[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Vom Mann, der die Sprache der Hühner verstand

Ein Jäger hatte einmal eine Schirrantilope angeschossen, die daraufhin in einem Loch im Boden verschwand. Er folgte ihr - und stand auf einmal in der Totenstadt. Dort sah er die Antilope wieder, auf die er geschossen hatte. Der Mann, dem sie gehörte, wusch ihr das Blut vom Körper ab. Dabei klagte er immer wieder, man hätte ihm beinahe das Schaf getötet. Als er nun den Jäger erblickte, fragte er ihn, woher er komme und ob er es etwa gewesen sei, der das Schaf beinahe getötet hätte. Der Jäger winkte erschrocken ab.

Nach einer Weile sah der Jäger ein Kind, dem das Kopfhaar sehr dicht wuchs. Er holte ein Messer aus der Ledertasche und fing an, dem Kind die Haare zu scheren. Als die Leute aus der Totenstadt sahen, was für feine Figuren er aus dem Haar herausrasierte, da freuten sie sich und riefen alle anderen herbei, damit auch sie den Mann sehen könnten, der es verstand, so schöne Frisuren zu machen. Er musste nun allen Leuten solche Figuren ausrasieren und war darum sehr beliebt. So blieb er zwei Monate in der Totenstadt. Seine Angehörigen aber hatten ihn vergessen und meinten, er sei gestorben.

Als der Jäger nun nach Hause zurückkehren wollte, zeigten ihm die Geister einen Zug von Wanderameisen, dem er folgen sollte, bis er wieder in seine Heimatstadt käme. Sie geboten ihm auch: »Da, wo du hingehst, lache niemals, auch wenn du ein Huhn reden hörst! Verrate keinem Menschen etwas davon. Sagst du etwas, wirst du sterben.« Denn der Jäger hatte in der Totenstadt die Hühnersprache kennen gelernt. Er folgte nun den Wanderameisen, bis er in seine Heimat kam. Als seine Leute ihn sahen, freuten sie sich sehr, dass er noch am Leben war.

In der Stadt, in der er wohnte, gab es einen Einäugigen, der in einem Haus auf der anderen Straßenseite lebte. Eines Tages war der Einäugige dabei. Palmkerne aufzuklopfen. Ein Huhn kam mit seinen Kücken heran, um von den Kernen zu fressen, aber der Einäugige jagte sie immer wieder davon. Als das Huhn das merkte, sprach es zu seinen Jungen: »Geht ihr hinüber auf die Seite, wo das blinde Auge ist! Ich gehe auf die Seite, wo er sehen kann. Wenn er mich nun gesehen hat und fortjagt, dann verzehrt ihr die Kerne, bis keine mehr da sind.« Als der Jäger hörte, was das Huhn sagte, fing er an zu lachen. Der Einäugige dachte, er lache ihn aus. Der Jäger wehrte ab: »Nein, ich lache dich doch nicht aus.«

»Du lügst, du lachst mich doch aus!« beharrte der Einäugige. Dann fing er an zu streiten und rief alle seine Angehörigen dazu. Schließlich sprach der Jäger: »Wenn ich sterbe, so ist der Einäugige an meinem Tod schuld. Habt ihr das gehört?« Sie bejahten das, und darauf erzählte er, wie das Huhn seine Kinder auf die Seite geschickt hatte, wo das erblindete Auge war. »Da habe ich gelacht«, schloss er. Aber kaum hatte er das gesagt, da starb der Jäger.