[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Die drei Königssöhne

Es war ein König, der hatte drei Söhne, zwei von ihnen waren klug, doch der dritte war ein Dummkopf. Da gab es in einem Königreich einen Vogel, wenn der zu singen anfing, so konnte man das noch im dritten Königreich hören. Nun sagt der alte König: »Kinder, ich gebe euch beiden Geld, fahrt hin und kauft den Vogel.« Er gab ihnen eine gehörige Menge Geld, und die beiden Klugen ritten los. Wie sie so ritten, kamen sie an eine Schenke, in dieser Schenke blieben sie zur Nacht. Der Schankwirt hatte eine sehr schöne Tochter. Diese Tochter sagt: »Ihr Königssöhne, wollen wir nicht Karten spielen?« Sie antworten: »Ja, wir wollen Karten spielen, dann ist es nicht so langweilig.« Sie fingen an, Karten zu spielen, doch die Tochter des Schankwirts gewann immer wieder, so dass sie ihr ganzes Geld, ihre Pferde und schließlich auch sich selbst verspielten und Sklaven jenes Schankwirts wurden.

Nachdem die klugen Brüder fort geritten waren, bittet auch der Dummkopf, der Vater möge ihn reiten lassen. Der Vater denkt nach und sagt: »Du darfst reiten. Da ist so eine alte Schindmähre, die ist gerade gut für dich zum Reiten.«

»Aber gebt mir doch wenigstens zwei kleine Laibe Weißkäse mit auf den Weg.« Er gab ihm zwei Laibe Weißkäse, und der Dummkopf ritt los. Er reitet denselben Weg, den seine Brüder gezogen sind. Er kommt zu dem Schankwirt geritten, er sieht: da sitzen seine Brüder, alles haben sie verspielt, die Kleider sind zerrissen. Er schaute sie nur kurz an und ritt dann weiter.

Als er schon ein Stückchen geritten war, wandte er sich um. Da sieht er - ein Wolf läuft hinter ihm her und fletscht die Zähne. Da wirft der Dummkopf ihm immer ein Stückchen Weißkäse auf den Weg; das frisst er auf und fletscht dann wieder die Zähne. Da wirft er wieder ein Stück hin. Aber bald hat er beide Laibe Weißkäse an den Wolf verfüttert. Und als er alles verfüttert hatte, bat er den Wolf, er möge ihn in jenes Königreich tragen, wo der wunderbare Vogel ist. Da sagt der Wolf: »Gib mir deine Stute zum Fressen, dann werde ich dich hintragen.« Er gab dem Wolf die Stute, und der fraß sie auf. »Jetzt«, sagt der Wolf, »sitze bei mir auf!« Der Dummkopf stieg auf, und der Wolf trug ihn sofort dahin, wo der Vogel war.

Da sagt der Wolf: »Ich bleibe hier hinter dem Herrenhaus, und du geh zu dem Vogel. Du wirst den Vogel finden und zwei Käfige - einer davon ist schön, der andere ist hässlich. Nimm nur den hässlichen!« Er ging hin und sah - der Vogel ist schön, doch der Käfig ist noch schöner. Er nimmt den Vogel und den schönen Käfig. Sofort begann der Käfig zu tönen und der Vogel zu singen - die Wächter wachten auf und ergriffen den Dummkopf.

Da sagte der Herr: »Wenn du ein so guter Dieb bist, dann stiehl doch das Wunderpferd - es ist in dem und dem Königreich. Wenn es anfängt zu wiehern, dann fliegen die Schindeln von den Dächern, und wenn es frisst, dann sprühen aus seinem Rachen Funken. Bring mir also jenes Pferd her, und ich gebe dir diesen Vogel.«

Er ging zum Wolf. Der Wolf fragt: »Na, was ist, hast du den Vogel gestohlen?« Er antwortet: »Sie haben mich ertappt.« Und er erzählte dem Wolf, was ihm der Herr gesagt hatte. Da sagt der Wolf: »Er soll mir einen Sack voll Fleisch geben, dann trage ich dich dorthin.« Da gab der Herr ihm einen Sack voll Fleisch, der Wolf fraß es auf, der Dumme saß auf, und der Wolf trug ihn dorthin, wo das Pferd war.

