Der Preisringer und der Teufel - Hekaya
[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Der Preisringer und der Teufel

Es war da ein berühmter Ringer in Ladock, der hieß John Trevail, war aber gewöhnlich als »Vetter Jackey« bekannt, denn man hatte allgemein die Gepflogenheit, Favoriten, mit denen man nicht verwandt war, in dieser Weise zu benennen. Einmal am Johannistag ging Jackey in eine Nachbargemeinde und warf ihren Preisringer. Als er um den Ring herumstolzierte, prahlte er: »Ich nehme von jedermann eine Herausforderung entgegen, und es würde mir nichts ausmachen, mit dem Teufel selbst einen Ringkampf zu machen.«

Nach dem Ringen verbrachte er einige Stunden mit seinen Kameraden im Wirtshaus. Als er allein auf dem Heimweg war, etwa um Mitternacht, kam er zu einer Gemeindewiese, zwei Meilen oder mehr von Ladock Churchtown entfernt, die hieß Le Pens Plat. Wie er da so langsam dahinging, weil er ein wenig müde und nicht ganz klar im Kopf war, überholte ihn ein Herr, der war wie ein Geistlicher gekleidet und sprach ihn in mildem Ton an und sagte: »Ich war heute beim Ringen, und ich glaube, du bist der Preisringer. Stimmt das?«

»Ja, Herr, ich habe den Preis gewonnen, den ich nun trage«, antwortete Trevail. Er fühlte sich sehr unbehaglich, hier zu dieser Nachtzeit solch einen seltsamen schwarz röckigen Herrn zu treffen, auch wenn es durch den Vollmond und den klaren Himmel fast taghell war.

»Ich ringe selbst sehr gern«, hob der Fremde wieder an, »und weil ich mehr dazulernen möchte, würde ich sehr gern einen Gang mit dir versuchen. Sagen wir, um deinen Goldbortenhut und um fünf Goldstücke, die ich einsetzen will.«

»Jetzt nicht, Herr, denn ich bin müde«, antwortete Jackey, »aber ich werde nach der Essenszeit gegen Euch antreten, wenn es Euch recht ist, nachdem ich ein paar Stunden ausgeruht habe - sagen wir, so um zwei oder drei Uhr, wenn es Euch recht ist.«

»O nein, es muss um Mitternacht sein, oder doch kurz danach, da jetzt die Nächte kurz sind«, sagte der Fremde, »es geht keineswegs, dass einer in meiner Stellung dabei gesehen wird, wie er bei hellem Tag mit dir ringt.«

Trevail zögerte und dachte an die unüberlegten Worte, die er im Ring ausgesprochen hatte. Er hatte da den Teufel herausgefordert, und er war überzeugt, dass er nun an diesem einsamen Ort seinem Feind von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand. Er stimmte aber doch dem Vorschlag des Fremden zu, ihn um Mitternacht oder kurz danach hier zu treffen. Sie besiegelten den Handel durch Handschlag, und der Herr gab ihm einen Geldbeutel mit fünf Goldstücken darin als Einsatz und sagte: »Du bist als ehrlicher Bursche bekannt, und ich habe keine Angst, dass du das Geld und deinen heute gewonnenen Preis nicht mitbringen könntest. Wenn ich wegen eines unglücklichen Zufalls nicht kommen sollte, gehört das Geld dir, aber es besteht kaum ein Zweifel, dass ich genau um Mitternacht hier sein werde.« Er wünschte Jackey einen guten Morgen und ging auf einem andern Pfad, der nach Norden führte, über die Gemeindewiese davon. Der arme Bursche kam sich so gut wie verloren vor; als er beim Guten-Morgen-Sagen zu Boden geschaut hatte (er konnte den Blick des Fremden nicht ertragen), hatte er etwas gesehen, von dem er glaubte, es sei ein gespaltener Huf gewesen. Aber er wusste sich keinen Rat, wie er seinem Schicksal entgehen könnte.

