[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Pakala und Tândala

I

In einem benachbarten Dorfe lebten einst zwei Männer. Der eine war ein Schelm, und der andre war ein Spitzbube. Der eine hieß Pakala, der andre Tândala. Eines Tages begegneten sich die beiden auf einem Wege. Jeder hatte einen vollen Sack auf dem Rücken. »Guten Tag«, sagte der eine. »Vielen Dank«, sagte der Andere. »Was habt ihr in dem Sack, Freundchen?«

»Wolle. Und ihr?«

»Ich habe Nüsse.«

»Hört, Freundchen, wisst ihr was? Ich gehe ja gerade nach Wolle auf dem Markt. Kommt, lasst uns die Säcke tauschen.«

»Topp«, sagte der andere, »ich brauche gerade Nüsse. Ich bin einverstanden.« Sie tauschten also die Säcke und gingen jeder in einer andern Richtung davon. Beide freuten sich über das gute Geschäft, das sie gemacht hatten.

Als sie ein gutes Stück Weges gegangen waren, öffnete ein jeder seinen Sack, um zu sehen, was er eingehandelt habe. Und siehe da, was fanden sie! Der eine fand an Stelle von Wolle Waldreben, der andere aber an Stelle von Nüssen leere Nussschalen. Da sahen sie beide, dass sie gleich große Schelme waren und kehrten wieder um. Sie trafen sich auf der Stelle, auf der sie den Handel abgeschlossen hatten.

»Willkommen, Brüderchen!«

»Heil dir, Herzensbruder! Was gibt es denn?«

»Du«, sagte der eine, »ich dachte, ich hätte dich hereingelegt, nun seh' ich aber, dass du ja genau so des Teufels bist, wie ich. Wir beide passen zueinander. Wie heißt du denn?«

»Tândala. und wie heißt du?«

»Pakala.«

»Bravo! So schöne und zueinander passende Namen hätte nicht einmal der Teufel für uns erfinden können.«

»Hei! Weißt du was? Wir wollen Brüderschaft miteinander schließen.«

»Gut, einverstanden«, sagte der andere. Und so wurden sie Brüder und gingen von nun an gemeinsam in die Welt, um ihr Glück zu suchen.

II

So kamen sie nun auch in ein Dorf. Da sagte Pakala zu Tândala, seinem Brüderchen: »Höre, Tândala! Geh du jetzt ins Wirtshaus. Wenn du aber siehst, dass sich die Leute im Gemeindehaus versammeln, komme auch du hin und bekräftige nur meine Behauptungen.«

»Gut«, sagte Tândala und ging ins Wirtshaus, das auch hier, wie in den meisten Orten, neben dem Gemeindehaus lag.

Pakala aber trat in ein Haus und sah eine Frau, die eine Ente rupfte. »Was ist das, Weib?« fragte er und tat sehr verwundert. - »Bist du denn so dumm, dass du nicht weißt, dass es eine Ente ist!«

»Ich weiß es wirklich nicht«, antwortete Pakala und tat noch verwunderter. »Das soll eine Ente sein? Bei uns sind Enten so groß wie ein Ferkel und nicht wie dieser Spatz da.«

»Das ist unmöglich«, sagte das Weib. »O doch«, sagte Pakala, »wenn du es nicht glauben willst, so wollen wir wetten.«

»Komm«, sagte das Weib. Sie riefen noch einige Nachbarn als Zeugen herbei und schlossen die Wette ab. Es ging um 200 Gulden. Dann begaben sie sich ins Gemeindeamt. Hier rief der Bürgermeister alle Leute herbei und fragte sie: »Wer von euch hat schon eine Ente gesehen, die so groß ist wie ein Ferkel; dieser Mann hier behauptet, dass sie so in seinem Dorfe seien.« Alle Leute sahen sich an, und keiner sagte ein Wort.

Da kam Tândala, kam wie zufällig aus dem Wirtshaus dazu und sagte: »Ich habe zwar noch nie eine Ente so groß wie Ferkel gesehen, dafür aber auf dem Markt von Temeschburg Enteneier, die so groß waren wie 10 Maß Weizen.«

»Dann«, sagte der Bürgermeister, »wenn das so ist, dann hat dieser Mann recht; denn nur eine Ente, die so groß ist wie ein Ferkel, kann ein so großes Ei legen.« So verlor das arme Weib die Wette und musste Pakala 200 Gulden bares Geld in die Hand zahlen. Dann aber machte sich Pakala rasch auf den Weg. Auf einer Seitenstraße holte ihn Tândala ein. Bei der Wegkreuzung teilten sie das Geld, und jedem fielen 100 Gulden zu.

