke,
Beide seid ganz gleich ihr.
Da der Opa mit der Oma,
Und sie haben
Nur den Hund noch mit dem Krummschwanz.«
Er wirft das Hündchen hinaus; der Wolf frisst also auch das Hündchen und geht los. Doch wieder kommt er an, und wieder singt er: »Striulinke, bulinke,
Beide seid ganz gleich ihr.
Übrig ist noch
Der Opa mit der Oma.«
Und er singt es einmal und ein zweites Mal - na, ganz gleich -, schon wirft der Alte die Alte hinaus. Er stößt die Alte also hinaus. Der Wolf frisst die Alte auch wirklich auf. Na, und so etwa zwei Tage bleibt er weg. Doch der Greis verrammelt die Tür ganz fest und verstellt alles andere - wenn der doch nicht mehr wiederkäme! Doch der Wolf kommt: »Striulinke, bulinke,
Einst war Opa hier
Und auch Oma.
Übrig ist jetzt
Nur noch der Opa.«
Er singt und singt - niemand kommt mehr heraus. Da - der Wolf durch das Fenster! Er fraß und fraß den Alten auf, hockte sich hin, erledigte sein Geschäft und ging dann seiner Wege. Nun war also keiner mehr da.