Des armen Mannes Tochter - Hekaya
[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Des armen Mannes Tochter

Des armen Mannes Tochter

Der Padischah des Landes Adsham hatte einen nichtsnutzigen Sohn, dessen Benehmen so übel war, dass das Volk seine bösen Streiche nicht mehr dulden wollte. Darum begaben sich die Bürger der Stadt in den Palast, um ihre Klagen vorzubringen. Der Padischah jagte die Leute wutschnaubend davon und erteilte Befehl, ihnen nachzueilen und sie alle hinzurichten. Doch da gab sein Wesir zu bedenken: »Halt ein, Padischah, und mäßige deinen Zorn! Dein Sohn zählt schon zwölf Jahre, gib ihn in eine Schule, damit er zur Vernunft kommt?« Wirklich gab der Padischah seinen nichtsnutzigen Sohn in eine Schule. Als das verzogene Söhnchen des Padischahs die Bücher sah, fing es an zu heulen und schrie: »Ich will nicht lernen! Ich bin doch ein Prinz - also kann ich machen, was ich will! Wozu soll ich mir den Kopf zerbrechen?« Dem Lehrer fuhr der Schreck in die Glieder, und er dachte: »Wenn ich den Sohn des Padischahs ausschelte und ihn zwinge, die Schulaufgaben zu machen, wird der Junge zu seinem Vater laufen und sich beschweren. So kann ich meinen Kopf verlieren. Soll er machen, was er will!«

Drei Jahre ging der Sohn des Padischahs in die Schule. In dieser ganzen Zeit trieb er mit Altersgenossen das Knöchelspiel und lernte überhaupt nichts. Schließlich erinnerte sich der Padischah seines Sohnes, ließ ihn holen und befahl vierhundert langbärtigen Greisen: »Prüft einmal, wie mein Sohn liest und welche Bücher er kennt!« Der nichtsnutzige Schlingel trat ein und stellte sich vor den Padischah und seine vierhundert Weisen. »Was hast du denn in der Schule gelernt, mein lieber Sohn?« Da langte der Nichtsnutz aus seiner Tasche ein paar Knöchel und wiegte sie im Handteller. »Das da!« Zornentbrannt befahl der Padischah, den Lehrer zu köpfen, der sieben Waisen hinterließ. Dann schickte der Padischah einen Herold durch die Stadt, der verkünden musste: »Wer Ohren hat, der höre! Wer meinem Sohn binnen vierzig Tagen das Lesen beibringt, den werde ich belohnen. Wenn sich aber niemand findet, der ihn zu unterrichten vermag, dann mache ich die Stadt dem Erdboden gleich, und von ihren Bewohnern soll nicht einmal Asche zurückbleiben!«

In dieser Stadt lebte aber ein alter Mann, der eine neunjährige Tochter hatte. An jenem Tag saß sie am Spinnrocken und drehte den Faden, als plötzlich ihr Vater jammernd nach Hause kam. »Warum weint Ihr denn, Väterchen?«

»O Unglück über unsere Häupter! Wenn sich niemand findet, der den nichtsnutzigen Sohn des Padischahs binnen vierzig Tagen das Lesen lehrt, dann lässt der Padischah von uns nicht einmal Asche übrig.«

»Hol ihn her, ich bringe es ihm bei!« Der arme Mann wollte seiner Tochter nicht glauben, sie aber bestand so hartnäckig darauf, dass er zum Padischah ging und sagte: »Wenn Ihr es erlaubt, wird meine Tochter Euren Sohn unterrichten!«

»Es sei dem so«, willigte der Padischah ein und übergab der Tochter des armen Mannes seinen nichtsnutzigen Sohn, damit sie ihn lesen lehre. Seine Höflinge brachten den Prinzen in das Haus des armen Mannes. Als der Taugenichts sah, dass die Tochter des armen Mannes ein kleines Mädchen war, dachte er: »Der gebe ich eine Maulschelle - dann wird sie es schön bleiben lassen, mich zu unterrichten!« Das kleine Mädchen war aber sehr klug. Kaum dass er die Hand hob, hatte er eine Ohrfeige sitzen. Nie im Leben war der verzogene Prinz von jemandem geschlagen worden. Zudem war er ein großer Feigling. Darum bekam er einen solchen Schreck, dass er seither nicht zu atmen wagte, wenn das kleine Mädchen auch nur ein wenig seine Brauen runzelte. Für sein schlechtes Benehmen musste er tagtäglich Ohrfeigen einstecken. Die Tochter des armen Mannes unterrichtete den nichtsnutzigen Prinzen also, und endlich lernte er etwas.

Nach vierzig Tagen erinnerte sich der Padischah seines Sohnes, ließ seine vierhundert langbärtigen Weisen rufen und befahl: »So, jetzt bringt mir meinen Sohn her! Wir wollen sehen, was dieses Mädel ihm beigebracht hat! Hat er nichts gelernt, dann mache ich die Stadt dem Erdboden gleich und von ihren Bewohnern soll nicht einmal Asche übrig bleiben! Das Mädchen aber lasse ich wilden Pferden an die Schweife binden.« Man führte den nichtsnutzigen Prinzen herein. »So, mein Sohn, nun lies mir einmal vor!« Der Nichtsnutz begann zu lesen. Er stotterte, blieb stecken - aber er las. Der Padischah und seine Langbärtigen staunten. »Na, was taugt mein Sohn?« fragte der Padischah schließlich. »Der Prinz ist sehr begabt!« versicherten die Weisen und nickten mit den Köpfen, dass ihre langen Bärte hin und her schaukelten. Der Padischah war hocherfreut, ließ seinen nichtsnutzigen Sohn in ein golddurchwirktes Gewand hüllen, machte ihm kostbare Geschenke und veranstaltete ein Festmahl. Zu dem armen Mann aber sagte er: »Mach, dass du wegkommst! Du und deine Tochter braucht euch nichts einzubilden. Bedankt euch bei Allah, dass ihr dem sicheren Tod entgangen seid!« Die Stadtbewohner waren glücklich, dass der Padischah die Stadt nicht verwüsten und ihrer aller Leben schonen wollte.