Er schleppte sich dahin und kam um drei Uhr früh zu seinem Haus. Als seine Frau sah, wie verstört Jackey dreinschaute, unterließ sie es, ihn wie gewöhnlich »anzuschnauzen«, und dass sie nicht schalt, bewirkte nur, dass ihm noch übler zumute war als zuvor. Er warf den Beutel mit den fünf Goldstücken in die Werkzeugtruhe und sagte: »Molly, meine Liebe, um alles in der Welt rühr diesen Wildlederbeutel nicht an! Es ist des Teufels Geld, was drin ist!« Nach und nach erzählte er ihr, was geschehen war, und schloss stöhnend: »Molly, meine Liebe, du hast dir oft gewünscht, der Leibhaftige sollte kommen und mich holen, und es scheint, deine Bitten werden jetzt erhört werden.«

»Nein, nein, Jackey, mein Guter, denk das nicht«, schluchzte sie, »was ich auch immer gesagt hab, kam nur von außen, von den Lippen, und das hat keine Wirkung, mein Herz. So schlimm du bist, ohne dich wäre es noch schlimmer. Geh nun zu Bett, ich zieh gleich meinen Mantel an und geh zum Pfarrer. Es nützt nichts, wenn du und alle Welt nein sagt, denn nur er kann dich retten.«

Als sie unterwegs war, um Herrn Woods Hilfe zu erbitten, schaute sie bei einer Bekannten herein, mit der sie gerade halbwegs gut stand, und sagte: »Komm mit zum Pfarrer. Ich bin so außer mir, dass ich kaum reden kann. Etwas Schreckliches ist unserm Jackey zugestoßen, und du darfst ums Leben niemandem ein Wort von dem sagen, was ich dir auf dem Weg erzählen werde.«

Der ehrwürdige Herr stand vor seiner Tür und schaute in den grauenden Morgen, da sah er die beiden Frauen, die in großer Erregung auf ihn zukamen. Jackeys Frau hielt die Schürze vor die Augen und schluchzte ihre Sorge heraus, und als er eine ungefähre Ahnung davon hatte, sagte er: »Geh schleunigst nach Hause, gute Frau, und sag Jackey von mir, er soll nur getrost sein, ich werde sofort nach ihm sehen und ihm sagen, was er machen soll.«

Kurz nach Sonnenaufgang betrat Herr Wood das Haus des Ringers, und er fand ihn in tiefem Schlaf auf dem Sitz vor dem Kamin ausgestreckt. Herr Wood hieß ihn aufstehen und sagte: »Jackey, ist es wahr, was deine Frau gesagt hat, oder bist du auf der Gemeindewiese eingeschlafen und hast einen bösen Traum gehabt? Erzähle, was geschehen ist, von Anfang bis Ende, und zeig den Lederbeutel.«

»Es ist wirklich alles wie ein böser Traum, Ehrwürden«, antwortete er, »aber das Geld des Leibhaftigen ist hier in meiner Werkzeugtruhe, und ich erinnere mich an jedes Wort, das gesprochen wurde. Außerdem habe ich noch in keinem andern Gesicht solch feurige Augen gesehen«, und dann brachte Jackey den Beutel und hielt ihn mit der Ofenzange auf Armeslänge von sich weg, als wäre es eine giftige Kröte. Der Pfarrer machte ihn auf und sagte: »Der Anblick dieser Goldstücke mit dem Spatenwappen und das, was du mir erzählt hast, lassen keinen Zweifel daran, dass du ausgemacht hast, mit dem Teufel zu ringen. Aber fasse Mut, du musst so gut sein wie dein Wort. Verfehle nicht, um Mitternacht an dem bestimmten Ort zu sein, und nimm die Einsätze mit, wie es ausgemacht war.« Jackey schaute sehr niedergeschlagen drein und antwortete, er habe gehofft, Herr Wood würde ihn begleiten. »Nein, ich werde nicht mit dir gehen«, antwortete er, »aber verlass dich drauf, ich werde zur Stelle sein, um dich gegen falsches Spiel zu schützen.«

Während er das sagte, zog er einen Pergamentstreifen aus seiner Tasche, darauf waren bestimmte mystische Zeichen und Worte eingeritzt oder geschrieben. »Steck das auf der linken Seite sicher unter dein Wams und trag es bestimmt bei dem Treffen. Zeig vor allem keine Furcht, verhalte dich ihm gegenüber genauso, wie du es bei einem gewöhnlichen Ringer machen würdest, und verschone ihn nicht und lass dich nicht durch seine Tricks täuschen.« Er ermahnte ihn, die Angelegenheit geheim zu halten. »Das will ich«, antwortete Jackey, »ich habe es keiner Menschenseele gesagt außer meiner Frau, und für eine Frau kann sie ein Geheimnis erstklassig behalten!«

