[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Wie das Haar sich rächte

In alten Zeiten lebten der Magen und das Haar in der gleichen Stadt. Das Haar trat einmal eine Handelsreise an und ließ seine Frauen allein zurück. Während dieser Zeit kam der Magen und schlief mit jeder von ihnen. Als das Haar zurückkam, rief es seine Frauen, sie sollten ihm ein Bett zurechtmachen, aber sie weigerten sich und sagten: »Wenn du uns eine große Kalebassenschale voll Essen kochst und uns ein paar von den schönen Kleidern gibst, die du mitgebracht hast, dann erzählen wir dir, was hier im Haus geschehen ist.« Das Haar tat, was sie wünschten, und die Frauen sagten: »Jetzt wollen wir dir alles erzählen, wie versprochen. Während du auf Reisen warst, kam der Magen her und hat mit jeder von uns geschlafen.« Das Haar wurde furchtbar wütend, ging in sein Zimmer und verkündete laut, wie es sich am nächsten Tag rächen wollte. Die Ratte in ihrem Loch hörte, was das Haar vorhatte, rannte zum Magen und rief: »Mach dich fertig, du darfst nicht länger hier bleiben. Das Haar kommt, um sich für das zu rächen, was du mit seinen Frauen getan hast.«

Früh am anderen Morgen verließ der Magen sein Haus, um sich vor seinem Feind in Sicherheit zu bringen. Er war noch gar nicht weit gekommen, da hörte er ihn hinter sich. Er rannte los, so schnell er konnte, bis er schließlich einen Mann einholte, der die Straße entlangging. Zu dem sagte er: »Würdest du so nett sein und den Mund öffnen?« Der Mann tat, worum er gebeten wurde, und der Magen spazierte hinein. Als das Haar heran war, fragte es den Mann: »Hast du den Magen vor- beikommen sehen?«

»Nein«, erwiderte der Mann, »was ist denn los?« Da erzählte ihm das Haar, was sich zugetragen hatte, und der Mann meinte: »Aha! Darum wollte der Magen sich so dringend verstecken. Er ist jetzt in meinem Körper.« Das Haar sagte: »Ich glaube dir nicht.« Trotzdem neigte es den Kopf und hielt sein Ohr an den Bauch des Mannes. Es hörte darin etwas vor Angst beben und wusste nun, wo sein Feind war.

Da nahm das Haar Zähne, setzte sie in den Mund des Mannes und sprach zu ihnen: »Wenn mein Feind versucht, hier herauszukommen, beißt ihn und lasst ihn nicht entkommen.« Es selber ließ sich in der Nase des Mannes nieder, außerdem rings um beide Augen, damit sein Feind auch da nicht hinaus konnte, und schließlich über dem Mund als Schnurrbart, um so über die Zähne wachen zu können. Seitdem ist es nun so: Fällt jemandem ein Haar ins Essen, und er verschluckt es, muss er es sogleich wieder erbrechen. Haar und Magen haben nämlich ihren Streit bis heute noch nicht beigelegt und können sich darum nicht vertragen.