Da sagt der Wolf: »Wenn du zu dem Pferd hingehst - die Wächter schlafen jetzt -, so nimm ja nicht die Zügel, denn sowie du die Zügel anrührst, werden sie dich ertappen.« Er ging hin und sah, dass das Pferd schön war und die Zügel noch schöner. Da nahm er auch die Zügel. Die Zügel begannen zu klirren, das Pferd zu wiehern, die Wächter erwachten und ergriffen ihn.

Da sagt jener Herr: »Wenn du ein so guter Dieb bist, so stiehl die Jungfrau, die auf den Wassern des Meeres lebt - die Sonne hat sie auf der Stirn und den Mond am Hinterhaupt. Wenn du mir die also bringst, dann gebe ich dir dieses Pferd.« Da sagt der Dummkopf: »Gebt mir einen Sack voll Fleisch, dann werde ich die Jungfrau herbringen.« Er gab ihm einen Sack voll Fleisch. Der Dummkopf brachte das Fleisch dem Wolf, und der Wolf sagt: »Sieh an, du hast mir nicht gehorcht und konntest das Pferd nicht stehlen!« Da erzählte der Dummkopf alles von der Jungfrau, und der Wolf sagt, nachdem er das Fleisch aufgefressen hat: »Sitze bei mir auf, ich werde dich dorthin bringen.« Er ritt zum Meere und schwamm hinüber zu der Insel, wo die Jungfrau wohnte.

Da sagt der Wolf: »Breite hier auf der Erde ein kleines Tuch aus.« Der Dummkopf breitete ein Tüchlein aus. Aus dem Tüchlein wurde ein großer Kramladen mit allerlei nie gesehenen Dingen. Da kam die Dienerin der Jungfrau, um etwas zu kaufen, doch er verkaufte ihr nichts. Sie kam nach Hause und erzählte, dass dort ein neuer Kramladen ist, der Krämer ihr aber nichts verkauft. »Na, was ist denn das für ein Krämer, wenn er nichts verkaufen will?« Sie ging zu dem Kramladen, um selbst nachzusehen. Er fing an, ihr allerlei Sachen zu zeigen, doch der Wolf packt einen Zipfel des Tüchleins und zieht es fort. Die Jungfrau glaubt, sie steht im Laden, doch der Wolf hat sie schon über das Meer gezogen.

Als die Jungfrau sah, dass sie schon am Ufer des Meeres stand, da wurde sie böse und gab ihm eine Ohrfeige. Sowie sie ihm die Ohrfeige versetzte, wurde der Dummkopf zu Stein. Der Wolf sah, dass er zu Stein geworden war, und sagt: »Verwandle ihn wieder in einen Menschen zurück, sonst fresse ich dich auf!« Die Jungfrau gab ihm zum zweiten Male eine Ohrfeige - und der Dummkopf wurde wieder ein Mensch. Jetzt trug der Wolf beide in jenes Königreich, wo das Pferd war. Die Jungfrau ließ der Dummkopf hinter den Gebäuden, doch der Wolf verwandelte sich in ebensolche Jungfrau, und der Dumme brachte sie zu dem Herrn. Der Herr gab ihm das Wunderpferd und außerdem noch ein paar Pferde und eine Kutsche, doch den Wolf Schloss er in einem Gemach ein. Der Dummkopf aber fuhr mit der Jungfrau fort. Am anderen Morgen geht der Herr, um die Jungfrau anzusehen. Als er kaum die Tür aufgemacht hatte, lief der Wolf zwischen seinen Füßen durch und hinaus. Da sagt der Herr: »Sieh da, der Wolf hat die Jungfrau aufgefressen und ist weggelaufen!«

Doch der Wolf holte den Dummkopf alsbald ein. Der fuhr zu dem Herrn, der den Vogel hatte. Dort verwandelte sich der Wolf wiederum: in ein ebensolches Pferd. Als ihn der Dummkopf zu dem Herrn brachte, gab ihm der Herr den Vogel, den Wolf aber stellte er in den Pferdestall. Aber der Dummkopf hat nun schon die Jungfrau, das Pferd und den Vogel und ist bereits auf dem Weg in sein Königreich. Am andern Morgen kam der Herr, um das Pferd zu füttern. Doch kaum hatte er die Tür aufgemacht, lief ihm der Wolf zwischen den Füßen durch davon. Da schreit der Herr: »Der Wolf hat das Pferd gefressen und läuft weg!« Und der Wolf lief, was er konnte, davon.