III

Sie wanderten nun weiter und gelangten eines Tages auch nach Lugosch. Es war gerade Dienstag und deshalb auch Wochenmarkt. Auf dem Marktplatz sahen sie eine Bäuerin. Diese hielt eine Kuh am Seil, die sie verkaufen wollte. Unsere beiden Schelme redeten etwas miteinander und trennten sich dann. Tândala ging geradewegs zur Bäuerin mit der Kuh. »Was verlangst du für die Ziege?« fragte er. - »Für welche Ziege?« fragte die Bäuerin ganz erstaunt. - »Na, für diese Ziege, die du da am Seil hältst.«

»Du Dummkopf, siehst du denn nicht, dass dies keine Ziege, sondern eine Kuh ist.«

»Dies soll eine Kuh sein, zum Teufel! Das ist eine Ziege und nicht eine Kuh«, sagte Tândala und ging weiter zu den Buden der Händler.

Als Tândala weggegangen war, besah sich die Bäuerin die Kuh von allen Seiten. Sie wollte nun doch genauer sehen und wissen, ob es denn wirklich eine Kuh oder doch eine Ziege sei. Bald darauf kam auch Pakala auf sie zu. »Was verlangst du für diese Ziege?« fragte er. »Das ist doch keine Ziege, das ist ja eine Kuh!« sagte die Bäuerin. - »Es ist doch eine Ziege, du dumme Bäuerin. Oder willst du mir vielleicht ein X für ein U vormachen? Du siehst ja selbst, dass es eine Ziege ist.« Damit ging er davon.

Nach einer gewissen Zeit kam wieder Tândala auf sie zu. »Komm, machen wir das Geschäft, Alte! Gib mir deine Ziege.« So sagte er. »Aber Mensch! ich habe dir doch gesagt, dass dieses keine Ziege, sondern eine Kuh ist«, rief die Bäuerin.- »Es ist bestimmt eine Ziege. Bei meiner Seele, es ist doch eine Ziege.« Als die Bäuerin ihn so schwören hörte, glaubte sie nun auch, dass es eine Ziege sei. Deshalb sagte sie: »Also dann soll es eine Ziege sein, wie du sagst. Wenn du mir 10 Gulden gibst, ist die Ziege dein.«

»Der Teufel wird dir für diese elende Ziege 10 Gulden geben.«

»Hört. Wenn ich von euch 10 Gulden verlange, so habe ich sie euch ja noch nicht genommen. Ich verlange soviel, wie ich will. Ihr gebt soviel, wie ihr wollt. So macht man Geschäfte.«

»Ich gebe euch 5 Gulden für die Ziege. Wenn ihr wollt, ist es gut, wenn nicht, gehabt euch wohl.«

»So gebe ich sie nicht.«

»Schlagt ein und gebt mir die Ziege für 5 Gulden. Das wird euer Glück sein«, sagte Tândala. Da trat auch Pakala zu ihnen. - »Was habt ihr für diese Ziege gegeben, Gevatter?« fragte er. - »5 Gulden will ich geben«, antwortete der andere. - »Das ist zu viel. Auch ich wollte mit dieser Frau ein Geschäft machen. Nun habe ich mir aber eine andere und viel schönere Ziege gekauft als diese da. Und ich habe nur 4 Gulden dafür gegeben. Kommt und schaut, euch sie an.« Als die Bäuerin dieses hörte, sagte sie schnell: »Wenn eure Ziege schöner war als diese und ihr nur 4 Gulden dafür gegeben habt, so gebe ich euch auch meine Ziege um 4 Gulden.« Sie schlugen ein, und das Geschäft wurde abgeschlossen. Die Bäuerin zog nun heim und war froh, dass sie ihre Ziege so teuer verkauft hätte. Was sie zu Hanse erlebt hat, was ihr Mann ihr für das gute Geschäft heimzahlte, das blieb ihr Geheimnis. Genug damit, dem Tândala blieb die Kuh. Er führte sie von diesem Markt auf einen andern, bürstete sie und verkaufte sie als bald für 50 Gulden. Er teilte das Geld mit Pakala, und dann zogen die beiden fröhlich weiter wie zwei gute Freunde.

