[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Die zwei Hörner

Eine Hungersnot war ausgebrochen, und der Tukur sprach zu seiner Familie: »Ich gehe in die Steppe, um zu sterben, aber vielleicht finde ich auch essbare Früchte.« Dann machte er sich auf den Weg. An einem Teich hörte er eine alte Frau lachen: »Ha, ha, ha!« Da warf der Tukur seine Angel ins Wasser und zog ein Horn heraus. Er betrachtete es eine Weile und sprach dann zu dem Horn: »Bist du ein Horn, das Essen kocht, dann koche für mich. Bist du aber ein Horn, das schlägt, so schlage mich.« Da kochte das Horn eine große Menge Essen, und der Tukur füllte sich nach Herzenslust den Magen. Als er satt war, steckte er das Horn in seinen Sack und kehrte ins Dorf zu seiner Frau zurück. Dort sprach er wieder zu seinem Horn: »Bist du ein Horn, das Essen kocht, dann koche für meine Frau.« Das Horn kochte, und alle aßen und aßen, bis sie genug hatten.

Eines Tages, der Tukur war auf dem Feld, tauchte der Mekir im Dorf auf. Als er die Kinder des Tukurs so vergnügt spielen sah, fragte er: »Bei uns herrscht Hungersnot, wie könnt ihr da spielen, als ob nichts wäre?« Da erzählte der Junge des Tukurs: »Mein Vater hat etwas im Haus, das kocht uns Essen, soviel wir nur wollen.« Sofort trat der Mekir ins Haus des Tukurs, fand das Horn und sprach: »Bist du ein Horn zum Schlagen, dann schlage mich, bist du aber ein Horn, das Essen kocht, so koche mir etwas.« Das Horn kochte eine reichliche Mahlzeit, und der Mekir ließ es sich gut schmecken. Als er endlich satt war, nahm er das Horn an sich und lief in sein Dorf zurück.

Als der Tukur vom Feld zurückkam, suchte er vergeblich nach dem Horn. Da begab er sich wieder zu jenem Teich, warf seine Angel aus - und wahrhaftig, er holte wieder ein Horn heraus. Wie das erste redete er es an: »Bist du ein Horn, das schlägt, so schlage mich, bist du aber ein Horn, das Essen kocht, so koche etwas für mich.« Da schlug das Horn so kräftig auf den Tukur ein, dass dieser schließlich ganz jämmerlich bettelte: »Ich bitte dich, lass ab von mir. Komm aber mit in mein Dorf und schlag meine Frau.« Das Horn ließ nun ab vom Tukur, und der steckte es in seinen Sack und kehrte ins Dorf zurück. Dort holte er das Horn hervor und sprach: »Bist du ein Horn zum Schlagen, so schlage meine Frau, meine Kinder und alle Leute hier im Dorf.« Da prügelte das Horn drauflos und ließ niemanden aus. Es schlug so lange auf die Frau des Tukurs. dessen Kinder und die anderen Dorfbewohner ein, bis der Tukur endlich gebot: »Es ist genug. lass ab jetzt, aber noch jemand wird kommen, den du schlagen wirst.«

Nach einiger Zeit tauchte der Mekir wieder im Dorf des Tukurs auf und fragte den Jungen erstaunt: »Ihr spielt ja immer noch so vergnügt?«

»Weißt du denn nicht«, antwortete da der Sohn des Tukurs, »dass mein Vater wieder ein Horn hat, das Essen kocht, viel mehr als das erste?«

»Wo steckt es?« wollte der Mekir sofort wissen. »Am gleichen Platz wie das vorige«, gab ihm der Junge Auskunft. Der Mekir stürzte ins Haus, fand das Horn und sprach es sofort an: »Bist du ein Horn, das schlägt, so schlage mich. Bist du aber ein Horn, das Essen kochen kann, so koche mir etwas.« Da schlug das Horn mit voller Kraft auf den Mekir ein. Der ließ alle seine Sachen, auch das Horn, das er bei seinem ersten Besuch gestohlen hatte, liegen und lief davon, so schnell er konnte.