[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Freundschaft zwischen Hund und Wolf

Es lebte einmal eine alte Frau. Sie hatte ein Kind und einen Hund. Die Frau ging zum Roggenschneiden und nahm ihr Kind mit. Der Hund läuft in den Wald und sagt: »Ich werde dem Wolf begegnen, soll er mich ruhig auffressen.« Er ging durch den Wald und begegnete dem Wolf. Der Wolf sagt: »Hündchen, Hündchen, ich fresse dich auf!« Sagt das Hündchen: »Du wirst von mir nicht satt werden! Meine Herrin liebt mich nicht, so bin ich doch nur Haut und Knochen.« Der Wolf sagt: »Wenn du willst, kann ich machen, dass die Herrin dich liebt.« Sagt das Hündchen: »Gut.« Der Wolf fragt: »Hat sie Kinder?« Antwortet das Hündlein: »Ja.«

»Nimmt sie die mit, wenn sie Roggen schneiden geht?« Sagt der Hund: »Ja.« Fragt der Wolf: »Und was gibst du mir dafür?« Das Hündlein verspricht: »Wenn der Sohn der Frau Hochzeit hält, werde ich dich bewirten.« Da meint der Wolf: »Gut. Ich will mich hinter den Hügel legen, doch du musst in der Nähe des Kindes sein. Wenn deine Herrin weiter ab vom Kinde Roggen schneidet, komme ich hinter dem Hügel hervor, packe das Kind und laufe davon. Du jagst hinter mir her und bellst.«

Als die Frau sah, dass der Wolf ihr Kind raubte, begann sie zu schreien: »Kiß, pack ihn, Kiß, pack ihn!« Der Wolf setzte das Kind hin und lief davon. Der Hund aber steht bei dem Kind. Die Frau kommt schnell gelaufen, hebt ihr Kind auf, trägt es nach Hause und nimmt auch das Hündchen mit. Als sie zu Hause angelangt waren, gab sie ihm Milch, gab ihm zu fressen und liebte ihr Hündchen wieder.

Nach einer Woche feierte der Sohn der Frau Hochzeit. Das Hündchen geht zum Wolf und sagt: »Bitte, komm zur Hochzeit!« Antwortet der Wolf: »Gut.« Der Hund führte den Wolf hinter die Scheunenecke. Als die Sonne unterging, kamen die Hochzeitsgäste gefahren und fingen an zu essen. Die Frau sagte allen, dass sie den Hund nicht schlagen dürften. Der aber lief hinter die Scheunenecke und holte den Wolf in den Hausflur. Nun lief der Hund in die Gästestube, löschte mit dem Schwanz den Kienspan und brachte den Wolf in die Stube unter den Tisch. Der Hund fürchtete nun nichts mehr, er nahm ein halbes Weißbrot, vom Fleisch einen halben Schinken und vom Branntwein eine ganze Flasche. Die nahm der Wolf und trank sie aus.

Darauf sagt er zum Hund: »Wenn die Gäste singen, singe ich auch.« Der Hund sagt: »O wei, singe ja nicht! Es wird schlecht ausgehen.« Der Wolf aber bleibt dabei: »Hündchen, ich will singen!« Der Hund sagt: »Singe nicht!«

»Was ist denn hier? Ein Wolf! Ein Wolf!« fingen die Gäste an zu schreien. Jeder griff schnell nach einem Stück Holz, und sie schlugen den Wolf tot.