[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Die Schlange als Gattin

Es war einmal ein Jäger. Der streifte im Walde umher, ging hierhin und dorthin und kam im Waldesinnern zu einem schönen Haus. Er geht hinein, er sieht: Auf dem Hof ist ein schöner Ochse am Zaun angebunden. Na, und er geht ins Haus und findet dort eine ganz in Seide gekleidete vornehme Frau. Diese Frau hieß ihn in ein sehr schönes Zimmer treten. Er ging da hinein und schaute durchs Fenster. Und er sah: Viele schön gekleidete Jungfrauen strömen herbei. Und eine jede dieser Jungfrauen hat eine Rute in der Hand, und immer beim Vorübergehen geben sie dem Ochsen mit ihrer Rute einen Hieb. Und der Ochse senkt nur immer drohend die Hörner, wenn er einen Streich erhält. Doch die vornehme Frau gebietet jedes Mal einer jeden für den morgigen Tag: »Schlage du das und das Tier tot! Du sollst den und den Menschen töten!«

Schon hatte sie alle entlassen. Der Jäger sieht durch das Fenster: Da kommt noch eine als allerletzte nach, aber die war schöner als alle anderen. Als sie an dem Ochsen vorüberging und ihm einen Streich versetzt, fiel der Ochse sofort zu Boden, und aus war es mit ihm.

Gleich als sie bei der vornehmen Frau eingetreten war, sagte ihr die Frau: »Du sollst morgen den Jäger unseres Waldes fällen!« Na, da ergriff ihn solche Furcht, solche Angst, dass er nicht bis drei zählen konnte und nicht wusste, ob er fliehen oder stehen bleiben sollte.

Na, als die vornehme Frau alle entlassen hatte und auch ihn aus dem Zimmer gehen hieß, sagte sie: »Hast du gehört, was ich über dich gesagt habe, was dir die schöne Jungfrau morgen antun soll?« Dieser, zutiefst erschrocken, sagte: »Ich habe es gehört.« Darauf sagt die vornehme Frau: »Hat deine Mutter noch alle ihre Hochzeitskleider?« Dieser sagt: »Die sind noch da.«

»Nun, wenn du morgen gehst, Roggen zu schneiden, mache dir zwölf Bund Ruten, nimm alle Hochzeitskleider deiner Mutter, nimm alles mit aufs Feld und lege es dir dort bereit. Sodann, wenn du die dritte Garbe Roggen schneidest und eine Schlange erblickst, so ergreife sie sofort mit dem Hochzeitstaschentuch deiner Mutter, drücke ihr den Kopf zusammen und schlage mit den Ruten los! Wie sie sich auch immer winden mag, ganz gleich, um deine Arme und um dich selbst, sie wird dich nicht beißen. Doch du schlage und schlage sie, bis sie sich in die Jungfrau verwandelt, die du eben gesehen hast. Darauf wird sie dich bitten: ›Lass mich, ich will dich küssen!‹ Erlaube das nicht, denn sie will dich umbringen. Wenn sie sich in eine Jungfrau verwandelt hat, dann reiße ihr sofort die Kleider herunter und bekleide sie mit dem Hochzeitshemd deiner Mutter, doch ihre schönen Kleider verbrenne sofort.« Als sie ihm alles so gesagt hatte und ihn hinausließ, sagte sie noch einmal: »Aber vergiß nicht, alles so zu machen, wie ich es dir gesagt habe!« Der Jäger sagte: »Gut, gut, ich werde nichts vergessen, nein!«

Na, er suchte am nächsten Morgen alle Hochzeitskleider seiner Mutter zusammen und auch das Taschentuch, alles so, wie es die vornehme Frau gesagt hatte. Er band sich zwölf Bund Ruten und ging mit dem Gesinde los, Roggen zu schneiden. Und er nahm auch alles mit sich auf den Acker. Darauf schnitt er sogleich zwei Garben, und als er die dritte schnitt, erblickte er unter der Garbe eine Schlange. Sofort ergriff er mit dem Hochzeitstaschentuch seiner Mutter ihren Kopf und drückte ihn zusammen. Er ergriff die Ruten, und nun prügelte er los, nun schlug er los! Ein Bund war zerbrochen, das zweite, schon einige Bunde. Sie wand sich und wand sich um seine Arme, um ihn selbst, denn er schlägt und schlägt! Fast hatte er schon alle Ruten zerschlagen, doch sie wurde und wurde nicht zu einer Jungfrau. Doch als er mit dem zwölften Bund zu schlagen begann, verwandelte sie sich in eine wunderschöne Jungfrau, die ganz in Seide gekleidet war.

Als sie sich in die Jungfrau verwandelt hatte, bat sie ihn: »Lass mich, ich will dich küssen.« Aber der Jäger - weißt du - riss ihr sofort die schönen Kleider herunter, zog ihr das Hochzeitshemd der Mutter an, danach alle Hochzeitskleider. Ihre schönen Kleider gedachte er zu verbrennen, doch taten sie ihm schon leid. Er trug sie nach Hause, hob in dem Wohnspeicher einige Dielenbretter hoch und steckte sie darunter, doch die Jungfrau stellte er auf den Platz hinter sich, Roggen zu binden. Er schneidet, und sie bindet.

Na, gleich nach der Roggenernte heirateten sie und lebten lange gut miteinander. Doch sie erinnerte sich immer wieder mit Seufzen daran, dass sie es hier nicht so angenehm hatte wie dort.

Einmal begann sie ihn sehr zu küssen: »Oh, oh, oh«, sagt sie, »wenn mir nur jemand meine früheren Kleider wiedergeben würde - ich weiß nicht, was ich dem Gutes tun würde!« Er sagt: »Nun, braucht Ihr sie denn so sehr nötig?« - Sie antwortet: »Ach, wie nötig, wie so sehr nötig!« Er hob die Dielenbretter in dem Speicher wieder hoch, nahm die Kleider heraus und gab sie ihr. Sie zog sie sofort an, sagte ihm Lebewohl und - schmatz - küsste sie ihn. Sie verwandelte sich sofort in eine Schlange, und er starb auf der Stelle.