Der faule Jack - Hekaya
[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Der faule Jack

Es war einmal ein Bursche, der hieß Jack, und der lebte mit seiner Mutter zusammen in trübseligen Umständen. Sie waren sehr arm, und die alte Frau verdiente sich durch Spinnen, was sie brauchte, aber Jack war so faul, dass er nichts tat, als bei warmem Wetter in der Sonne braten und im Winter im Herdwinkel sitzen. Seine Mutter konnte ihn nicht dazu überreden, irgendetwas für sie zu tun. Schließlich blieb ihr nichts anderes übrig, als ihm zu sagen, wenn er nicht anfange, für seine Grütze zu arbeiten, werde sie ihn hinauswerfen, und da könnte er sehen, wo er bliebe.

Diese Drohung brachte Jack endlich auf die Beine, und er ging und verdingte sich für einen Tag um einen Penny an einen Nachbarbauern. Aber als er heimging, musste er über einen Bach, und weil er noch nie vorher eigenes Geld besessen hatte, verlor er den Penny im Bach. »Du dummer Kerl«, sagte seine Mutter, »du hättest ihn in deine Tasche stecken sollen.«

»Beim nächsten Mal will ich es tun«, antwortete Jack.

Am nächsten Tag ging Jack wieder aus und verdingte sich an einen Kuh-Halter, und der gab ihm einen Krug Milch für die Arbeit des Tages. Jack nahm den Krug und tat ihn in die große Tasche seiner Jacke. Und lange ehe er heimkam, war alles verschüttet. »Meine Güte!« sagte die alte Frau, »du hättest ihn auf dem Kopf tragen sollen.«

»Ich will es beim nächsten Mal tun«, antwortete Jack.

Am folgenden Tag verdingte sich Jack wieder an einen Bauern, der willigte ein, ihm weichen Sahnekäse für seinen Dienst zu geben. Am Abend nahm Jack den Käse, tat ihn auf seinen Kopf und ging damit heim. Als er nach Hause kam, war der Käse nicht mehr zu brauchen, ein Teil war verloren und ein Teil in seinen Haaren verschmiert. »Du dummer Tölpel«, sagte seine Mutter, »du hättest ihn ganz vorsichtig in den Händen tragen sollen.«

»Ich will es beim nächsten Mal tun«, antwortete Jack.

Am Tag danach ging Jack wieder aus und verdingte sich an einen Bäcker, der ihm für die Arbeit nichts anderes geben wollte als einen großen Kater. Jack nahm den Kater und trug ihn sehr vorsichtig in den Händen, aber nach kurzer Zeit kratzte ihn der Maunzer so, dass Jack nicht anders konnte, als ihn laufen zu lassen. Als er heimkam, sagte seine Mutter zu ihm: »Du törichter Bursche, du hättest ihn an einen Strick binden sollen und hinter dir herziehen.«

»Ich will es beim nächsten Mal tun«, sagte Jack.

Am nächsten Tag verdingte sich Jack an einen Metzger, der seine Mühe mit der hübschen Gabe einer Hammelschulter belohnte. Jack nahm die Hammelschulter, band sie an einen Strick und zog sie hinter sich her durch den Schmutz. Bis er nach Hause kam, war daher das Fleisch ganz und gar verdorben. Diesmal verlor seine Mutter aber wirklich ihre Geduld mit ihm, denn der nächste Tag war Sonntag, und sie musste sich nun mit Kohl zum Mittagessen zufrieden geben. »Du vernagelter Trottel«, sagte sie zu ihrem Sohn, »du hättest es über der Schulter tragen sollen.«

»Ich will es beim nächsten Mal tun«, antwortete Jack.

Am Montag ging Jack wieder und verdingte sich an einen Esel-Halter, der ihm einen Esel für die Arbeit gab. Obwohl Jack sehr stark war, hatte er doch einige Mühe, den Esel über die Schulter zu ziehen, aber schließlich brachte er es doch zuwege und begann langsam mit seinem Lohn heimzugehen. Nun geschah es, dass sein Weg ihn dort vorbeiführte, wo ein reicher Mann mit seiner einzigen Tochter lebte. Sie war ein schönes Mädchen, aber zum Unglück taub und stumm. Sie hatte in ihrem Leben noch nie gelacht, und die Ärzte sagten, sie würde nie gesund werden, wenn sie nicht einer zum Lachen brächte. Viele hatten es ohne Erfolg versucht, und zuletzt hatte ihr Vater sie in der Verzweiflung dem ersten Mann zur Heirat versprochen, der sie zum Lachen bringen würde. Diese junge Dame schaute zufällig aus dem Fenster, als Jack vorbeikam mit dem Esel auf seiner Schulter, der die Beine in die Luft streckte. Und der Anblick war so komisch und so sonderbar, dass sie in ein riesengroßes Gelächter ausbrach und auch sogleich zu sprechen und zu hören vermochte. Ihr Vater war vor Freude außer sich und erfüllte sein Versprechen, er verheiratete sie mit Jack, und so wurde der ein reicher Herr. Sie lebten in einem großen Haus, und Jacks Mutter lebte bei ihnen in Glück und Freude, bis sie starb.