[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Die Gaben der Söhne

Ein alter König rief seine drei Söhne zu sich und sprach: »Liebe Söhne! Ich habe keine Kraft mehr, um unser Land zu regieren. Zudem ist mein letztes Stündlein nicht mehr fern. Ich liebe euch alle drei gleichermaßen, doch nur einer von euch kann Thronerbe werden, und ich vermag nicht zu entscheiden, wer der würdigste ist. Deshalb versucht euer Glück und zieht in die Welt hinaus. Wessen Geschenk mir am besten gefällt, der soll mein Erbe sein.« Da machten sich die Söhne auf und zogen davon, jeder in eine andere Richtung, um ein Geschenk für den Vater zu finden, das ihnen die Erbschaft sicherte. Der älteste Sohn überlegte nicht lange. Da er wusste, dass der König Edelsteine liebte, kaufte er den größten Diamanten, den er auftreiben konnte, und brachte ihn seinem Vater. Dieser freute sich über das Geschenk und schloss es weg. Der zweite Sohn sagte sich: Vaters Krone ist schon recht alt und abgetragen, schlecht wird sie mir zu Gesicht stehen, wenn man mich zum König krönt. Deshalb will ich beim Goldschmied eine Krone bestellen, die schöner ist als alles, das je ein König getragen hat. Und als er das Meisterwerk des Goldschmieds seinem Vater darbrachte, freute sich dieser und legte es zu seinen übrigen Schätzen.

Der jüngste Sohn streifte auf der Suche nach einem passenden Geschenk kreuz und quer durch die Welt, doch alles, was ihm vor Augen kam, schien seines Vaters unwürdig zu sein. Etwas Ähnliches hat mein Vater schon in seiner Schatzkammer, sagte er sich. Zudem liegt alten Leuten nicht mehr viel an irdischem Besitz. Nein, ich vermag nichts zu finden, was das gütige Herz meines Vaters erfreuen könnte, und so bleibt mir nichts anderes übrig, als mit leeren Händen heimzukehren und den Thron einem von meinen Brüdern zu überlassen. Ich beneide sie nicht darum, habe ich doch an der Liebe meines Vaters genug. Und er kehrte zu seinem Vater zurück. »Was für ein Geschenk hast du mir mitgebracht, lieber Sohn?« fragte der König. »Mein Vater«, erwiderte der Jüngste schüchtern, »ich habe die ganze Welt nach einem Geschenk durchstreift, das Euer würdig wäre, aber trotz eifrigen Suchens konnte ich nichts finden. Deshalb bringe ich Euch nichts als mein liebendes Herz. Nehmt es zum Geschenk und gebt Euer Königreich einem meiner Brüder, die sicherlich bessere Herrscher sein werden als ich. Mir aber erlaubt. Euch bis zu Eurem Tode mit inniger Sohnesliebe zu umgeben, etwas anderes wünsche ich mir nicht.« Bei diesen Worten schloss der alte König seinen Sohn unter Freudentränen in die Arme. »Nein, lieber Sohn!« sprach er. »In meinem Reich wird kein anderer König sein als du, denn deine Sohnesliebe ist für mich das beste Geschenk.«