Wie Aldar-Kosse drei Riesen besiegte - Hekaya
[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Wie Aldar-Kosse drei Riesen besiegte

In jenem Sommer war es ruhig in der Steppe, es gab weder feindliche Überfälle noch Fehden oder Viehraub. Doch plötzlich brach das Unglück herein: Aus fremden Landen, von verschneiten Bergen kamen drei Riesen. Sie stellten ihre Riesenjurte an einem Berg auf und sannen darauf, wie sie Essen erbeuten könnten. Aber weshalb lange darüber nachdenken, wo es doch ganz in der Nähe etwas zu essen gab: In dem Flachland weiden Pferde - das ist gut!
Schafe ziehen durchs Tal in Herden - das ist gut!
Über Felsen springen Ziegen - das ist gut!
Auf den Hängen Kühe liegen - das ist gut!
Die Riesen fielen über die Herden her und fraßen sie auf. Das Vieh brüllte, die Hirten eilten herbei, aber konnten sie es etwa mit den Riesen aufnehmen?! Die schlugen sich den Bauch voll, und vor lauter Übermut begannen sie ein Spiel: Tausendjährige Felsen, tausend Pud schwere Steine hoben sie aus der Erde aus und warfen sie hin und her. Von diesem Spiel ächzte die Erde, plätscherte das Wasser, flohen die Tiere aus ihren Höhlen, verließen die Vögel ihre Nester, zogen die Nomadenlager von üppigen Weiden in die verdorrte Steppe. Die Aksakale, die Sippen- und Aulältesten, versammelten sich und sannen darüber nach, wie sie sich gegen das Unglück wehren, wie sie die Riesen besänftigen könnten. Sie starrten ihre Bärte an, sannen einen Tag, den zweiten, den dritten...

Während sie nachdachten, schritt Aldar-Kosse schon zur Tat. Er beschlug sich die Stiefel, wechselte das Hemd, schnitzte sich einen Stock, nahm frischen Quark in einem Säckchen mit und begab sich geradewegs zu den Bergen, zum Lager der Riesen. Wer ihm unterwegs begegnete, versuchte ihn umzustimmen: »Kehre um, Aldar-Kosse, du setzt dein Leben sinnlos aufs Spiel... Fliehe mit uns vor der Gefahr, rette dein Leben!« Als Antwort lachte Aldar-Kosse nur: »Der Hase flieht vorm Rascheln des Schilfs, der Held stirbt für die Ehre!«

»Du wirst ganz anders sprechen, Spaßvogel, wenn du die Riesen siehst. Dir wird gleich bange werden, Freundchen.« Aldar-Kosse wieder: »Wenn man einen Zaghaften lange jagt, wird er tapfer, wenn man einen Schwachen stark ärgert, wird er stark.«

»Mit Tapferkeit allein kann man gegen die Riesen nichts ausrichten. Und es gibt in der ganzen Welt keine Kräfte gegen sie.«

»Der Stein zermalmt den Kopf, die Hand zermalmt den Stein. Habt ihr davon schon gehört? Die Riesen werden mir nichts antun, denn jeder Riese hat seine Mucken.« So ging also Aldar-Kosse seines Weges. Schon kamen die Schneegipfel in Sicht. Von den Gipfeln her bewegte sich wie ein lebendig gewordener Berg ein Riese auf Aldar-Kosse zu.

Als Aldaken das Ungeheuer sah, stockte ihm der Atem. Aber er sagte sich: »Der Feigling stirbt tausendmal, der Tapfere nur einmal. Was habe ich zu verlieren? Ein Nackter braucht den Platzregen nicht zu fürchten...« Der Riese blieb stehen und stemmte die Fäuste in die Hüften, beugte sich herunter und betrachtete den Menschen. Aldar blieb ebenfalls stehen und beschaute den Riesen, nur von unten nach oben. So stand er da und lachte plötzlich laut los. »Ha-ha-ha! Ha-ha-ha!« Der Riese hatte noch nie einen Menschen lachen hören. »Was sagst du?« keifte er. »Nichts. Ich lache über dich.«

»Du lachst? Was ist denn so komisch an mir?«

»Du kamst mir so schwächlich vor, Riese.«

»Bist du etwa stärker?«

»Ob stärker oder nicht, aber ich kann Wasser aus einem Stein herauspressen.«

Bei diesen Worten beugte sich Aldar-Kosse herunter, als würde er einen Stein aufheben, in der Hand aber hielt er den ziemlich großen Klumpen Quark versteckt. Er drückte den Quark noch fester, die Molke quoll zwischen den Fingern hervor. »Nun, Riese, versuch es auch einmal!« Der Riese suchte einen Stein, drückte ihn mit einer Hand, dann mit beiden, strengte sich so an, dass er schweißnass war, aber kein Wasser floss aus dem Stein. Er warf den Stein weg und sprach: »Nun sehe ich, dass du sehr stark bist. Warum wollen wir streiten, Recke? Komm mit mir. Du sollst mir ein teurer Gast sein.«