Er holte den Dummkopf ein und sagt: »Ich habe nun schon alles für dich zu einem guten Ende gebracht, jetzt werde ich nicht mehr mit dir gehen. Fahr du deines Weges nach Hause, doch mache nirgendwo in einer Schenke halt!« Der Dummkopf dankte dem Wolf für seine Mühe und fuhr weiter. Er kam an dieselbe Schenke gefahren, in der seine zwei Brüder waren. Er übernachtete dort, und die Tochter des Schankwirts fordert am Abend diesmal die Jungfrau auf, Karten zu spielen. Sie sagt: »Wir können uns ein wenig vergnügen.« Da fingen beide an, Karten zu spielen, und die Tochter des Schankwirts verspielte alles, was sie nur hatte; auch die beiden Königssöhne gewann die Jungfrau zurück. Sie übernachteten und fahren nun schon alle zum Königreich seines Vaters.

Sie fahren durch einen Wald, da packten die Brüder den Dummkopf, schlugen ihn tot und hackten ihn in Stücke. Die Jungfrau aber hatte so großes Mitleid mit dem Dummkopf und weinte, dass ihr die diamantenen Tränen nur so herab fielen, als wenn man Erbsen ausschüttet. Doch die Brüder befahlen der Jungfrau, sie solle sagen, dass alles nur sie beide vollbracht hätten: »Und wenn du das nicht sagst, dann werden wir dich umbringen, so wie wir ihn umgebracht haben!« Sie kamen heimgefahren, zum Hofe ihres Vaters. (Ja, richtig: die Jungfrau hatte, als sie den Dummkopf in Stücke zerhackt hatten, die Teile seines Leibes in ihr Tuch gebunden und an dem Ast eines Baumes aufgehängt.) Als sie so zu Hause ankamen, da war die Jungfrau traurig und schweigsam, ebenso das Pferd und der Vogel.

Nach einigen Tagen kommt der Wolf angelaufen. Er roch, dass es stinkt. Er schaut: da an dem Ast hängt etwas. Er nahm das Bündel herab, reißt es auf und sieht, dass der Dummkopf erschlagen und in Stücke gehackt ist. Dort fliegen aber Schwalben umher. Der Wolf schnappte sofort eine, eine zweite und drehte ihnen den Hals um. Doch die Mutter der Schwalben fliegt umher und klagt um ihre Kinder. Da sagt der Wolf: »Fliege hin, hole heilendes Wasser und Wasser des Lebens, dann schmiere ich sie ein, und deine Kinder werden wieder lebendig.« Die Schwalbe flog fort, brachte solches Wasser - wo sie es bekommen hat, mag der Leibhaftige wissen! Der Wolf bestrich zuerst die beiden Schwälbchen - sie wurden wieder lebendig. Da bestrich er die Teile des Leibes - sie wuchsen zusammen, er bestrich den ganzen Dummkopf mit Wasser des Lebens - er wurde wieder lebendig.

Und als er wieder lebendig geworden war, sagt er: »Ah, da habe ich aber schön geschlafen!«

»Das war mir ein schöner Schlaf - umgebracht hatten sie dich, und schon fingst du an zu stinken!« Jetzt sagt der Dummkopf: »Ich werde dich niemals mehr verlassen, weil du mir so viel Gutes getan hast!« Und beide begaben sich an den Hof seines Vaters.

Kaum hatten sie den Hof betreten, da begann das Pferd im Stall zu wiehern, dass sofort alle Schindeln herunterflogen. Der Vogel begann sogleich zu singen, und die Jungfrau stimmte ein Lied an. Die beiden Brüder erschraken. Er kam zu seinem Vater, dem König, und erzählte ihm, wie sich alles zugetragen hatte. Sogleich sagte die Jungfrau, dass der Dummkopf sie hergebracht hätte. Da gebot der König, dass die beiden klugen Söhne geköpft würden, doch der Dumme heiratete die Jungfrau. Der Vater aber übergab ihm das Königreich.

Und wenn es geschah, dass der Dummkopf auf seinem Ross ausreiten musste, um mit einem anderen König Krieg zu führen, und das Pferd zu wiehern begann, dann fielen alle Krieger des Gegners sofort tot zu Boden. Glücklich verlebte der Dummkopf die Tage seines Lebens, aber den Wolf fütterte er an seinem Hof mit Fleisch, bis dessen Leben erlosch.