[swahili, "Geschichte, Legende"]

Feuerstein

Einstmals, es ist schon sehr lange her, da hatte ein Vater einen Sohn, der war sehr stark - so stark, dass er nichts, was er auch tat, zu Ende bringen konnte: Alles zerbrach oder zerriss ihm unter den Händen. Wenn er zum Pflügen ging, drückte er das Pflugschar so tief in den Boden, dass es die Erde nicht umwenden konnte und zerbrechen musste. Und wenn es zuweilen vorkam, dass er einen Wagen mit Heu oder Stroh beladen sollte, so kam er nie dazu, es festzubinden: Entweder riss der Strick, oder es zerbrach auch oben die Haltestange. Da der Vater von einem so starken Sohn keinerlei Nutzen hatte, gab er ihn zum Schmied, das Schmiedehandwerk zu erlernen, damit er durch dieses Handwerk sein Brot verdienen könnte. Und weil eben beim Schmieden große Kräfte gebraucht werden, um das Eisen zu hämmern, da meinte der Vater, dort wäre diese Stärke von großem Nutzen.

Der Schmied, der wusste, dass er einen starken Burschen bekommen hatte, fing an, Sachen zu schmieden, die aus sehr dickem Eisen gehämmert werden. Nachdem er das Eisen, wie es sich gehört, erhitzt hatte, gebot er dem Burschen, den großen Schmiedehammer zu nehmen und beim Schmieden zu helfen. Der Junge nahm den großen Schmiedehammer und schlug, wie es der Schmied befohlen hatte, so gewaltig zu, dass er sogleich das Eisen auf dem Amboss mittendurch schlug. Als der Schmied diese furchtbare Kraft des Burschen sah, fing er an, das Eisen, das geschmiedet werden sollte, weniger glühend zu machen, doch es half alles nichts. Kaum legte er es auf den Amboss, da schlägt ihm der Junge das Stück auch schon durch.

Am Ende wurde der Schmied böse. Er steckte ein sehr dickes Stück Eisen ins Feuer und, nachdem er es nur kurze Zeit darin gehalten hatte, so dass es nur wenig heiß geworden war, zog er es schon wieder heraus, - aber auch das schlug der Bursche mittendurch und machte aus einem Stück zwei.

Der Schmied, der nun nicht mehr wusste, was er mit dem Jungen anfangen sollte, schickte ihn in den Wald, Kohlen zu brennen. Dort fällte der starke Mann eine Menge Bäume, packte sie zu einem Scheiterhaufen übereinander und fing an Kohlen zu brennen.

Da kam ein ganz furchtbarer Drache mit neun Köpfen angeflogen und wollte den Burschen verschlingen. Doch der fackelte nicht lange. Er packte die Axt, ein Hieb - und drei Köpfe flogen herunter. Als er zum zweiten Male zuschlug, flogen noch drei Köpfe. Der Drache, dem jetzt nur noch drei Köpfe geblieben waren, fing an zu brüllen. Er krümmte und wand sich, denn er lebte noch immer; er wollte seinen Gegner besiegen und ihn mit Haut und Haaren verschlingen. Doch der starke Bursche rang mit dem Drachen und brachte ihn schließlich um, indem er ihm die letzten drei Köpfe abschlug.

Durch diesen Kampf ermüdet, legte sich der Junge ein wenig hin, um auszuruhen, und dabei schlief er ein.

Doch bald erwachte er nach kurzem Schlummer, denn er fühlte einen solchen Durst, dass er einen Eimer Wasser hätte austrinken können, wenn er ihn irgendwo bekommen hätte. Deshalb ging er sofort los, um nachzusehen, wo er Wasser finden könnte, um sich satt zu trinken. Unweit von der Stelle, wo er gelegen hatte, fand er einen fließenden Bach mit klarem Wasser, und er stürzte nieder und trank lange, bis sein Durst gestillt war. Als er sich satt getrunken hatte, wischte er sich die Lippen ab. Als er so wischte, fühlte er plötzlich, dass seine Lippen schrecklich hart waren. Er ergriff sein Messer und versuchte, in eine Lippe zu schneiden, doch es wollte ihm auf keine Weise gelingen, sie einzuschneiden - so hart war sie! Da zog er alle seine Kleider aus und begann sich ganz zu waschen. Er wusch und wusch sich, und als er sich ganz gewaschen hatte, wurde er so hart wie Feuerstein. Der Bach war aus den Blutströmen des erschlagenen Drachen entstanden.