Sie gelangten zu der Jurte. Das war nun wirklich eine Riesenjurte! Mit der Arba in drei Tagen nicht zu umfahren, an einem Tag mit dem Pferd nicht zu umreiten. Sie traten ein. Aldar-Kosse grüßte höflich, der Riese lobte Aldars Kraft und Gewandtheit vor seinen Gefährten. Die Riesen gaben Aldar den Ehrenplatz, nahmen aus dem Kessel, so groß wie ein umgedrehter Hügel, einen Bullen heraus und gingen daran, den Gast zu ehren. Aldaken lehnte jede Speise ab: »Danke, ich habe mich heute früh satt gegessen, hundert Bullen und tausend Hammel herunter geschlungen. Esst selbst, ihr habt's nötig, seht ja erbärmlich aus...« Da malmten die Riesen mit Zähnen und Kiefern, und im Nu war der riesige Kessel leer. Satt gegessen, luden die Riesen den Gast zum Spielen ein, sie wollten sich draußen belustigen. »Ich spiele gern«, sagte Aldar-Kosse, »wenn es ein ehrliches Spiel ist. Aber wehe dem, der beim Spiel mit mir mogelt!«

»Keine Bange, lieber Gast, unser Spiel ist ohne List. Wer den schwersten Felsen aufhebt und ihn am weitesten wirft, der ist der Gewinner.«

Der erste Riese nahm einen Felsen so groß wie die Jurte und warf ihn so weit, wie ein Pfeil fliegt. Der zweite Riese warf einen doppelt so großen Felsen zweimal so weit. Der dritte warf einen noch größeren Felsen dreimal so weit, wie ein Pfeil fliegt. Die Erde ächzte, das Wasser plätscherte, schwarzer Staub stieg zum Himmel. »Jetzt bist du an der Reihe, deine Kraft zu zeigen, Recke«, sagten die Riesen zu Aldar. Aldaken gähnte, rekelte sich, kratzte sich faul den Rücken und brummte unzufrieden: »Das nennt ihr Spiel? Ihr solltet mit den Aulkindern Murmeln spielen. Wenn ich schon etwas werfen soll, dann nicht Felsen, sondern den ganzen Berg.«

»Den ganzen Berg?!« staunten die Riesen. »Ja, den Berg«, bestätigte Aldar-Kosse. »Nur ratet mir, in welche Richtung ich ihn werfen soll. Werfe ich ihn in die Richtung Osten - versperrt er dem Tag den Weg, und die ewige Nacht bricht an. Werfe ich ihn nach Westen - versperrt er der Nacht den Weg, dann wird ewig Tag sein, und das ist auch wieder nicht gut. Nach Norden werfen - da versperrt der Berg dem kühlen Wind den Weg, alles Leben stirbt vor Hitze. Werfe ich ihn nach Süden - versperrt er dem warmen Wind den Weg, und die Erde vereist auf ewig. Das beste, ich werfe den Berg hoch!«

Da fielen alle drei Riesen Aldar-Kosse zu Füßen: »Oh, ruhmreicher Recke, du sollst Sieger sein, nur wirf den Berg nicht hoch, wir flehen dich an!«

»Ich brauche keinen geschenkten Sieg«, sträubte sich Aldar. »Ich bin an der Reihe. Und ich werfe den Berg, wohin ich will.«

»Unser Gebieter, habe Erbarmen mit uns!« flehten die Riesen noch inbrünstiger. »Tue mit dem Berg, was du willst, nur Lass uns zuvor in unser Reich gehen.«

»Ach, seht mal an«, beschämte Aldar die Riesen. »Ihr verspracht, ehrlich zu spielen! Wo ist euer Gewissen? Die Leute sagen: ›Der Großzügige hält einem das Geschenk nicht unter die Nase, der Tapfere hält sein Wort.‹ Euer Wort ist wie Asche: Wohin der Wind weht, dorthin fliegt es... Na gut, obwohl ihr gemogelt habt, lasse ich euch in alle vier Winde ziehen. Bei uns gilt das Gesetz: Was du dem eigenen Vater nicht verzeihst, verzeihe einem Fremden. Aber beeilt euch! Denn es gelüstet mich, den Berg in den Himmel zu werfen, alle Muskeln spielen schon!« Und Aldaken krempelte die Ärmel auf. Die Ärmel aufkrempeln, das geht schnell, von den Riesen war aber in der kurzen Zeit keine Spur mehr.

Die graubärtigen Aksakale saßen immer noch finster dreinschauend und hingen ihren Gedanken nach. »Salem aiejkum, weise Alten!« hörten sie plötzlich Aldars fröhliche Stimme. »Obwohl es sich nicht schickt, dass ich, ein Bartloser, eine so ehrwürdige Versammlung störe, so kommt es doch vor, dass man in der Not in Stiefeln ins Wasser gehen muss. Genug gedacht! Gebt mir ein Geschenk für die frohe Kunde! Die gefährlichen Riesen haben unser Land verlassen!« Die Aksakale schüttelten ärgerlich die Barte. »Was lügst du, Schwätzer! Es ist nicht die rechte Zeit für Scherze!« Aldar-Kosse lachte: »Was ein Armer auch immer sagt, wird stets Lüge genannt! Wenn ihr euren Ohren nicht traut, traut euren Augen.« Da traten die Aksakale aus der Jurte hinaus und sahen ringsum nur Jubel, Freude und Heiterkeit: Die Nomadenlager kehrten mit Liedern, mit Musik und Spielen auf die Weiden zurück. Wieder war es friedlich in der Steppe. In dem Flachland weiden Pferde - das ist gut!
Schafe ziehen durchs Tal in Herden - das ist gut!
Über Felsen springen Ziegen - das ist gut!
Auf den Hängen Kühe liegen - das ist gut!
In dem Kokpekgrase fühlen sich die Kamele gut,
guten Leuten geht's in den Aulen gut.