[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Die drei Freier

Drei Männer bewarben sich einmal um die Hand eines Mädchens. Da entschieden die Eltern des Mädchens: »Wer von euch etwas bringt, das es auf der ganzen Welt nicht noch einmal gibt, bekommt unsere Tochter.«

Da machten sich die Männer auf den Weg. Lange wanderten sie, begaben sich in entlegene Gegenden, und jeder suchte zwei Monate lang nach etwas Einmaligem. Der eine Mann fand ein Pferd, das bewältigte die Entfernung von vierzig Tagesmärschen an einem einzigen Tag. Der andere hatte ein wunderbares Wasser erworben. Goss man einem Toten innerhalb von vierzig Tagen etwas davon in den Mund, so erhob er sich, und das Leben kehrte wieder in ihn zurück. Der dritte schließlich verfügte nun über ein Fernrohr besonderer Art. Hielt er es vor die Augen, konnte er alle Orte sehen, die bis zu vierzig Tage entfernt lagen.

Die drei Männer trafen wieder zusammen und machten sich gemeinsam auf den Weg zum Dorf des Mädchen. Als sie zwanzig Tage gewandert waren, sprachen sie zueinander: »Halten wir an! Der Mann mit dem Fernrohr soll Ausschau halten und sagen, ob im Dorf unserer Frau alle gesund sind.« Er schaute durch das Fernrohr. O weh! Das Mädchen war gestorben. Man hob sie eben auf, um sie in den Wald zu tragen. »Unsere Frau ist gestorben!« berichtete der Mann den anderen. Gleich hieß es: »Mann mit dem Pferd, beeil dich, bring das Mädchen her!« Der Mann mit dem Pferd galoppierte davon und war nach kurzer Zeit auch mit der Toten zurück. Nun war der mit dem Wasser an der Reihe. Er Goss dem Mädchen etwas davon in den Mund, und, siehe da, die junge Frau wurde wieder lebendig. Sie setzten das Mädchen aufs Pferd und brachten es ins Dorf. Vater und Mutter des Mädchens kamen ihnen entgegen und sprachen: »Seid gegrüßt, ihr habt eine gute Tat vollbracht!« Nun verlangte der mit dem wunderbaren Wasser: »Gebt mir das Mädchen zur Frau, ich habe sie wieder ins Leben gerufen!« Aber der mit dem Fernrohr widersprach: »Mir gehört sie, denn ich habe zur rechten Zeit entdeckt, dass sie tot ist.« Doch davon wollte der mit dem Pferd nichts wissen: »Mir gebührt sie!« sagte er. »Schließlich war nur ich imstande, sie zu euch zu bringen.«

Und nun stritten die drei miteinander, rauften sich, stachen mit den Messern aufeinander ein. Der erste ließ sein Leben, der zweite kam um, und auch der dritte starb bald darauf. So hatte keiner das Mädchen bekommen, um das sie geworben hatten.