Nun bat der Bursche den Schmied, er möchte ihm doch aus zehn Pud Eisen ein Stöcklein, einen Wanderstab, schmieden. Als der Schmied ihm den Stab geschmiedet hatte, nahm er ihn und zog hinaus in die Welt auf Wanderschaft.

Er ging und ging, und als er die Welt schon kreuz und quer durchwandert hatte, kam er an einen Ort, wo sich die Polen mit den Schweden schlugen. Er kam zu den Polen und fragte: »Wie steht der Krieg mit den Schweden?« Die Polen antworteten, dass die Schweden sie durch ihre große Zahl besiegen würden. »Jetzt«, sagte der Wanderer, »seid guten Muts: Ich werde sie alle davonjagen!« Der Wanderer ging zum Heer der Schweden. Als er anfing, sein Stöcklein im Kreise tanzen zu lassen, als es unter den Schweden tanzte - da stürzten die Schweden um ihn herum nur so nieder wie schlappe Birkenschwämme. So schlug, schlug und schlug er alle Schweden nieder, und als er zu den Polen zurückkam, sagte er, sie brauchten keine Furcht mehr zu haben, denn die Schweden seien alle niedergemacht.

Die Polen freuten sich, dass ihre Gegner vernichtet waren, und sie gaben für den Wanderer ein Festgelage. Das ganze polnische Volk freute sich und dankte seinem Retter für seine gute Tat.

Nachdem er bei den Polen genug gezecht und zu Besuch geweilt hatte, zog der Wanderer wieder hinaus in die Welt und wanderte in allen Ländern umher. Er ging einfach überallhin, ohne etwas zu fürchten, denn er war ja so stark. Er zog in der Welt umher, er wanderte hierhin und dorthin.

Dann geschah es wieder, dass er in das Land der Polen kam. Hier kam er wieder an einen Ort, wo sich die Polen mit den Schweden schlugen, die das Land zum zweiten Male mit Krieg überzogen hatten. Der Wanderer kam zum Heer der Polen und fragte: »Nun, was ist, wie steht euer Krieg mit den Schweden?«

»Ach«, antworteten die Polen, »was soll man da sagen? Die Schweden bedrängen uns schrecklich von allen Seiten.«

»Na«, sagte der Wanderer, »wartet, ich werde euch befreien!« Als er das gesagt hatte, ging er zu den Schweden. Dort angelangt, fing er an herumzuwirbeln, und als er begann, auf die Schweden einzuhauen, da fielen sie nur so um ihn herum, denn sie konnten ihm nichts anhaben, ihn weder erstechen noch niederschießen - nichts drang durch seine Haut. Er schlug alle Schweden bis zum letzten tot, dann kehrte er zu den Polen zurück.

Die Polen nahmen ihn sehr freundlich auf und mit einer solchen Dankbarkeit, wie sie sie noch niemandem erwiesen hatten. Obwohl er sehr stark war, der Wanderer, war er doch vom Dreinschlagen auf die Schweden müde geworden, also legte er sich ein wenig hin, um sich auszuruhen. Und als er sich hingelegt hatte, schlummerte er auch schon ein.

Der Oberste der Polen hatte sich aber die gewaltige Kraft des Wanderers so zu Herzen genommen, dass er folgendes überlegte: Sieh mal an, dieser starke Mann hat zwei schwedische Heere vernichtet. Doch es könnte ja auch geschehen, dass er mit uns dasselbe macht wie mit den Schweden! Und er nahm sich vor, sich den Wanderer vom Halse zu schaffen, solange er noch schlief.

Er befahl seinen Bütteln, den Wanderer umzubringen. Die Büttel fielen sofort über den schlafenden Wanderer her und fingen an auf ihn einzuschlagen und los zu stechen, doch keine Schneide noch Spitze drang in ihn ein. Und der Wanderer schlief ruhig weiter. Doch die Büttel ließen nicht ab von ihm, sie wälzten ihn auf die Seite, auf den Rücken und auf den Bauch, und schließlich fanden sie zwei weiche Stellen unter den Schulterblättern. Als sich der Wanderer in dem Bach aus Drachenblut wusch, hatte er diese beiden Stellen unter den Schulterblättern mit den Händen nicht erreichen können, deshalb blieb die Haut da auch weich. Jetzt stießen die Henker mit Spießen durch die weiche Haut und erstachen ihn, der die Polen von den Schweden befreit hatte. Danach bestatteten die Polen ihn mit großer Feierlichkeit in den Gewölben unter der Kirche.