[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Die in eine Schlange verwandelte Prinzessin

Es war einmal ein Mann, der hatte drei Söhne: zwei von ihnen waren klug, der dritte war ein Dummling. Einmal rief er die drei Söhne zu sich und sagte: »Ich bin schon alt, darum will ich vor meinem Tode einem von euch den Hof übergeben. Zieht nun hinaus in die Welt. Ich gebe euch ein Jahr Zeit, und wer von euch mir das schönste Tüchlein mit nach Hause bringt, dem gebe ich den Hof.«

Die Söhne zogen auch wirklich hinaus in die Welt. Zuerst gingen alle drei miteinander, doch im Walde blieb der Dummling mit offenem Munde stehen, begaffte irgendetwas und blieb so hinter den Brüdern zurück. Die Brüder wiederum merkten gar nichts davon. So zog er denn allein weiter.

Er ging und ging und kam schließlich zu einer Höhle. Und er kroch hinein in die Höhle - ein Dummkopf denkt doch an nichts! Er kroch immer tiefer und tiefer in die Erde und kam am Ende an eine Tür. Er öffnet die Tür, er schaut - ein reiches, prächtiges Gemach. Er geht hinein - da ist eine weitere Tür zu einem anderen Zimmer. Er tritt heran, öffnet die Tür, er sieht - ein noch schöneres Gemach, es strahlt von prächtigem Schmuck. Mitten auf dem gestampften Lehmboden steht ein Stuhl, und auf diesem Stuhl liegt eine zusammengeringelte Schlange.

Der Dummling erschrak, als er die Schlange erblickte. Er wollte sich schon davonmachen, doch die Schlange bewegte sich und begann mit menschlicher Stimme zu sprechen: »Wer ist hier eingetreten, und was begehrt er?« Obwohl der Dummling recht erschrocken war, erzählte er der Schlange, dass sein Vater die drei Brüder in die Welt geschickt hatte, schöne Tücher heimzubringen. Wer das schönste bringe, der werde den Hof erhalten. »Wenn du willst, diene ein Jahr bei mir. Jeden Tag musst du einmal den Ofen heizen und mich einmal baden. Zu essen bekommst du, was du nur möchtest. Am Ende des Jahres gebe ich dir ein wunderschönes Tüchlein.« Der Dummling denkt: Warum soll ich dann noch anderswo hingehen? Er willigte ein, bei der Schlange zu bleiben. Jeden Tag heizte er den Ofen und badete die Schlange. Zu essen hatte er, was er nur wünschte. So diente er das ganze Jahr über.

Als das Jahr dann um war, sagte die Schlange zum Dummling: »Geh jetzt in den Vorratsspeicher, du findest dort drei Kästen. Im ersten Raum an der Tür findest du an einem Holzhaken drei Schlüssel. Nimm den ersten und schließe damit den ersten Kasten auf. Darin findest du allerlei schöne Tücher - suche dir aus, welches du willst.« Der Dumme nahm den Schlüssel vom Haken, ging in den Vorratsspeicher, Schloss den ersten Kasten auf und fand ihn voller schöner und allerschönster Tücher. Er nahm von oben das erste beste, sagte der Schlange Lebewohl und machte sich auf den Heimweg.

Seine Brüder waren schon lange zu Hause. Sie hatten bei einem wohlhabenden Bauern im Dienst gestanden, und für den erhaltenen Lohn hatte jeder ein seidenes Tüchlein gekauft. Als sie den Dummen heimkehren sahen, schauten die Brüder durchs Fenster und lachten: »Wir werden ja sehen, was der für einen alten Lappen aus der Tasche ziehen wird!«

Der Dummling trat ins Haus und breitete sein schönes Tüchlein aus - da wurde es hell bis in alle Winkel, so schön war es! Sogleich zeigten auch die Brüder ihre Tüchlein, doch die waren wie alte Lappen neben dem kostbaren Tuch des Dummlings. So muss nun eigentlich dem Dummling der Hof zufallen, doch dem will der Vater den Hof nicht geben. Aufs Neue schickt er die Söhne in die Welt: Fingerringe sollen sie heimbringen, und wessen Ring der schönste ist, dem versprach er den Hof.