Mögen sie sich freuen, wir aber wollen sehen, wie es dem Prinzen erging.

Als das Fest zu Ende war, legte sich der Taugenichts auf die feuchte Erde und blieb vierzig Tage und vierzig Nächte so liegen, ohne etwas zu essen oder zu trinken. Der Padischah empfand darüber großen Kummer. Er schickte seine Ausrufer zu den Basaren und ließ sie verkünden: »Wer es fertig bringt, meinen Sohn zum Sprechen zu bringen, den überhäufe ich mit Gold und schenke ihm ein schönes Mädchen mit schwarzen Zöpfen. Wenn sich aber keiner findet, dann verwüste ich die Stadt und lasse von den Bewohnern nicht einmal Asche übrig.« In der Stadt lebte eine hässliche zahnlose alte Frau. Sie nahm eine getrocknete Aprikose in den Mund, lutschte ein wenig an ihr und sagte: »Hm.« Danach ging sie in den Palast, strich dem nichtsnutzigen Prinzen über den Rücken und fragte: »Ach, Söhnchen! Dein Vater, der Padischah, hat doch genug zu essen und zu trinken, warum liegst du da und schweigst?« Da erwiderte der nichtsnutzige Prinz: »Wenn mein Vater mich mit meiner Lehrerin vermählt, werde ich sprechen, wenn nicht, bleibe ich liegen, bis ich sterbe!« Als der Padischah das hörte, ließ er die vierhundert langbärtigen Weisen kommen und trug ihnen auf: »Seht doch einmal in den heiligen Büchern nach, ob mein geliebter Sohn mit dieser Hungerleiderin vermählt werden darf!« Die vierhundert Weisen durchblätterten alle heiligen Bücher, konnten aber nichts darüber finden. Sie gingen zum Padischah und sagten: »Nein, es ist nicht zulässig.«

Der Taugenichts aber lag weiter auf dem Boden, aß und trank nichts.

Erbost ließ der Padischah die Henker rufen. Ihrer sieben traten vor den Padischah, kreuzten die Arme über der Brust, verneigten sich bis zum Boden und riefen: »Scharf sind unsere Schwerter und stark unsere Arme! Wessen Todesstunde gekommen ist, dem schlagen wir den Kopf ab, ehe Licht und Schatten einander berühren!« Sie banden den vierhundert Langbärten die Hände auf dem Rücken zusammen und führten sie auf den Platz hinaus, um sie zu köpfen. In der Stadt aber lebte ein Gesetzeskundiger. »Sollen diese vierhundert Menschen besser am Leben bleiben, als dass sie sterben«, dachte er, ging zum Padischah und schlug ihm vor: »O edler Padischah! Ich fand in den heiligen Büchern eine Erklärung, die so lang ist wie die längste Straße in Namangan. Wenn es dein Wunsch ist, dann vermähle deinen Sohn mit der Tochter des armen Mannes, wenn nicht, dann tu es nicht, beides ist gestattet.« Da freute sich der Padischah und schickte seine Leute in das Haus des armen Mannes. Sie packten das Mädchen und schleppten es in den Palast, ohne nach seinem Einverständnis zu fragen, und die Hochzeit wurde gefeiert. Am nächsten Morgen ließ der nichtsnutzige Prinz eine Grube ausheben, führte die Tochter des armen Mannes hin, band ihre vierzig dünnen Zöpfchen zu einem Knoten, schlug sie auf die rechte und dann auf die linke Wange und hängte sie an ihrem Zopf auf. »Nimm das dafür, du Barfüßlerin, dass du mich, den Prinzen, geschlagen hast!« Danach bestieg er sein Pferd und ritt zur Jagd. Am Abend kam er zurück, holte die Tochter des armen Mannes aus der Grube, und am Morgen hängte er sie wieder an ihrem Zopf auf. So vergingen vierzig Tage.

Am einundvierzigsten flehte die junge Frau unter Tränen: »Ich habe keine Kraft mehr! Lass mich für heute frei, damit ich zu meinen Eltern gehen kann, sonst werde ich sie wohl nie mehr wieder sehen.«

»Geh, komm aber sofort wieder! Wenn du dich verspätest, lasse ich dich hinrichten, deine Haut mit Stroh ausstopfen und zur Abschreckung für alle Frauen an der Palastmauer aufhängen, damit sie ihren Männern gehorchen!« Voller Freude zog die Tochter des armen Mannes ihre Itschigi an, warf sich eine Parandsha über, nahm zwei Maisfladen und eilte zu ihrer Mutter. Als die Mutter das traurige Gesicht ihrer Tochter sah, begann sie zu weinen und drang in sie: »Mein armes Kind, was ist denn mit dir? Du bist gelb wie Stroh geworden, und deine Gestalt ist krumm wie ein Haar. Ist etwa der Tod gekommen, um dich zu holen?«

»Ach, liebe Mutter, der Sohn des Schahs quält mich schon vierzig Tage! Ich bekomme kein Stückchen Brot und keinen Schluck Wasser, nur Schläge, und er hängt mich tagein, tagaus in eine Grube.« Der Mutter tat das Herz weh. Sie wusch ihrer Tochter das Gesicht, flocht ihr das Haar, breitete ein Tischtuch aus und gab ihr Leckerbissen. Als die Tochter sich gelabt hatte und ein wenig froher geworden war, öffnete die Mutter eine Truhe, holte ein Frauenbildnis hervor, reichte es ihrer Tochter und gab ihr den Rat: »Wenn dein Mann dich ins Gesicht schlägt, dann lächle, wenn er dich noch mal schlägt, dann lache. Er wird dich fragen, warum du nicht weinst, sondern lachst, du aber erwidere: ›Deine Schläge sind für mich süße Fladen und deine Schimpfworte wie Pilaw. Tu mit mir, was du willst, nur nimm nicht das Mädchen auf diesem Bild zu deiner zweiten Frau!‹ Dann lache noch lauter!«

Die Tochter des armen Mannes tat, wie die Mutter ihr geraten hatte.

