[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Kolibri und Webervogel

Der Webervogel hatte sich ein Nest gebaut, und der Kolibri war gekommen, um es sich anzuschauen. Eines Tages regnete es. Der Kolibri, der kein Nest hatte, flog zum Webervogel: »Öffne mir«, bat er, »ich lege mich auch ganz unten hin.« Zuerst wollte ihn der Webervogel nicht einlassen, aber als der Kolibri versprach: »Freund, gleich morgen baue ich mir ein eigenes Haus«, gab er nach und ließ ihn ein.

Am nächsten Tag aber hatte der Kolibri sein Versprechen längst vergessen. Bald darauf regnete es wieder. Auch diesmal kam der Kolibri zum Webervogel und bat: »Freund, Lass mich doch ins Haus!« Der Webervogel gewährte ihm noch einmal Unterschlupf, aber am Tag darauf verschloss er sein Nest, so fest er konnte. Und als er den Kolibri rufen hörte: »Freund, öffne mir!« gab er zurück: »Nein, heute wirst du draußen übernachten müssen, ich verweigere dir den Zutritt. Scher dich fort!«

»Ach bitte, bitte, mach doch auf!« jammerte da der Kolibri, »morgen werde ich ganz bestimmt bauen!« Aber der Webervogel blieb fest: »Nein, meine Geduld ist zu Ende«, sprach er, »ich will nicht!« Der Kolibri bat wieder und wieder, aber der Webervogel meinte nur: »Bisher hast du stets gelogen.«

Da musste sich der Kolibri unter einen Baum schlafen legen. Aber als der Morgen kam, baute er sich selbst ein Nest.