[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Die Schlammpeizger in der Scheune

Ein Mann lebte mit seiner Frau in großer Eintracht. Seine Frau war aber auch sehr schlau, und sie betrog ihren Mann tüchtig. Einmal im Frühling sah sie einen Jungen, der Fische trug. Sie fragte ihn: »Vielleicht verkaufst du die?«

»Ich kann sie schon verkaufen - warum nicht?« Sie gab ihm Korn dafür, denn Geld hatte sie nicht. Mein Mann weiß ja, dass ich kein Geld hatte. Aber was werde ich ihm sagen, wofür ich sie gekauft habe? Sie behielt noch einige Schlammpeizger übrig, die sie nicht gegessen hatte, trug sie in die Scheune und schüttete sie in eine Banse. Der Mann kam vom Felde zurück, da sagt sie: »Weißt du, Mann, ob nicht vielleicht in unserer Scheune Schlammpeizger laichen?«

»Wie sollen denn Schlammpeizger in unserer Scheune laichen?« Das Weib sagt: »Wollen wir doch einmal gehen und nachsehen!« Sie gingen in die Scheune. Sie schauen in eine Banse - die Fische waren auseinander geglitten und schlängelten nun auf dem Boden umher. Der Mann wundert sich: Wie können die denn in der Scheune laichen? Sie sammelt die Schlammpeizger in ein Körbchen. Es war gerade an einem Sonnabend. »Hör mal, koche diese Fische, und ich will zu meinem Bruder gehen und fragen, ob die vielleicht jedes Jahr laichen.«

Als er am Sonntag zur Kirche gegangen war, fragt er auch richtig seinen Bruder: »Na, was gibt's Neues? Aber bei uns gibt es eine Neuigkeit!«

»Na, was gibt's denn da für eine Neuigkeit?«

»Bei uns in der Scheune laichen Schlammpeizger!«

»Oh, das wundert mich aber! Wie können die denn in der Scheune laichen? Wenn das im Sumpf wäre, das könnte man glauben. Aber das da ist eine unmögliche Sache!«

»Na, wenn du es nicht glaubst, dann komm mit zu mir - du sollst selbst von den Fischen essen!«

Da geht sein Bruder mit, um sich zu überzeugen, was dort für Fische sind. Er nimmt eine Flasche Branntwein mit und will nun nach den Fischen sehen. Sie traten ins Haus. Zuerst aßen sie Quarkkäse mit Butter. Dann sagt der Mann zu seiner Frau: »Nun trage doch die Fische auf!«

»Was für Fische? Bist du nicht richtig im Kopf? Welche Fische?«

»Na, die wir beide gestern in der Scheune gefangen haben!«

»Bekreuzige dich«, sagt die Frau, »du hast dich wohl vor Fischen erschreckt, dass deine Augen immer noch Fische sehen!« Der Mann begriff, dass sie ihn betrogen hatte. Sein Bruder sagte denn auch: »Greife keine Frau an, das ist nicht schön! Die Leute werden sich die Mäuler zerreißen, dass du verrückt bist und überall Fische siehst und von Fischen redest. Komm, begleite mich, ich werde dir sagen, was du hier am besten tust!«

Da bekommt seine Frau Angst, dass das für sie schlecht ausgehen könnte. Nicht gar zu weit ab war eine kleine Stadt. Das Weib lief hin zum Pfarrer und bittet ihn: »Mein Mann hat sich vor Fischen erschreckt; vielleicht, ehrwürdiger Vater, könntest du ihm eine Austreibung lesen? Er war so ein guter Mann, und jetzt ist er ganz irregeworden!« Der Pfarrer sagt: »Schön, ich werde kommen.« Wie der Mann nach Hause kommt, da tritt auch schon der Pfarrer herein. Die Frau ging zur Tür hinaus, doch der Mann blieb drinnen. Da sagte der Pfarrer: »Knie nieder, ich will dir eine Austreibung lesen, vielleicht hast du dich vor Fischen erschreckt.« Doch die Frau zeigte dem Mann durch das Klinkenloch in der Tür einen kleinen Fisch, um ihn aufzustacheln. Der Mann sagt: »Warte, Hochwürden, ich will nur den Schlammpeizger dort nehmen!« Der Pfarrer schaute sich um - nirgends ist ein Fisch zu sehen.