Als der nichtsnutzige Prinz das Bildnis erblickte, sah er ein Mädchen von so vollkommener Schönheit, dass sein Herz von Pfeilen der Liebe durchbohrt wurde. »Weib, wessen Bild ist das?« schrie er. »Ich will sie zur Frau nehmen. Wo lebt sie?« Da sprach die Tochter des alten Mannes, wie die Mutter sie gelehrt hatte: »Lass dir nicht einfallen, sie zur zweiten Frau zu nehmen!« Der Nichtsnutz begann zu brüllen und die Tochter des armen Mannes zu schlagen. Da sagte diese: »Es gibt ein Land Iram. Um dorthin zu gelangen, braucht man sechs Monate. Der Padischah dieses Landes hat eine Tochter Akbiljak. Über ihr Antlitz breiten sich siebzig durchsichtige Schleier. Hebt man auch nur einen empor, dann geht von ihrer Schönheit ein Licht aus, als würden zweiunddreißig Leuchter brennen. Akbiljak ließ allen kundtun: Wer mich dreimal zum Reden bringt, den nehme ich zum Manne. Wer es nicht kann, dem lasse ich den Kopf abschlagen.«

Da stürzte der nichtsnutzige Prinz aus dem Gemach, ließ vierzig Maulesel mit Gold beladen, nahm vierzig bewaffnete Reiter mit und begab sich auf die Suche nach dem Land Iram. »Ich bin doch Prinz«, dachte er, »vor mir haben alle Angst, und mir ist alles erlaubt. Diese Akbiljak nehme ich mir zur Frau, ob sie es will oder nicht. Das soll mich nicht kümmern.«

Lange zog er dahin, ließ Steppen, Seen, Wüsten, Rastplätze und Gebirgspässe hinter sich. So reiste der nichtsnutzige Prinz mit seinen Begleitern durch die Lande, bis er an das geschnitzte Tor von Bagdad mit den silbernen Ringen kam. Dahinter erstreckte sich ein herrlicher Garten, in dem Rosen und Tulpen blühten, Nachtigallen und vielerlei andere Vögel sangen. Auf einem goldenen Thron waren Atlasdecken ausgearbeitet, und in einem goldenen Becken plätscherte Milch statt Wasser. Aus dem Tor kam ein Wächter herbeigeeilt: »Willkommen, liebe Gäste! Wo seid ihr her und wo wollt ihr hin?« Da brüllte der nichtsnutzige Prinz den Torwächter an: »Halt den Mund, du Sklave!« Er zog seinen Säbel und hieb den Torwächter in zwei Teile. Dann trat der Nichtsnutz in den Garten, setzte sich auf ein hohes Ruhebett, nahm seine Krone ab, legte sie neben sich und befahl seinen Begleitern: »Lasst die Pferde weiden und bereitet mir das Abendessen!« Die Pferde begannen die Blumen zu zertrampeln und umzubrechen, während die Begleiter Granat- und Feigenbäume zu Brennholz zerhackten.

Auf einmal kamen drei Tauben geflogen, setzten sich auf den goldenen Thron und verwandelten sich in drei liebliche Feen. Ohne den nichtsnutzigen Prinzen auch nur anzusehen, entnahmen die Feen einem Kästchen Figuren und begannen Schach zu spielen. Als eine der Feen mogelte, sagten die beiden anderen: »Falschspielerei gibt es nur bei den Menschen, aber nicht bei den Feen!« Da ärgerte sich der nichtsnutzige Prinz: »Falschspielerei gibt es bei den Feen und nicht bei den Menschen!« versetzte er. »Ich gewinne auch ohne Falschspielerei!«

»Dann kommt und spielt mit!« lockte die schönste der Feen, deren Stimme wie ein Silberglöckchen klang. »Einverstanden.« Noch ehe die alte Frau dazugekommen wäre, aus ihrer reifen Aprikose den Kern hervorzuholen, hatte der nichtsnutzige Prinz seine vierzig Maulesel, die vierzig Mantelsäcke mit Gold und seine vierzig Begleiter verspielt. Leer wie ein dreimal ausgeschütteter Krug stand er auf. »Gleich werde ich euch...«, drohte er und zog den Säbel. Da erhob sich eine der Feen. »Geht hinaus!« sagte sie mit ihrer zarten Stimme. »Dieser Ort ist nicht für Euch geschaffen!« Mit diesen Worten stieß sie den Taugenichts mit ihrem zierlichen Füßchen dorthin, wo der Rücken zu Ende ist, und er flog Hals über Kopf vom goldenen Thron, rollte wie eine Melone über den Weg des Blumengartens und fiel in den Staub. Die Feen lachten, wobei ihre Augen glänzten wie die Augen von Katzen, die Speck gekostet haben.