Zur festgesetzten Zeit ging er mutig zur Le-Pens-Plat-Wiese, und um Mitternacht erschien der schwarze Fremde auf demselben Pfad, auf dem er am Morgen gegangen war. Einige Minuten schauten sie einander fest in die Augen, dann sagte Trevail: »Ich bin rechtzeitig gekommen, wie Ihr seht, und da auf dem Felsen sind die Einsätze. Ich nehme an, Ihr kennt die Spielregel: man muss um die Mitte fassen, und wer in fünf Gängen den andern dreimal zu Fall bringt, gewinnt den Preis. Euch, als dem Herausforderer, gebührt der erste Griff.«

Der Fremde antwortete immer noch nicht und hielt seine glühenden Augen fest auf den Ringer gerichtet. Dem war unter dem starren Blick unbehaglich zumute, und er sagte: »Also, wenn Ihr nicht ringen wollt, dann nehmt Euer Geld, und es ist weiter nichts geschehen.«

In diesem Augenblick fühlte er sich ganz unerwartet am Gürtel ergriffen und vom Boden emporgehoben. Es war, als erhöbe sich der Leibhaftige mit ihm viele Ellen hoch über die Erde, aber bei einem verzweifelten Kampf in der Luft gelang es ihm, seinen rechten Arm dem Gegner über die Schulter zu legen, er packte ihn mit einem festen Griff im Rücken und umklammerte ihn mit den Beinen. Als er das tat, berührte sein Wams den Bösen. In diesem Augenblick ließ der los und fiel flach auf seinen Rücken, als wäre er niedergeschlagen worden, und er wand sich auf dem Boden wie eine verletzte Schlange.

Der Ringer sprang auf die Füße, und das war gut so, denn der andere stand voll Wut auf und rief aus: »Du hast eine verborgene Waffe bei dir, die mich verwundet hat. Wirf dieses Wams ab.«

»Nein, beim Himmel«, antwortete Jackey, »tastet mein Wams ab, wenn Ihr wollt, da ist keine Waffe drin, nicht mal eine Stecknadel, aber Ihr seid es, der merkwürdige Tricks anwendet. Jetzt versucht noch mal, mich zu erwischen, wenn ich nicht auf der Hut bin!« Er umfasste den Leibhaftigen wie ein Schraubstock. Fünf Minuten lang kämpften sie miteinander, immer auf eine Armlänge auseinander. Der Leibhaftige schien Angst davor zu haben, ihm näher zu kommen. Jackey fürchtete sich vor der vernichtenden Glut seiner bösen Augen, und er konnte keine Beinzange bei ihm machen, aber schließlich machte er einen verzweifelten Ausfall, befreite sich vom Griff des Teufels, packte ihn mit dem »Fliegende-Seeschlangen-Griff« und warf ihn mit einer solchen Wucht auf den Rücken, dass er Schwefelqualm rülpste.

Er sprang wütend auf und sagte: »Ich habe mich in dir getäuscht, denn du kämpfst sehr rau. Fordere den Pfarrer Wood auf, er soll heimgehen. Ich bin verwirrt und machtlos, wenn er zusieht.«

»Ich sehe Herrn Wood nicht«, erwiderte Jackey. »Ich kann sehen, wie mich seine Augen aus den Büschen anstarren«, erwiderte der andere, »und ich höre ihn auch etwas murmeln. Wenn ich wieder gehindert werde, ist es nur wegen deines verdammten Priesters.«

»Macht Euch nichts aus unserm Priester, er kann selbst recht gut ringen«, sagte Jackey, »und er sieht gern einen guten Kampf. Also kommt, es geht wieder los.« Er packte seinen Gegner in einer »Kornischen Umarmung«, und mit noch größerer Kraft als vorher, und er legte ihn auf den Rücken und sagte: »So, Ihr seid dreimal zu Fall gekommen, wenn es Euch aber nicht genug ist, weiß ich noch mehr, was ich Euch lehren kann.«

