[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Die drei Weisen

Es war einmal ein Bauer, der war zum Heiraten zwar schon alt genug, hatte sich aber bisher noch nicht nach einer Frau umgeschaut. Eines Tages sattelte er sein Pferd und ritt zum Haus eines Nachbarn, der eine Tochter hatte. Er wollte sehen, ob sie ihm gefiel. Der Hausherr bat den Mann einzutreten und setzte ihm Speise und Trank vor. Dabei erblickte der Heiratslustige die Tochter und dachte, sie wäre für ihn die passende Frau. Er sagte deshalb zu ihrem Vater: »Ich glaube, es ist für mich Zeit zum Heiraten, und ich sehe mich nach einer Frau um.«

Das erzählte der Bauer seiner Bäuerin. Die sagte ihrer Tochter, sie solle eilends das Haus in Ordnung bringen, denn ein Freier wäre gekommen. Die Tochter wollte gern zeigen; wie anstellig sie war. Als erstes fiel ihr ein, Feuer zu machen. Schnell lief sie aus dem Haus und zu dem hoch aufgeschichteten Torfstoß.

Während sie sich bückte und ihre Schürze mit Torfstücken füllte, fiel ihr von der Spitze des Stapels ein Haufen Torf auf Kopf und Schultern. Da dachte sie: O weh, o weh! Wäre ich mit diesem Mann verheiratet, würde ich jetzt vielleicht gerade Mutter werden. Fielen mir nun diese Torfstücke auf den Kopf, müsste ich und meine gesamte Nachkommenschaft wahrscheinlich sterben. Sie fing an zu weinen, setzte sich nieder und klagte und schluchzte.

Da die Tochter lange ausblieb, ging die Mutter hinaus und fand das Mädchen, wie sie neben dem Torfstoß saß und weinte. »Was hast du denn?« fragte sie. »Oh, Mutter«, schluchzte die Tochter, »Torfstücke fielen mir auf den Kopf. Da dachte ich, wenn ich mit diesem Mann verheiratet wäre und vielleicht gerade Mutter werden sollte, wäre ich jetzt hin und all meine Nachkommenschaft dazu.« Die Mutter erwiderte: »Sehr recht hast du, meine Tochter, nur allzu recht hast du.« Und sie setzte sich hin und weinte ebenfalls.

Dann wurde es dem Vater kalt. Er ging hinaus, um zu sehen, was die Frauen trieben. Als er sie fand, erzählte ihm seine Frau: »Unsrer Tochter sind Torfstücke auf den Kopf gefallen. Stell dir vor, sie wäre mit diesem Mann verheiratet, wie leicht hätte sie jetzt hin sein können und all ihre Nachkommenschaft dazu.«

»Das wäre wirklich sehr traurig«, sagte der Bauer und fing ebenfalls zu heulen an.

Schließlich ging der Mann, der auf Brautschau war, hinaus und fand alle drei weinend neben dem Torfstoß sitzen. Sie erzählten ihm, warum sie so sehr klagten, und er sagte: »Nehmt euch das nicht zu Herzen. Es kann sein, dass ein solches Unglück niemals eintritt. Geht ins Haus und hört auf zu weinen.« Danach sattelte er sein Pferd und ritt heim.

Auf dem Weg dachte er: Was für ein Narr bin ich doch, dass ich mein Leben lang zu Haus sitze. Von der Welt weiß ich nicht mehr als ein Holzklotz. Ich verstehe Korn anzupflanzen, aber das ist auch alles. Ich will ausziehen und mich umschauen, und ich werde nicht eher zurückkehren, bis ich drei Menschen gefunden habe, die ebenso weise sind, wie diese drei hier dumm sind. Zu Haus ordnete er seine Angelegenheiten und bestieg sein Pferd. So manchen. Tag reiste er in ganz Schottland umher, im Flachland und im Hochland, und in fremden Ländern und lernte viel dazu.

Eines schönes Abends gelangte er zu einer grünen Wiese, die an einem Fluss lag. Dort standen drei alte Männer beisammen. Sie trugen lange Mäntel, kurze Hosen, einen breiten Gürtel um die Mitte, Mützen auf dem Kopf und sahen einander ähnlich. Der Reiter grüßte, aber die drei antworteten ihm mit keinem Wort. Sie sahen ihn nur an. Dann neigten sie langsam die Köpfe einander zu und blieben mit gebeugtem Nacken zehn Minuten lang stehen.

Endlich blickten sie hoch, und einer von ihnen sprach zu ihm: »Wenn ich das draußen hätte, was ich drinnen habe, würde ich dich für diese Nacht aufnehmen.« Darauf sprach der zweite: »Wenn getan wäre, was nicht getan ist, würde ich dich für diese Nacht aufnehmen.« Und der dritte sprach: »Ich habe nicht mehr, als was ich gewöhnlich habe, darum komm mit mir.« Der Bauer folgte dem alten Mann ins Haus, begriff aber nicht, was all das bedeutete.