Ganz allein wanderte der nichtsnutzige Prinz weiter. Viele Tagesstrecken und Rastplätze ließ er hinter sich, bis er eines Tages sieben unvollendete Türme vor sich sah. »Was für eine Moschee ist das?« erkundigte er sich bei einem Hirten. »O Freund das ist keine Moschee, sondern ein Palast«, bekam er zur Antwort. »Dort wohnt der Padischah mit seiner Tochter Akbiljak. Diese hat verkünden lassen: Wer mich dreimal zum Reden bringt, den nehme ich zum Manne. Noch keinem ist es gelungen, diese Aufgabe zu lösen, und die Schädel aller Pechvögel dienen als Ziegel für diese Türme.« Der Taugenichts betrat den Palast, wurde zur Prinzessin Akbiljak geführt und sah, dass sie hundertmal schöner war, als man sie ihm geschildert hatte. Vor Begeisterung verschlug es ihm die Sprache, dass er wie ein im Schlamm stecken gebliebener Esel mit gesenktem Kopfe dastand. Schweigend zeigte Akbiljak auf ein Schachspiel und auf Knöchel. Der Taugenichts wagte nicht Schach zu spielen und entschied sich für die Knöchel. »Es macht nichts, dass ich nichts mehr besitze. Ich gebe mich selbst als Einsatz, denn ich gewinne ja doch, weil ich schon so viele Jahre spiele!« dachte er. Akbiljak nahm vier goldene Knöchel, bildete zwei silberne Bänkchen, warf ein Knöchel auf sie und gewann sofort. Sie winkte, und im Nu erschien der Henker. Der Wesir, der rechts von der Prinzessin stand, verneigte sich. »Meine untertänigste Bitte an die Prinzessin«, sagte er. »Gebt mir diesen Tölpel, ich werde ihn ordentlich quälen und dann töten, auf dass niemand mehr mit leeren Händen komme und spiele!« Der Wesir nahm den nichtsnutzigen Prinzen mit. »In meinem Hause gibt es eine Ölpresse, dort arbeitet ein alter Sklave. Sein Kopf kommt auf den Turm, und statt seiner stelle ich dich hin!« An der Ölpresse schuftete der Prinz Tag und Nacht, presste drei Maß Ölfruchtkuchen aus, schlief auf Stroh, aß dürftige Schale Erbsensuppe und atmete den Rauch von Mistziegeln.

Eines Tages zog eine Karawane mit Kaufleuten vorüber. »Wohin wollt ihr?« erkundigte sich der Taugenichts. »In das Land Adsham.«

»Nehmt doch einen Brief an den Padischah von Adsham mit!« Der Karawanenführer war einverstanden. Der Prinz nahm Papier und Feder und schrieb: »Geliebter Vater! Ich, Dein Sohn, das Licht Deiner Augen, bin nach Iram gelangt, wollte mir Akbiljak zur Frau nehmen und geriet in eine Falle. Schon drei Jahre drehe ich eine Ölpresse. Du bist der mächtige Padischah von Adsham, Vater! Schuld an meinem Unglück ist die Tochter des armen Mannes mit den ausgerissenen Haaren! Sobald Du diesen Brief bekommst, Lass all ihre Sippe im Alter von sieben bis siebzig Jahren vierteilen und in Stücke schneiden. Wenn Du es nicht tust, werde ich es Dir auf dieser und in jener Welt nachtragen!« Er versiegelte den Brief und gab ihn dem Karawanenführer. Der Mann, der den Brief an sich nahm, war ein Nachbar jenes armen Mannes, dessen Tochter der nichtsnutzige Prinz geheiratet hatte. Nach Adsham heimgekehrt, erzählte der Karawanenführer von dem Brief. Das hörte die Tochter des armen Mannes im Nebenzimmer. »Der Brief muss von meinem Mann sein«, dachte sie, eilte hin, riss ihrem Vater den Brief aus den Händen und lief in den Garten. Sie las den Brief und sah, dass alles schlimm ausgehen konnte. Darum verbrannte sie den Brief, nahm ein Blatt Papier und schrieb: »Geliebter Vater, es schreibt Dir das Licht Deiner Augen, Dein Herz, Dein Kind. Ich kam nach Iram, nahm mir die schöne Akbiljak zur Frau und bin nun Padischah von sieben Erdteilen. Meiner Macht sind alle Untertan: die guten Geister, die Feen, die bösen Geister und die Menschen. Wenn Du diesen Brief bekommst, dann beschenke meine Frau und alle ihre Verwandten bis zum siebten Glied sofort mit Gewändern und überhäufe sie mit Gold! Tust Du das nicht, zerhaue ich Dich mit meinem Säbel. In drei Monaten komme ich mit siebenhunderttausend Kriegern und mache Dir den Garaus. Mit der Hand geschrieben und besiegelt von Deinem Sohn.« Die Tochter des armen Mannes gab den Brief ihrem Vater, und dieser trug ihn zum Padischah. Mit Angst bebender Stimme las der Padischah den Brief seinen vierhundert Langbärten vor. Wie es im Brief geschrieben stand, so verfuhr er. Mit Gold überhäuft, kam der arme Mann nach Hause und wusste vor Freude weder aus noch ein.

In der Nacht ging die Tochter des armen Mannes in den Palast, führte das feurige Pferd, auf dem ihr Mann zur Jagd geritten war, heraus, zog an vier Stellen das Zaumzeug fest, legte die Kleidung eines Dshigiten an, setzte sich eine Mütze mit Zobelrand auf und befestigte einen Isfahaner Säbel an ihrem Gürtel. Sie schwang sich in den Sattel und trieb das Pferd so an, dass ihre Peitsche in das Fleisch des Tieres eindrang. Das Pferd spitzte die Ohren, schlug mit dem Schweif und raste durch die Steppe. Die Tochter des armen Mannes stieg in dem Garten ab, wo ihr Mann vor drei Jahren mit den Feen Schach gespielt hatte. Höflich begrüßte sie den Türhüter und bat, das Pferd abseits anzubinden, damit es keine Blumen zertrample. Kaum hatte sie eine Tasse Tee getrunken, kamen wie damals drei Tauben geflogen, verwandelten sich in Feen und begannen, Schach zu spielen. Wieder mogelte eine der Feen, und eine andere sagte: »Falschspielerei gibt es nur bei den Menschen!«