Während des kurzen Augenblicks, in dem er zusah, wie sich der niedergestreckte Teufel auf dem Boden wie eine Schlange wand, bewölkte sich der Himmel, und der Mond wurde von zusammengeballten Wolken verdunkelt, die schwer von Gewittern zu sein schienen. In dem düsteren Licht sah Jackey, wie des schwarzen Herrn Füße und Beine in einem Augenblick wie die eines riesigen Vogels geworden waren. Seine Rockärmel verwandelten sich in ein Paar Schwingen, und seine Gestalt wurde zu der eines Drachen, als er fort flog; dabei glitt er zuerst über den Boden und ließ eine Spur fahler Flammen hinter sich. Dann segelte er auf zu den Wolken, die sofort von Blitzen erhellt wurden, und der Donner dröhnte von den Hügeln wider. Als die schwarze Wolke höher stieg, war sie wie ein riesiges Rad, das sich in der Luft drehte und dabei von seinem Rand her Blitze zucken ließ und Donnerkeile schleuderte.

Als Jackey dastand und verdattert in den Himmel starrte, der sich wieder aufklärte, legte ihm der Pfarrer Wood die Hand auf die Schulter und sagte: »Gut gemacht, mein Junge. Ich war stolz darauf, deinen Mut und deinen guten Kampf zu sehen. Nimm deine Preise und lass uns heimgehen.« Als Jackey zögerte, den Beutel mit den Goldstücken anzulangen, fügte er hinzu: »Nimm das Geld, es ist ehrlich gewonnen.« Trevail nahm den Beutel, und als er ihn einsteckte, zog ein heller Blitz ihre Aufmerksamkeit auf den Rückzug des Bösen, der nun nur mehr ein schwarzer Punkt am klaren Himmel war. Sie sahen, wie ein Feuerstreifen davon ausging und gleich einer Sternschnuppe in der Nachbargemeinde niederfiel. »Pass auf, Jackey, mir scheint, unseren ringenden Teufel haben wir noch nicht zum letzten Mal gesehen«, rief Herr Wood aus. »Er ist hinunter zu den Hexen von St. Endor.«

Auf ihrem Heimweg erklärte Herr Wood Jackey, dass nur seine Furcht ihn glauben machte, der Teufel habe ihn hoch in die Luft getragen. Aber Jackey ließ sich nicht ganz davon überzeugen, und bis zu seinem Todestag versicherte er, dass er beim ersten Gang »turmhoch« getragen worden sei. Herr Wood erzählte ihm weiter, er sei lange vor Mitternacht an Ort und Stelle gewesen und habe manchen mächtigen Geist herbeigerufen, um das Ringen zu beobachten. Denn solche Kämpfe zwischen Menschen und Dämonen, die früher üblich waren, seien letzthin selten geworden. Auch dem Bösen hatte ein Heer von niederen Teufeln und von umherschweifenden Nachtgeistern beigestanden, die für den Pfarrer sichtbar waren, aber nicht für Jackey. Die Beobachter hatten gegenseitig Wetten abgeschlossen, und viele der Gefolgsleute des Teufels waren deshalb nun verpflichtet, den Gewinnern viele Jahrhunderte lang zu Diensten zu sein, was wenigstens ihre ewige Ruhelosigkeit und Langeweile etwas erleichtern würde.

Herr Wood bedauerte nur, dass er beim Überklettern einer Hecke in den Dornen seinen Ebenholzstock verloren hatte, er hatte gehofft, damit den geschlagenen Teufel verdreschen zu können als Vergeltung dafür, dass er im Gewand des heiligen Amtes erschienen war. In dem einen Augenblick, bevor er seinen Stock wiederbekommen konnte, hatten die Dämonen schon die Flucht ihres Meisters bewerkstelligt.

Das Teufelsgeld brachte seinem Gewinner wenig Gutes, denn die Frau, der Trevails Weib ihren Kummer anvertraut hatte, behielt das nicht für sich. Und es breitete sich das Gerücht aus, dass die neuen Kleider der Trevails und ihr großes Gepränge in der Kirche daher kamen, dass Jackey sich dem Teufel verkauft hätte Aber Jackey blieb noch viele Jahre lang der Meisterringer der ganzen Umgebung.