IV

Mit vollen Taschen kamen Pakala und Tândala in eine reiche Gemeinde. Hier berieten sie sich wieder, wie das ja ihre Art war, und betraten dann beide ein stattliches Haus. Hier wohnte eine junge Witwe. Als sie in die Wohnstube traten, sahen sie, dass die Bäuerin weinte, gewiss aus Sehnsucht nach ihrem Gatten. Mit demütiger Stimme begrüßten unsere beiden Freunde sie und sagten: »Guten Tag.«

»Gott mit euch«, antwortete die junge Frau, »was ist euer Begehr?«

»Wir sind Wanderer, gute Frau, und sollen jetzt in den Himmel ziehen. Es ist gerade einen Monat her, dass uns Gott auf die Erde geschickt hat, die lebenden Menschen aufzusuchen. Die Zeit ist jetzt um, und nun müssen wir wieder in den Himmel zurück. Wir haben diese Aufgabe, weil wir die frömmsten Menschen auf Erden waren. Damals, als wir starben.« Die Bäuerin staunte sehr über diese Worte, lud sie aber zum Sitzen ein und brachte Essen und einen guten Trunk auf den Tisch. Sie bat sie, damit vorlieb zu nehmen. Schließlich setzte sie sich zu ihnen und sagte: »Ihr guten Leute! Habt ihr nicht vielleicht dort oben auch meinen armen Mann gesehen?«

»Wie heißt er«, fragte Pakala sie. »Johann«, antwortete die Bäuerin. Pakala legte den Zeigefinger an die Stirn und überlegte leise: »Johann, Johann!« - Da rief plötzlich Tândala: »Weißt du, der Johann, der uns im Himmel die Wege kehrt!«

»Oh, jetzt erinnere ich mich. Ich kenne ihn gut«, antwortete Pakala. »Oft bittet er uns sehr, ihm etwas zu essen und zu trinken zu geben. Und wir geben ihm auch, wenn Gott es nicht sieht. Ja, manchmal geben wir ihm auch Geld, damit er sich etwas kaufe.« Da sprach die Bäuerin: »Oh, ihr gottesfürchtigen Menschen! Ich danke euch von Herzen, dass ihr euch meines Mannes erbarmt habt. Weil ihr jetzt aber gerade wieder in den Himmel zurück sollt, möchte ich euch sehr bitten, ihm etwas zu essen mitzunehmen. Der Arme ist bestimmt sehr hungrig.«

»Das wird sehr schwer gehen, gute Frau. Wir können kaum etwas tragen. Denn wenn wir in den Himmel gehen, müssen wir über eine schmale Brücke wandern, so schmal wie ein Ast, und da können wir leicht in die Hölle hinunter fallen, wenn wir eine Last auf dem Rücken tragen. Das ist das eine. Dann aber wird uns Gott kaum mit Speisen in den Himmel einziehen lassen. Er sagt ja immer, dass wir dort haben, was wir brauchen. Die Knechte aber mögen damit zufrieden sein, dass sie den Himmel sehen und tagsüber sich nicht im Fegefeuer quälen müssen wie in der Nacht. Geld könnten wir ihm eher mitnehmen, damit er sich etwas kaufe. Zu kaufen gibt es dort genug.«

Da suchte die Bäuerin einen großen Sack, wie er auf dem Lande zu finden ist. Da hinein legte sie mehrere Schinken, dann schneeweißen Striezel, schließlich einige Flaschen guten Weins und starken Schnaps. Diesen gab sie Tândala und bat ihn herzlich, ihn ihrem Mann mitzunehmen. Dem Pakala aber gab sie eine Banknote von hundert Gulden, auch für ihren Mann. Sie versprachen ihr nun, alles mitzunehmen. Als sie endlich ihren Hunger und Durst gestillt hatten, machten sie sich auf den Weg. Die Bäuerin begleitete sie noch bis zum Tor. Von dort schickte sie ihrem Manne noch einige heiße Küsse.

Pakala und Tândala kehrten von hier in ihr Heimatdorf zurück. Am Kreuzweg teilten sie die Speisen der Bäuerin untereinander. Das Geld aber konnten sie nicht teilen, da sie kein Kleingeld hatten. Sie kamen aber überein, dass Tândala am nächsten Sonntag zu Pakala kommen sollte, um den ihm zustehenden Teil des Geldes in Empfang zu nehmen. Bis dahin wollte Pakala das Geld wechseln.

V

Am kommenden Sonntag kam Tândala zu Pakala, wie sie vereinbart haften. Pakala aber, dieser Teufelskerl, stellte sich tot. Er hatte in seinem Garten eine Grube gegraben und sich hineingelegt. Seine Frau aber musste eine Tragbahre über die Grube legen und darauf die heraus geworfene Erde aufhäufen. Als Tândala ankam, fand er das Weib zu Hause. Sie weinte. Auf seine Frage, warum sie weine, sagte sie zu ihm: »Mein Mann ist gestorben. Vorgestern habe ich ihn begraben. Alles Geld, das wir hatten, habe ich für seine Beerdigung ausgegeben. Kein Heller ist mir geblieben. Wie soll ich Arme in dieser Welt nun weiterleben?«

»Gott möge ihm seine Sünden vergeben«, sagte Tândala. »Er war mir ein lieber Freund. Gar zu gern möchte ich sehen, wo er begraben liegt«