»Nein, es gibt sie auch bei den Feen«, mischte sich die Tochter des armen Mannes ins Gespräch. »Und spielt Ihr auch Schach?«

»Ja«, sagte die Tochter des armen Mannes und gewann gegen die Feen, bis diesen von ihrem Besitz nichts übrig blieb. Nun nahm die Tochter des armen Mannes eine Figur, sagte: »Ich spiele um euch drei«, und machte einen Zug. Da sahen die Feen, dass die Tochter auch sie selbst gewonnen hatte. Sie erzitterten wie Espenlaub und begannen zu weinen: »Vergebt uns! Wir sind Sklavinnen der iramischen Prinzessin Akbiljak. Wenn sie erfährt, dass wir sogar uns selbst verspielt haben, sind unsere Väter und Mütter des Todes! Lasst uns frei! Solltet Ihr einen Wunsch haben, denn erfüllen wir alles, was Ihr wollt.« Da freute sich die Tochter des armen Mannes. »Ich habe eine Aufgabe«, sagte sie, »veranlasst Akbiljak, dreimal zu sprechen, und ich lasse euch frei.« Die drei Feen seufzten laut. »Diese Tyrannin ist böse und launisch«, sagte die älteste Fee. »Sie ist schon achtzehn Jahre alt, aber noch kein einziges Mal hat sie ihren Eltern gehorcht. Es sei! Wir werden Euch dienen. Wir geben Euch drei Federn, nur müsst Ihr tun, was wir Euch sagen. Im Zimmer der Prinzessin stehen drei Ruhebetten: eines aus Smaragd, das andere aus Jaspis und das dritte aus Rubinen. Sobald sich die Prinzessin auf das Smaragdenbett setzt, entzündet Ihr am Leuchter eine Feder, und ich werde unter dem Ruhebett sein. Befehlt dann dem Bett, etwas zu erzählen! Ich werde erzählen, die Prinzessin Akbiljak aber wird glauben, das Bett spräche. Danach wird sich Akbiljak auf das Ruhebett aus Jaspis setzen, und Ihr werdet ihm wieder befehlen, etwas zu erzählen. Genauso verfahrt mit dem Bett aus Rubinen. Was wir auch sagen mögen - Ihr müsst widersprechen, selbst wenn Eure Worte unsinnig wären.« Die Feen hinterließen der Tochter des armen Mannes je eine Feder, verwandelten sich in Tauben und flogen davon.

Die Tochter des armen Mannes bestieg das Pferd, ritt in aller Eile nach Iram und begab sich in den Palast. Prinzessin Akbiljak saß in ihrem Gemach und hatte siebzig feine Seidenschleier über ihr Gesicht gehängt. Ihre vierzig Dienerinnen, hell wie der Mondschein, mit schwarzen Augen und dichten schwarzen Brauen, lachten schelmisch und bissen kokett in ihre zarten Fingerspitzen. Niemand ahnte, dass der stattliche Jüngling ein Mädchen war, so geschickt hatte sich die Tochter des armen Mannes verkleidet. »Oh, hartherzige Tyrannin!« rief sie. »Wie lange noch willst du schuldlose Menschen morden und die Erde mit tulpenrotem Blut benetzen? Wie lange noch wirst du dich nur deshalb für schuldlos halten, weil du Prinzessin bist und dein Vater Padischah ist? Steh sofort auf und verneige dich vor mir, sonst töte ich dich mit meinem Säbel und lasse deinen Kopf an meinem Sattel befestigen! Aber mich dauert deine Schönheit. Ich nehme dich mit und werde dich zwingen, mir zu dienen und meinen vierzigtausend Kriegern Tee einzuschenken!« Da geriet die Prinzessin in Wut und riss sich die Schleier vom Gesicht. Ihr Mund öffnete sich wie ein alter Sack, und ihre Stirn runzelte sich wie die Rinde eines Maulbeerbaums. Akbiljak gab ihrem Wesir ein Zeichen. »Ach, du Flegel!« schrie der Wesir. »Daheim hast du einem Gast nichts vorzusetzen und redest so dreist! Sofort rufe ich den Henker, dass er dir den Kopf abschlägt!« Die Tochter des armen Mannes aber lachte nur: »Mich kannst du nicht erschrecken. Machen wir lieber ein Knöchelspiel!« Die Prinzessin Akbiljak nahm silberne Steinchen und goldene Knöchel und wollte spielen. »Wart ab, gewissenlose Prinzessin«, warnte sie die Tochter des armen Mannes. »Mit List und Betrug gewinnst du gegen deine Gäste, die aus der Ferne kommen, und mordest sie dann. Mich aber wirst du nicht verschlingen - an mir sollst du ersticken. Gib mir die Knöchel!« Krebsrot vor Zorn, gab Prinzessin Akbiljak der verkleideten Tochter des armen Mannes die Knöchel.

Noch war sie nicht dazu gekommen, sich über ihr Haar zu fahren, da hatte die Tochter des armen Mannes schon alle siebzig Schatzkammern der Prinzessin gewonnen. Voller Wut und Verzweiflung riss sich Akbiljak ein Büschel Haare aus und ließ sich auf das Ruhebett aus Smaragd niedersinken. Die Tochter des armen Mannes nahm eine Feder und zündete sie über dem Leuchter an. Sofort war die Fee zur Stelle und verbarg sich unter dem Smaragdenbett, ohne dass Prinzessin Akbiljak etwas bemerkt hätte. »Heda, Ruhebett!« sagte die Tochter des armen Mannes. »Sechs Monate lang bin ich unter großen Entbehrungen hergereist. Erzähle mir etwas, damit mein Herz sich ein wenig erfreut!« Da fragte die Fee: »Was soll ich Euch erzählen?«

»Deine Sache ist es zu erzählen und meine, dir zuzuhören«, antwortete die Tochter des armen Mannes.