Im Haus staunte er noch mehr; denn sein Wirt bot ihm keinen Willkommenstrunk an. Stattdessen musste er ihm genau über seine Reise berichten. Dann sagte der Alte: »Schneller ist ein Trunk als eine Erzählung«, dazu lachte er und schlug auf den Tisch. Herein kam eine schöne Frau und reichte dem Gast ein großes Glas gutes Bier. Er trank es und dachte bei sich: Wenn ich diese Frau zum Eheweib hätte, wäre ich weit besser dran als mit der, die ich weinend am Torfstoß zurückließ. Wieder lachte der Alte und sprach: »Wenn zwei einverstanden wären, ginge es.« Der Bauer wunderte sich, dass der alte Mann seine Gedanken erraten konnte, hütete jedoch seine Zunge.

Abermals schlug der Alte auf den Tisch, und herein kam ein Mädchen. Da dachte der Gast: Wenn ich dieses Mädchen zur Frau hätte, wäre ich weit besser dran als mit dem, das ich heulend am Torfstoß zurückließ. Der alte Mann lachte wiederum kurz auf und sagte: »Wenn drei einverstanden wären, ginge vielleicht auch das.« Das Mädchen setzte einen kleinen Topf aufs Feuer. Der Bauer betrachtete ihn und dachte: Dieser Mann muss eine sehr kleine Familie haben. »Ach«, sagte da der Alte, »es wird schon reichen.«

»Aber jetzt«, sprach der Bauer und erhob sich, »möchte ich wissen, was dein seltsames Benehmen und deine seltsamen Worte bedeuten. Ich will in diesem Haus nicht eher etwas essen, bevor du sie mir nicht erklärt hast. Nach meinem Gruß draußen auf der Wiese senktet ihr die Köpfe und gabt mir erst zehn Minuten später eine Antwort. Als ihr dann endlich redetet, verstand ich euch nicht, und jetzt errätst du sogar meine Gedanken.«

Darauf entgegnete der Alte: »Setz dich wieder. Du sollst alles erfahren. Unser Vater war ein weiser Mann. Erst lange nach seinem Tode begriffen wir, wie weise er war. Wir drei Brüder erbten diesen hübschen Platz, den wir gemeinsam besitzen, und noch vieles andre dazu. Als unser Vater im Sterben lag, mussten wir ihm schwören, dass wir über wichtige Angelegenheiten nur im Flüsterton miteinander reden. Wir sahen dich auf die Wiese kommen. Da haben wir den Kopf gesenkt und miteinander geflüstert, wie wir es immer tun. Denn wenn man flüstert, kann man nicht streiten, und darum zanken wir uns auch nie. Meinem ersten Bruder ist grade die Schwiegermutter gestorben, und er wollte nicht einen Fremden ins Trauerhaus bitten. Morgen wird die Frau begraben. ›Wenn das draußen wäre, was jetzt drin ist‹, so sagte er, ›hätte er dich für die Nacht aufgenommen.‹ Die Frau von meinem zweiten Bruder ist sehr faul. Er muss sie immer erst tüchtig ausschelten. Danach ist sie wie alle Frauen und ein gutes Eheweib. Er hat es nicht gern, wenn ein Fremder hört, wie er mit ihr schimpft, weiß aber, dass sie ohne heftigen Tadel nichts tut. ›Wenn getan wäre, was nicht getan ist‹, sprach mein zweiter Bruder, ›hätte er dich für die Nacht aufgenommen.‹ Ich hingegen hatte nichts andres vor als sonst. Da du mir deine Neuigkeiten berichtet hattest, wusste ich, was du dachtest, als meine Frau hereinkam. Nämlich: Wenn ich tot wäre und du und sie wären einverstanden, könntet ihr heiraten. Danach: Wenn ich und du und meine Tochter einverstanden wären, könntet vielleicht auch ihr heiraten. Nun«, setzte der Alte fort, »lang zu. Der Topf ist zwar klein, doch wird es für uns beide reichen, denn meine Familie isst draußen.«

Am nächsten Morgen sprach der Alte: »Ich muss zur Beerdigung ins Haus meines Bruders. Du bleibe indessen hier.« Der Bauer aber erwiderte: »Ich möchte nicht im Haus eines Mannes verweilen, wenn er fort ist. Deshalb will ich mit dir zur Beerdigung gehen.« Als sie heimkamen, wohnte der Bauer einige Zeit im Haus des Alten. Er heiratete die Tochter und erhielt einen guten Anteil am Besitz der Familie. Da kann man mit Recht sagen, dass der Torfstoß dem Bauern Glück gebracht hat.