»Hier im Garten«, sagte das Weib, »du kannst gehen und dir sein Grab ansehen.« - Tândala aber ging in den Garten und stieg auf das Grab, das ihm gleich verdächtig vorkam. Hier begann er zu tanzen und zu singen: »Pakala, Pakala, wach auf,
Denn du hast mich bestohlen.
Kommt dir der Teufel darauf,
Wird er bestimmt dich holen.«
So sang und tanzte Tândala. Dann holte er mit Gewalt das Weib des Pakala herbei und nun fingen sie beide zu tanzen, an. Jetzt sang Tândala: »Bleibe nur in deinem Grab,
Wo dein liebes Weib ich hab.
Weibchen, gib mir einen Kuss,
Hei, ich tret dir auf den Fuß.
Juch, wir werden fallen.
Das, gefällt doch allen.«
Als Pakala diesen Gesang hörte, versuchte er, so rasch wie möglich aus dem Grab zu kommen. »Du, du bist des Teufels«, schrie er.- »Wie du auch«, antwortete Tândala, »du hast versucht, mich um mein Geld zu bringen, du hast aber deinen Meister gefunden. Gib mir nur den Teil vom Gelde der Bäuerin, der mir zukommt, die 60 Gulden.« - Da Pakala keinen Ausweg mehr sah, gab er ihm 49 Gulden, er habe jetzt nicht mehr. Um den restlichen Gulden solle Tândala aber am nächsten Sonntag kommen, dann werde er ihm den geben.

VI

Am nächsten Sonntag kam Tândala wieder wegen seines Geldes. Das Weib des Pakala fing nun wieder an, um ihren Mann zu heulen und versicherte, er sei nun tatsächlich tot und in der Kirche aufgebahrt. Tândala glaubte es nicht. Er ging ins Wirtshaus und trank dort ein, zwei Stamperl Schnaps. Dann ging er in die Kirche. Inzwischen war es schon Abend geworden. Mitten in der Kirche fand er Pakala auf einem Tisch aufgebahrt. Bei seinem Haupte brannten zwei Kerzen. Schüchtern ging er nach vorn, doch da überfiel ihn eine so große Angst, dass er es nicht wagte, sich Pakala zu nähern. Er versteckte sich in einer Ecke hinter einigen alten Leuchtern und harrte der Dinge, die da kommen sollten.

Um Mitternacht etwa brachen in die Kirche ungefähr 20 schwer bewaffnete Räuber ein. Sie wollten hier das Geld, das sie in dieser Nacht gestohlen hatten, unter sich teilen. Bei dem Anblick des Toten erschraken sie nicht. Sie richteten sich in aller Eile einen Tisch her und teilten das Geld auf, wobei sie 20 große Haufen von Gold und Silber machten. Als sie das Geld aufgeteilt hatten, ergriff Tândala die alten Leuchter und sprang mit lautem Krach in die Mitte der Kirche. Dabei schrie er: »Erwachet, ihr Toten! lasst uns diese Diebe vernichten!« - Da sprang auch Pakala von seiner Bahre auf und rief: »Wo sind sie? dass wir sie fassen!« - Inzwischen waren die Räuber, wie von Geistern gejagt, davongelaufen. Pakala und Tândala aber teilten nun das Geld unter sich auf. Jeder bekam 10 Goldhaufen. Dann verbargen sie sich hinter der Kirchentür, um zu sehen, was noch geschehen werde.

Die Räuber, die davongelaufen waren, besannen sich aber. Warum, zum Teufel, sollten sie soviel Geld nur so aus Furcht verlieren? Deshalb schickte ihr Hauptmann einen von ihnen zur Kirche zurück. Der sollte sehen, was da eigentlich los sei. Der furchtsame Räuber öffnete die Kirchentür, um hinein zu sehen. Da nahm Pakala ihm den Hut vom Kopfe, reichte ihn Tândala und sagte: »Nimm diesen Hut an Stelle des Gulden, um den du bei der Aufteilung zu kurz gekommen bist. Und nun mach keinen Streit mehr.« Da nahm der Räuber Reißaus, und als er zu seinen Genossen kam, berichtete er: »Soviel Tote sind auferstanden, dass von unserem Gelde jedem nur ein Gulden zugefallen ist. Ja, für einen war kein Teil mehr da, und damit er nicht leer ausginge, nahm mir einer den Hut vom Kopfe und gab ihm den.« Da gaben die Räuber den Gedanken, noch einmal umzukehren, auf und liefen alle davon.

Auf diese Art erstattete Pakala mit dem Hute des Räubers seine Schuld von einem Gulden an Tândala zurück. So blieben die beiden auch fernerhin gute Freunde und Herzensbrüder.