Geschichte der ersten Fee

Vor langer, langer Zeit lebte einmal ein Tischler. Er hatte sich Geld gespart und wollte auf Reisen gehen. Der Tischler hatte einen Freund, der ein geschickter Goldschmied war. Dieser sagte zu ihm: »Ich komme mit!« Der Goldschmied hatte einen Freund, der Schneider war. »Ich komme auch mit«, schlug dieser vor. Der Schneider hatte einen Magier zum Freund, der zu zaubern verstand. »Nehmt auch mich mit!« bat dieser. So machten sie sich zu viert auf den Weg. Als die Nacht anbrach, legten sie sich schlafen. Nur der Tischler hielt Wache. Um nicht einzuschlafen, schnitzte er aus einem Stück Holz eine Puppe. Als er fertig war, legte er die Puppe neben ihr Lagerfeuer und schlief ein. Der Goldschmied erwachte, sah die Puppe und dachte: Die hat der Tischler geschnitzt, aber ich mache sie noch besser. Er schmolz eine Silbermünze über dem Feuer und machte der Puppe silberne Fingernägel, silberne Zähnchen und silberne Augen. Nach getaner Arbeit legte er sich schlafen. Da erwachte der Schneider, sah die Puppe und dachte: Aha, dieses schöne Ding haben meine Freunde gemacht. Er nahm ein Stück Stoff, nähte ein schönes Kleid und zog es der Puppe an. Als er fertig war, schlief er ein. Nun erwachte der Magier, sah die Puppe und murmelte einen Zauberspruch. Davon wurde die Puppe lebendig. »Steht auf!« rief der Magier. Die Freunde hoben ihre Köpfe und sahen ein wunderschönes Mädchen vor sich. Seiner Schönheit wegen konnten Sonne und Mond miteinander streiten. Neben ihr erschien die Prinzessin Akbiljak hässlicher als die scheußlichste Kröte. »Oh, edler Jüngling!« wandte sich die Fee an die Tochter des armen Mannes. »Wenn du weise bist, dann urteile: wer hat dieses Mädchen geschaffen? Der Tischler, der Goldschmied, der Schneider oder der Magier?«

Da meinte die Tochter des armen Mannes: »Hätte der Schneider der Puppe kein Kleid genäht - wäre sie dann ein Mensch?« Da geschah es. Erbost konnte sich die Prinzessin Akbiljak nicht beherrschen und schrie: »Du bist ein Tölpel! Verstehst du nicht, dass ich sowohl im Kleid als auch ohne jedes Kleid eine Prinzessin bin?!« Da ertönte Trommelwirbel, Hörner bliesen und das Volk rief: »Die Prinzessin hat das erste Mal gesprochen!« Prinzessin Akbiljak wurde wütend wie eine Katze, der man ein Stück Fleisch weggenommen hat, und setzte sich auf das Ruhebett aus Jaspis. Mittlerweile zündete die Tochter des armen Mannes die zweite Feder an und sagte: »Oh, Ruhebett aus Jaspis, erzähle du mir etwas, auf dass mein Herz Freude verspüre!« Die zweite Fee war schon zur Stelle und ließ sich unter dem Ruhebett vernehmen: »Was soll ich dir denn erzählen? Die Geschichte des Smaragdenbettes hast du völlig falsch verstanden. Doch so höre zu...«

Geschichte der zweiten Fee

Vor Zeiten lebte ein alter Mann. Trotz seines Reichtums waren auf seinem Rücken drei Pud Schmutz festgewachsen. Dieser Reiche hatte drei Söhne. Eines Tages verlangte der älteste Sohn: »Hört, Vater, gebt mir hundert Goldstücke, und ich begebe mich nach Taschkent. Dort kaufe ich feiste Hammel mit riesigen Fettsteißen ein.« Der Vater gab seinem ältesten Sohn das Gold. Als der Sohn auf die Straße trat, sah er einen kleinen Jungen, der eine zerlumpte Mütze bald aufsetzte, bald abnahm. »Was machst du mit dieser zerlumpten Mütze?« fragte er. »Das ist keine gewöhnliche Mütze. Wenn du sie aufsetzt, die Augen zumachst und dann öffnest, trägt sie dich von Westen nach Osten!« Der Sohn des Reichen packte die Mütze, gab dem Jungen die hundert Goldstücke und nahm die Mütze mit nach Hause. Als der Vater das zerlumpte Ding sah, erhob er ein Gezeter: »Ist das etwa dein Einkauf?« Nun bat der mittlere Sohn seinen Vater: »Väterchen, gib mir hundert Goldstücke, dann fahre ich nach Usgen und kaufe dort Reis, von dem jedes Körnchen so groß wie eine Pistazie ist.« Der Vater gab ihm die hundert Goldstücke. Als der mittlere Sohn auf die Straße trat, sah er dort, wie kleine Jungen mit einer Spiegelscherbe spielten und riefen: »Ein Wunderspiegel! Mit ihm kann jeder aus Samarkand bis Buchara sehen!« Der mittlere Sohn gab seine hundert Goldstücke für die Spiegelscherbe her. »Ach du dummer Tropf!« schalt ihn der reiche Mann. Nun bat der jüngste Sohn um hundert Goldstücke. »Ich will im Basar einen Laden aufmachen und mit allerlei Kleinkram handeln«, sagte er. Der Vater gab ihm die hundert Goldstücke. Als der Jüngste aus dem Hause trat, rutschten kleine Jungen in einer löcherigen Blechwanne von einem Hügelchen herab. »Das ist ja großartig«, dachte der jüngste Sohn. »Dieses Ding frisst weder Gras noch Heu und bewegt sich auch so!« Er gab den kleinen Jungen die hundert Goldstücke für die löcherige Blechwanne und schleppte sie nach Hause. Als der reiche Mann die Wanne für hundert Goldstücke sah, drehte er sich um sich selbst wie ein Hund, der eine Nadel verschluckt hat. Er packte einen Knüppel und begann seine Söhne zu prügeln. Der mittlere Sohn ließ die Spiegelscheibe auf die Erde fallen. Der Jüngste, der sich mit der löcherigen Wanne bedeckt hatte, duckte sich nieder, blickte dabei in den Spiegel und sah, dass in einem westlichen Lande die Tochter des Königs gestorben war, im Sarg lag und das ganze Volk davor stand und jammerte. Da packte der jüngste Bruder die zerlumpte Mütze, setzte sie auf und schloss die Augen. Kaum dass er sie öffnete, stand er bereits neben dem Sarg. Er begann aus der löcherigen Wanne, Wasser auf den Kopf der toten Königstochter zu gießen. Plötzlich stand sie auf und war so schön, dass Prinzessin Akbiljak neben ihr hässlicher als eine Kröte wäre. Sollen nun die Weisen darüber urteilen, wovon die Königstochter wieder lebendig wurde: von der Mütze, von der Spiegelscherbe oder von der Wanne.

