[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Die Geschenke des Frostes

Es waren einmal ein Greis und eine Greisin. Die Alte war aber nicht gesund: sie hustete in einem fort und konnte keinerlei Arbeit verrichten. Deshalb liebte der Greis sie nicht, und er hoffte von Tag zu Tag, dass sie endlich sterben möchte. Doch die Greisin dachte gar nicht daran zu sterben, sie hielt sich und quälte sich immer so weiter. Als der Greis sah, dass sie nicht starb, packte er sie, warf sie, nur mit einem Hemd bekleidet, in den Schlitten, fuhr mit ihr in den Wald, warf sie auf einem Berge hinaus und fuhr einfach wieder nach Hause. Und es friert, friert, dass es nur so knackt! Die Alte schmiegt sich an einen Stein, sitzt und wartet auf den Tod.

Sie sieht, dass sie erfrieren muss.

Wie sie da so saß, kam ein furchtbar großer Herr und fragt die Greisin: »Nun, wie ist's - friert es, Weiblein?«

»Es friert, lieber Herr, wie sollte es nicht frieren? Es ist ja jetzt die Zeit dafür, soll es nur ordentlich frieren!« Da wandte sich der Herr und ging weiter. Doch inzwischen hatte die Kälte etwas nachgelassen. Nach kurzer Zeit kommt derselbe Herr wieder, doch er war schon viel kleiner. Er brachte einen Schafspelz, Stiefel, ein Kopftuch und einen halben Laib Käse, und wieder fragt er die Alte: »Friert es. Weiblein?« Die Alte antwortete: »Es friert, lieber Herr, das muss es ja, es ist die Zeit dafür; soll es ordentlich frieren!« Da zog der Herr der Alten den Schafspelz und die Stiefel an, band ihr das Kopftuch um, reichte ihr den halben Käse und gebot ihr zu essen, doch selbst ging er wieder fort.

Die Kälte hatte schon fast ganz aufgehört. Da wurde der Alten warm. Sie sitzt still für sich an den Steinen und isst Käse.

Nicht lange darauf sah sie, dass jemand in einer schönen Kutsche angefahren kommt, die mit vier Pferden bespannt war. Als die Kutsche nahe herangekommen war, erkannte sie ihn wieder: es war jener Herr, doch nun war er schon ganz klein geworden. Als er herangekommen war, fragte er: »Friert es, Weiblein?«

»Es friert, lieber Herr, warum sollte es nicht frieren? Das muss es doch, es ist die Zeit dafür; soll es ordentlich frieren!« Darauf stieg der Herr aus der Kutsche, setzte die Alte hinein, gab ihr einen großen Sack voller Geld und gebot ihr, nach Hause zu fahren.

Da fuhr die Alte nach Hause. Der Greis sah, dass jemand mit einem Kutschwagen auf seinen Hof gefahren kommt. Er meinte, dass irgendein Herr gekommen ist, um ihn zu verprügeln, weil er die Alte hat zu Tode frieren lassen. Er lief eilig aus der Hütte, um ihn ohne Mütze zu empfangen, doch da sieht er, dass in der Kutsche seine Alte sitzt und einen großen Sack voll Geld hat.

Jetzt versöhnte sich der Greis mit der Alten, und sie lebten hinfort in Eintracht miteinander.

Nicht weit von ihnen in der Nachbarschaft lebte ein anderer Greis. Als er von dieser Sache hörte, besprach er sich mit seiner Frau, dass sie den Frost betrügen wollen. Obwohl beide zuvor in großer Eintracht lebten, fing der Greis jetzt absichtlich an, die Alte zu hassen, und als die Kälte gekommen war, fuhr er die Alte auf den Berg und ließ sie da, nur mit einem Hemd bekleidet. Und es friert, dass es kracht und die Zäune bersten!

Da kommt ein sehr großer Herr und fragt die Alte: »Nun, wie ist's - friert es, Weiblein?« Die Alte erhob die froststarren Augen und begann, obwohl sie die steife Zunge kaum rühren konnte, zu fluchen und sagte: »Fort mit dir, du Verfluchter, dass dich doch das Donnerwetter erschlagen möchte!« Der Herr wandte sich und ging fort. Doch mittlerweile begann es noch stärker zu frieren. Nach kurzer Zeit kommt derselbe Herr wieder, doch er war jetzt noch viel größer, und fragt die Alte: »Friert es, Weiblein?« Doch wie zuvor verfluchte ihn die Alte und schrie nur in einem fort, dass ihn das Donnerwetter erschlagen möchte. Denn, siehst du, sie glaubte, dass der Herr hier lauert, um an ihr Geld zu kommen, das sie erwartete. Wie sie da so saß und wetterte, erstarrte sie schließlich. Da steckte der Frost sie in den großen Sack, legte sie in einen Trog, spannte ein Schwein davor und fuhr sie zur Hütte des Greises.

Als der Alte sah, dass jemand angefahren kommt, lief er voller Freude zum Empfang hinaus, doch als er gesehen hatte, dass sie nicht mit Pferden in einer Kutsche kam, sondern mit einem Schwein in einem Trog, wurde der Alte traurig. Aber als er sah, dass in dem Trog ein großer Sack lag, vergaß er, dass doch die Alte nicht zu sehen war, und stürzte sich mit Freude auf den Sack, denn er glaubte, das wäre der Sack voller Geld. Er bindet ihn auf und sieht: das ist seine Alte, völlig erstarrt.

Das war also die Lehre, die der Greis für seine Gier nach Geld erhielt.