Wieder ziehen die Brüder in die Welt hinaus. Die beiden Klugen passen jetzt aber auf, dass sie sich nicht von dem Dummling trennen, sie wollen mit ihm zusammen gehen.

Doch der Dumme will das nicht.

Kaum waren sie in den Wald gekommen, da lief der Dummling ihnen auch schon davon. Als er die Höhle gefunden hatte, kroch er wieder hinein. Sowie er das Zimmer betrat, fragte die Schlange wieder: »Wer ist hier eingetreten, und was begehrt er?« Der Dumme erzählte ausführlich, warum er hergekommen war. Darauf sagte die Schlange: »Diene ein Jahr bei mir. Heize zweimal am Tag den Ofen und bade mich ebenso oft. Ich werde dir einen schönen Ring geben.«

Der Dumme übernahm es, der Schlange zu dienen; er tat alles, was er zu tun hatte. Als das Jahr vergangen war, sagte die Schlange: »Nimm nun den zweiten Schlüssel vom Haken, geh in den Vorratsspeicher und schließe den zweiten Kasten auf. Dort wirst du Ringe finden. Such dir einen aus, der dir gefällt.« Der Dummling nahm den Schlüssel, ging in den Vorratsspeicher, Schloss den Kasten auf - er fand ihn voll von schönen und allerschönsten Ringen. Und der Speicherraum wird hell von ihrem Glanz. Er nahm von oben einen Ring, verabschiedete sich von der Schlange und machte sich auf den Heimweg.

Seine Brüder waren schon heimgekommen. Sie hatten jeder einen goldenen Ring mitgebracht und warteten ungeduldig auf die Rückkehr des Dummen. Wie würde wohl sein Ring aussehen? Doch sicherlich nicht so schön wie damals das Tüchlein. Der Dumme kam nach Hause, zog seinen Ring hervor und zeigte ihn. Da wurde das ganze Haus hell - so schön, so glänzend war er. Die Brüder wiesen ihre Ringe vor, doch o weh!, sie waren mit jenem Ring nicht zu vergleichen. Der Ring des Dummen war der allerschönste. Der Vater muss dem Dummling jetzt den Hof übergeben, doch das will er durchaus nicht - und basta. Er schickt die Söhne noch einmal in die Welt. Jeder soll ein junges Mädchen mitbringen, und wessen Mädchen das schönste ist, der bekommt den Hof.

Und wieder zogen alle hinaus in die Welt. Die klugen Brüder folgten wiederum dem Dummling, auch sie wollten unbedingt dorthin gehen, wohin er ging. Doch kaum waren sie in den Wald gekommen, da lief der Dumme ihnen davon und ließ sie mit offenen Mäulern stehen. Und als er seine Höhle gefunden hatte, kroch er hinein und ging in das Gemach. Die Schlange fragte: »Wer ist hier eingetreten, und was begehrt er?«

Der Dummling erzählte, dass der Vater sie in die Welt hinausgeschickt und jedem geboten habe, ein junges Mädchen heimzubringen, und wessen Mädchen das schönste sei, der bekomme den Hof. »Diene ein Jahr bei mir«, sagte die Schlange. »Dreimal jeden Tag sollst du den Ofen heizen, dreimal jeden Tag sollst du mich baden, und am Ende des Jahres bekommst du ein junges Mädchen.« Na, der Dumme übernahm es gern, bei der Schlange zubleiben, und tat das ganze Jahr über alles, was er zu tun hatte.

Als das Jahr vergangen war, sagte die Schlange: »Jetzt heize den Ofen so stark, dass er rot glüht.« Der Dummling heizte ihn bis zur Rotglut. »Und nun«, sagte die Schlange, »bade mich besonders sorgfältig und wirf mich dann in den Ofen, doch selbst laufe, so schnell du kannst, aus dem Zimmer, ohne dich einmal umzusehen.«

Der Dummling badete die Schlange besonders sorgfältig. Jetzt soll er sie hineinwerfen - ihm bricht das Herz vor Leid. Wer wird ihm ein junges Mädchen geben, wenn er die Schlange verbrennt? Doch andererseits - wenn er nicht gehorcht, wird er auch keine bekommen. Heulend trug er die Schlange zum Ofen und warf sie hinein, und dann lief er so schnell wie möglich ins andere Zimmer. Doch er fühlte im Herzen ein so gewaltiges Weh, dass er von diesem Schmerz ohnmächtig wurde. Als er nach einer Stunde erwachte und zu sich kam, sah er eine schöne Jungfrau, die neben ihm kniete und ihn anschaute. »Bist du schon wach geworden? Ich warte schon lange auf dich. Ich bin das junge Mädchen, das ich dir zu geben versprach«, sagte sie.