Da sagte die Tochter des armen Mannes: »Hätte der jüngste Sohn nicht die tote Königstochter, sondern den Spiegel angesehen, wäre nichts geschehen.« Akbiljak hielt es nicht aus und schrie: »Bist du aber dumm! Wenn ich sterbe, können mich hunderttausende Menschen anstarren. Werde ich davon etwa wieder lebendig?« Sagte es und biss sich auf die Zunge. Trommelwirbel erklang, Hörner bliesen, und das Volk rief: »Akbiljak hat zum zweiten Mal gesprochen!« Akbiljak ärgerte sich und setzte sich auf das Ruhebett aus Rubinen. Die Tochter des armen Mannes zündete die dritte Feder an und bat: »Oh, Ruhebett, erzähl auch du etwas!« Die dritte Fee kam geflogen und erzählte:

Geschichte der dritten Fee

Vor langer Zeit hatte der Padischah einen Papagei, den er fütterte und hegte. Eines Tages dachte sich der Papagei: »Solange ich lebe, verhätschelt mich der Padischah, aber was wird er nach meinem Tode tun?« Deshalb stellte er sich tot. Als der Padischah eintrat und in den Käfig blickte, befahl er seinem Pferdeknecht: »Schmeiß diesen krepierten Vogel aufs Dach!« Der Papagei setzte sich auf das Dach und rief: »Du bist ein schlechter Padischah, ich bin ja nicht gestorben! Jetzt Lass mich nach Indostan! Vierzig Jahre habe ich meine Verwandten nicht mehr gesehen.«

»Ich bin nur einverstanden, wenn du wieder zurückkommst«, erwiderte der Padischah. Der Papagei flog in seine Heimat und brachte dem Padischah als Geschenk eine Frucht mit, die einem Apfel oder auch einem Pfirsich ähnlich sah und so schön war, dass einem bei ihrem Anblick das Wasser im Munde zusammenlief. Ein Diener legte die Frucht auf einen goldenen Teller und trug sie in den Pferdestall, wo der Padischah mit dem Papagei auf der Schulter sein Lieblingsross streichelte. Eben wollte der Padischah die Frucht anbeißen, da reckte das Pferd sein Maul und verschlang sie. »Halt, halt!« schrie der Padischah. Das Pferd aber fiel zu Boden und war tot. Erzürnt riss Padischah dem Papagei den Kopf ab. Wer war schuld? Der Padischah, das Pferd oder der Papagei?

Die Tochter des armen Mannes gedachte der Ermahnung der Fee, alles verkehrt zu sagen, darum antwortete sie: »Schuld ist das Pferd. Warum hat es den Apfel verschlungen?« Da schrie die Prinzessin Akbiljak: »Du Dummkopf! Hat etwa das Pferd die Frucht aus Indostan mitgebracht?« Akbiljak biss sich auf die Zunge, aber es war zu spät. Trommelwirbel ertönte, Hörner bliesen, und das Volk rief: »Die Prinzessin hat zum dritten Mal gesprochen! Jetzt werden keine Freier mehr ihre Köpfe verlieren.«

»Weh mir, jetzt muss ich deine Frau werden! Wie viele Prinzen sind schon hier hergekommen, und allen wurde wegen mir der Kopf abgeschlagen. Du aber hast weder einen Schnurrbart noch einen Bart und konntest mich überlisten. Da ist nichts zu machen, also werde ich deine Frau.« Da zog die Tochter des armen Mannes ihren Säbel und rief: »Lass das, Prinzessin, siehst du das hier! Wie viele Menschen haben deiner Launen wegen ihre Köpfe verloren? Deine letzte Stunde ist gekommen!« Da brach Akbiljak in Tränen aus. »Wehe mir Unglücklichen! Bin ich denn schuld? Ein böser Zauberer hat mich am Tage meiner Geburt verwünscht. Du hast mich von der Verwünschung erlöst, tu mit mir, was du willst!«

Die Tochter des armen Mannes glaubte den Worten der Prinzessin Akbiljak, erzählte ihr ihre Geschichte und bat sie, den nichtsnutzigen Prinzen suchen zu lassen und ihn wegen seiner Treulosigkeit zu richten. Die Herolde ritten durch die Straßen und schrieen: »Wo ist hier der Prinz aus Adsham? Er soll in den Palast kommen!« Überall suchte man nach ihm, konnte ihn aber nicht finden. Darauf machte sich die Tochter des armen Mannes auf die Heimreise.