Da gab ihm der Pfarrer mit dem Buch eins auf den Kopf und sagt: »Was bist du für ein Dummkopf! Hier ist nicht ein einziger Schlammpeizger, und du phantasierst von Schlammpeizgern!« Der Pfarrer redet auf ihn ein von einem rechtschaffenen Leben, und dass man niemals Unsinn plappern soll. Doch der Mann sagt: »Gut, gut!« Denn nun hatte er alles durchschaut. Dann begleitete er den Pfarrer, ging in die Schenke, trank sich Mut an und sagt: »Jetzt wird dem Weib das Fell gegerbt, jetzt geht es ihr ans Leder!« Die Frau erfuhr das. Sie ging zur Nachbarin, einer alten Frau, und bat, dass sie zu ihr kommen und die halbe Nacht bei ihr bleiben möchte; sie log ihr vor, ihr Mann hätte sich schlecht benommen, viel getrunken und viele Gäste gehabt. Das alte Weib erfüllte ihr die Bitte und kam.

Sie legte sich in das Bett der Frau; der Mann ist betrunken und weiß nicht, ob da seine Frau liegt oder eine andere. Er nahm dicke Stricke und los! - schlägt auf das Weib ein. Das alte Weib schreit, dass sie nicht seine Frau ist, doch er schlägt immer weiter. »So«, sagt er, »du Hexe! Auch deine Stimme verstellst du noch!« Er schnitt dem Weibe den Zopf ab, legte ihn unter sein Kopfkissen und legte sich selber hin.

Die Hausfrau ging zu dem alten Weiblein: »Mein Mann ist wirklich verrückt geworden!« Sie bezahlte gut. Die Prügel, ja die Prügel hast du zwar bekommen, was ist da zu machen - geh nur ruhig nach Hause.

Sie zog heimlich den Zopf unter dem Kopfkissen hervor und gab ihn der Alten. Darauf ging sie in den Stall und schnitt der Stute den Schwanz ab. Dann ergriff sie einen guten Stock und schlug die Stute so lange, bis die ganz wild geworden war. Den Schwanz nahm sie mit und legte ihn ihrem Manne unters Kopfkissen. Bis sie mit allem fertig war, fing es auch schon zu dämmern an.

Der Mann ist aufgewacht. Die Frau ist also schon aufgestanden und heizt den Ofen! Er beobachtet sie heimlich und denkt: Na, nun habe ich sie so verprügelt - aber keine Spur davon, dass sie zusammengeschlagen wurde! Und er fragt: »Liebe Seele, tut dir nicht irgend etwas weh?«

»Was soll mir denn wehtun? Nichts, Gott sei Dank.« - Er aber sagt: »Ich habe dich doch verprügelt!«

»Na, und wofür hast du mich geschlagen?«

»Na, doch für diese Schlammpeizger!«

»Bist du im Kopf nicht richtig? Der Pfarrer war da, dein Bruder war da! Bekreuzige dich und gib Ruhe mit diesen Schlammpeizgern!«

»Ich sage dir, ich habe dir doch auch den Zopf abgeschnitten!«

»Na, sieh doch mal nach, ob du meinen Zopf abgeschnitten hast!«

Er sieht nach - der Schwanz der Stute!

»Na«, sagt er, »da bin ich wohl wirklich nicht richtig im Kopfe!« Er ging in den Stall - die Stute ist noch ganz wild, sie lässt niemanden heran. Da versöhnten sich die beiden, sprachen hinfort nicht mehr von den Schlammpeizgern und lebten gut und in Frieden miteinander.