Der Dummling sprang auf, schaute sich um. Alles ist jetzt anders! Er selbst hat sich in einen schönen Jüngling verwandelt, der Palast ist auf die Erdoberfläche emporgestiegen, und auf dem Hof sind Diener in großer Zahl. Die Prinzessin, sein junges Mädchen, erzählte ihm, dass dieser Palast mit allen Menschen darin verwunschen worden war. Doch jetzt ist der Zauber gelöst, und der Palast mit allen Schätzen und dem ganzen Königreich gehört ihnen beiden.

Der Dummling ließ die Pferde anspannen, nahm seine Prinzessin und - auf zum Vater! Sie flogen nur so dahin. Am Hause des Vaters sprangen beide aus der Kutsche und gingen hinein. Der Vater erschrak, als er so vornehme Herrschaften hereinkommen sah. Da sagte der Dummling: »Erkennst du mich denn nicht mehr, liebes Väterchen, mich, deinen dummen Sohn? Ich habe ein junges Mädchen heimgebracht.« Nun war der Vater noch heftiger erschrocken - er bat und flehte, der Sohn möge nicht böse sein, dass er ihm den Hof so lange nicht gegeben hätte. Doch der Sohn sagt: »Liebes Väterchen, ich brauche deinen Hof nicht mehr. Lebe du selbst darin, ich habe ohnehin das ganze Königreich!« Er lud seine Brüder mit ihren Jungfern ein, zu ihm zu kommen und sein Königreich anzusehen. Sie fuhren auch sofort hin. Der Dummling heiratete seine Prinzessin und veranstaltete einen großen Festschmaus.

Auch ich fuhr dorthin. Ich hatte ein Pferd aus einer Möhre, einen Wagen aus einer Kohlrübe, einen Hut aus Wachs, Kleider aus Papier, Handschuhe aus Honig, Stiefelchen aus Glas. Ich fahre hin - schon viele Gäste sind dort zusammengekommen. Als ich an der Treppe vorgefahren war, wollte ich einen Ulk machen: Ich springe sozusagen behände und zierlich aus meinem Wägelchen - klirr! - meine Stiefelchen auf die Pflastersteine und in Scherben. Ich ging hinein - wie fingen da die jungen Mädchen an, mich zu begrüßen und mir die Hand zu küssen! Mit ihrer Küsserei leckten sie mir die Handschuhe ab. Ich legte meinen Hut auf den Ofen, denn die jungen Mädchen führten mich zum Tanz. Wie ich so tanze, sehe ich, dass es draußen regnet, und - sieh da! - ein Schwein zerreißt mir mein Wägelchen! Ich lasse den Tanz Tanz sein und laufe hinaus, das Schwein zu vertreiben. Ich greife nach meinem Hut - er ist völlig zerflossen. Ich laufe ohne Hut nach draußen, doch ehe ich hinauskomme, ist das Schwein schon mit meinem Wägelchen fertig. Wie ich mich draußen so herumdrehe, durchweicht der Regen alle meine Kleider. Wieder hineinzugehen, war für einen Nackten wie mich unanständig. Ich sehe - im Hausflur in der Ecke liegt Werg. Da umwickelte ich mich ganz mit dem Werg und schlief ein. In der Nacht wurden die Festgäste so verrückt, dass sie auf den Gedanken kamen, mit Kanonen zu schießen. Sie nahmen das Werg zum Verstopfen aus der Ecke, wo ich lag. Mit dem Werg stopften sie auch mich in eine Kanone und schossen mich hinaus. Und sie schossen mich heim an diesen Ort, damit ich euch Märchen erzählen kann!