Soll sie dahinreisen, ihr aber hört, wie es dem nichtsnutzigen Prinzen erging. Zur Stunde, als die Trommeln das dritte Mal wirbelten, kam der Wesir in die Ölpresse gelaufen und rief: »Seid auf der Hut! Der Prinz, der eben Akbiljak zum Sprechen gebracht, ist deine Frau. Sie will dich hinrichten. Versteck dich!« Vor Entsetzen kroch der nichtsnutzige Prinz in die Mistgrube und blieb darin, bis die Tochter des armen Mannes das Land Iram verlassen hatte. Danach brachte der Wesir den Taugenichts in den Palast zur Prinzessin Akbiljak. »Soll er sich weiter vom Thron entfernen!« rief Akbiljak entsetzt und hielt sich die Nase zu. »Dieser Prinz stinkt ja auf hundert Schritt Entfernung! Wenn du der Sohn des Padischahs von Adsham bist, will ich dich schonen, andernfalls lasse ich dir den Kopf abschlagen.« Der nichtsnutzige Prinz fiel auf die Knie und flehte: »O Prinzessin! Der Herrscher von Adsham ist wirklich mein Vater. Ich habe ihm einen Brief geschrieben, dass er meine Frau, die Barfüßlerin mit ausgerissenem Haar, vierteilen soll. Sie aber hat alle überlistet und ist als Dshigit verkleidet hergekommen, um mich zu töten. Meine Frau ist arglistiger als eine Schlange! Eine schäbige Bettlerin hat dich betrogen und die Prinzessin von Iram zum Sprechen gezwungen. Du musst es ihr heimzahlen.« Vor Wut wurde Akbiljaks Gesicht gelb wie Safran. »Nimm vierzigtausend Krieger und ziehe in dein Land!« sagte sie. »Bringe mir diese schlaue Bettlerin her, ich möchte sehen, von welcher Farbe ihr Blut ist!«

»Ich gehorche«, antwortete der nichtsnutzige Prinz und eilte davon, um sich auf die Reise vorzubereiten. Er war in solcher Hast, dass er auf der Treppe siebenmal stolperte, herunterfiel, aufschlug und sich an sieben Stellen Haut abschürfte. Mit vierzigtausend Mann zog der nichtsnutzige Prinz nach Adsham.

Von der Grenze des Landes sandte er einen Boten mit einem Brief zu seinem Vater: »In drei Tagen treffe ich in der Stadt Adsham ein. Ich, Vater, bin Gebieter über sieben Weltteile, und wenn du dich mir nicht beugst und mir nicht zum Willkomm entgegen ziehst, mache ich die Stadt dem Erdboden gleich!« Als der Padischah von Adsham den Brief erhielt, ließ er seine vierhundert weisen Langbärte rufen und teilte ihnen mit: »Mein geliebter Sohn ist gekommen, hat einen Brief geschickt und erklärt, die ganze Welt sei ihm Untertan. Wenn er so schreibt, dann muss es wohl wahr sein. Wenn ich ihm nicht entgegen ziehe, kann er aus jugendlichem Übermut tun, was ihm gerade einfällt!« Die vierhundert weisen Langbärte wiegten ihre Köpfe, dass ihre Bärte hin und her schaukelten. Der Padischah nahm seine Wesire und weisen Langbärte und postierte sie zu beiden Seiten des Weges, selbst stellte er sich mitten auf dem Weg in den Staub. So standen alle da und hatten ihre Säbel an den Hals gehängt. Als der nichtsnutzige Prinz geritten kam, hob er die Nase und blies die Backen auf, dass sich sein Schnurrbart nur so sträubte. Die Wesire und die Weisen seines Vaters würdigte er keines Blicks. Er hielt sein Pferd an und schrie: »Holla, Vater, ich hatte dir doch geschrieben, du sollst die ganze Sippe meiner Frau bis ins siebente Glied ausrotten! Und was hast du getan! Ich befehle dir, sofort einen Galgen von achtzig Arschin Höhe aufzustellen und meine Frau mit ausgerissenen Haaren daran zu hängen. Ich aber werde meinen Bogen nehmen und ihr einen Pfeil so in den Mund schießen, dass er durch das Ohr herauskommt.« Der Padischah erschrak, ihm zitterten Hände und Füße, und er fiel mit dem Gesicht in den Staub. Der nichtsnutzige Prinz aber begann die Wesire, Würdenträger und weisen Langbärte mit seinem Säbel niederzumetzeln.

Soll der Taugenichts schreien und Wesire und Langbärte mit seinem Säbel töten, hören wir von der Tochter des armen Mannes. Als sie erfuhr, dass ihr Mann, der nichtsnutzige Prinz, mit einem Heer von vierzigtausend Kriegern in das Land Adsham eingefallen sei, verkleidete sie sich als Krieger, nahm Schwert und Schild und sagte zum Padischah: »Ich kenne meinen Mann.. Vor einem Feigling ist er tapfer, vor einem Tapferen ist er feige!« Sie ritt zum Heer von Iram und rief: »Wer prahlt hier so laut herum? Wer säbelt hier Menschen nieder?« Als der nichtsnutzige Prinz die Tochter des armen Mannes mit Schwert und Schild erblickte, erschrak er so, dass ihm der Säbel aus der Hand fiel, er vom Pferd stürzte und sich mit dem Kopf in einem Misthaufen vergrub. Bei diesem Anblick flohen die vierzigtausend Krieger aus Iram schneller als Gazellen. Die Tochter des armen Mannes warf ihre Fangschlinge um die Füße des nichtsnutzigen Prinzen, zog ihn aus dem Misthaufen und schleifte ihn auf den Platz der Stadt. Den Padischah von Adsham konnte niemand finden. Wohin er entwischt und was aus ihm geworden ist, weiß kein Mensch. Darum wählte das Volk die Tochter des armen Mannes zur Herrscherin von Adsham.