[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Limunges Heirat

Ein Vater hatte eine erwachsene Tochter mit Namen Limunge. Schon etliche Männer waren da gewesen, die Limunge heiraten wollten, aber sie weigerte sich stets und sprach: »Wenn ich verheiratet werde, dann mit keinem anderen als mit Ndondo-Ndume.« Ein Freier nach dem anderen erschien und sprach mit ihr über eine Heirat, aber das Mädchen willigte in nichts ein, sondern wiederholte nur immer: »Wenn ich verheiratet werden soll, kommt nur der Ndondo-Ndume in Betracht.« Dabei kannte das Mädchen den Ndondo-Ndume gar nicht. Sie hatte nur gehört, der Ndondo-Ndume wäre ein guter Mann, dazu auch noch reich. Zuweilen sang sie auch dieses Lied: »Ich werde geheiratet vom Ndondo-Ndume, ja, ja! Vom Ndondo-Ndume, der im Meer wohnt, ja, ja!«

Die Sache verhält sich aber so: Der Ndondo-Ndume lebt im Meer. Er ist ein winzig kleiner Fisch, und er ist am ganzen Körper mit Eiterbeulen bedeckt.

Alle Fische bedrängten nun den Ndondo-Ndume: »Du solltest doch versuchen, dich um das Mädchen zu bemühen, denn die ganze Zeit singt sie von dir und erzählt, dass sie von keinem anderen geheiratet werden will als von dir.« Ndondo-Ndume aber hatte gar keine Lust dazu, denn er wusste, dass sie nicht einwilligen würde, wenn er hinkäme, um sie zu heiraten, weil er am ganzen Körper mit Eiterbeulen bedeckt war. Sie überredeten ihn aber doch. Als er sich aufmachte, lieh er sich die Haut des Muawo und ließ die seine mit den Eiterbeulen zurück.

Er kam zum Haus des Mädchens und trat ein. Als das Mädchen ihn sah, gefiel er ihr gleich, weil er so schön gekleidet war. Da ging Ndondo-Ndume zu ihrem Vater und sprach: »Ich bin gekommen, um dich um deine Tochter zu bitten.« Der Vater rief Limunge und fragte sie: »Möchtest du von Ndondo-Ndume geheiratet werden?« Das Mädchen bejahte. Am nächsten Tag kleidete der Vater seine Tochter ein, und sie gingen hin, um Hochzeit zu feiern.

Nach zwei Tagen, mitten in der Nacht, hörte Limunge, wie jemand ein Lied sang, das ging so: »Ndondo-Ndume, hörst du nicht den Muawo rufen, dass du ihm seine Haut zurückgeben sollst?« Nacht für Nacht, wenn sie schliefen, hörten sie das Lied. Nach zwei weiteren Tagen stand Ndondo-Ndume ganz früh am Morgen auf und ging, dem Muawo seine Haut zurückzugeben. Er kehrte aber nicht gleich nach Hause zurück, denn er schämte sich so, weil er nun wieder seine eigene Haut voller Eiterbeulen trug. Bis zur Schlafenszeit blieb er auf dem Feld, ohne auch nur eine Kleinigkeit gegessen zu haben. Als er endlich nach Hause kam, fand er seine Frau bereits schlafend. Auch er legte sich hin, ohne sie zu wecken oder ein Wort zu sprechen. Um Mitternacht spürte die Frau, wie ihr irgendetwas auf der Haut herumkroch. Sie nahm ein brennendes Holzstück und untersuchte das Bett - da fand sie ihren Mann am ganzen Körper mit Eiterbeulen und Maden bedeckt. Voller Ekel stand sie auf. Das ärgerte den Ndondo-Ndume, sie gerieten in einen heftigen Streit, und schon am Morgen bat Limunge ihren Vater, sie auszulösen. Das tat er auch. Limunge aber heiratete nicht wieder, bis zu ihrem Tod.