[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Der Zinner von Chyannor

Das Dorf Trereen in der Nähe von Logan Stone war einmal eine wichtige Marktstätte. Hierher kamen alle Zinnwäscher, die von Penberth bis hinauf zu den Hügeln arbeiteten, und um den Ort und den kostbaren Besitz zu schützen, der hier angehäuft wurde, erbaute man die Burg Trereen. Hierher - oder besser in die nahe Bucht - kamen die Tyrenischen Kaufleute. Sie durften nicht über den Küstenstreifen hinaus ins Land kommen, damit sie nicht die Gegend herausfänden, aus der das Zinn gebracht wurde.

Aber nicht von ihnen müssen wir erzählen, sondern von einer Gruppe von Zinnern, die aus dem Tal zwischen Chyannor und Trengothal kamen. Sie hatten sich um die Garrack Zans versammelt, die alten Opfersteine, die damals in der Mitte des Marktplatzes von Trereen standen. Die Zeiten waren schlecht, und sie berieten miteinander, was sie wohl tun sollten. Das Zinnwaschen in den Wasserläufen hatte nichts eingebracht und sie meinten, alles Zinn sei schon herausgeholt. Einige von ihnen hatten gehört, es sei Zinn in einer Gegend, weit weg von hier, einige Meilen hinter Market-Jew, aber sie hatten nur eine sehr blasse Vorstellung von dem Ort oder den Leuten. Einer von ihnen, ein alter Mann, aber trotzdem unternehmungslustiger als irgendeiner der Kameraden, sagte, er wolle dorthin reisen und nachsehen, was zu machen sei. Man beschloss, dass Tom Trezidder sein Glück versuchen sollte, und die andern wollten abwarten, bis er wieder heimkäme oder aber nach ihnen schicke, damit sie nachfolgten. Das sprach sich bald herum, und alle Frauen, alte und junge, kamen, um Tom Lebewohl zu sagen. Der Abschied von seiner Frau war kurz aber schwer. Er hielt sich wacker und machte sich mutigen Herzens auf in sein Abenteuer.

Tom Trezidder kam schließlich an einem Ort nicht weit von Goldsythney an, und hier fand er einen der jüdischen Kaufleute, die den Zinnboden bearbeiten ließen und das Zinn in St. Michaels Mount verkauften, und der Jude war sehr darauf aus, solch einen erfahrenen Zinnwäscher wie Tom anzustellen. Tom war nicht abgeneigt und trat für ein Jahr in seinen Dienst. Er sollte gerade so viel haben, wie er zum Leben brauchte, und einen Anteil am Gewinn am Ende des Jahres. Tom arbeitete fleißig, und viel Zinn war das Ergebnis seiner Arbeitserfahrung.

Das Jahr verging, und Tom sah sich um nach seinem Anteil am Gewinn. Der Jude schaffte es, ihn davon abzubringen, und versprach Tom großartige Dinge, wenn er ein weiteres Jahr dabliebe. Er überredete ihn, nach einigen seiner alten Kameraden zu schicken, und bekräftigte jedes angeführte Argument mit einem kleinen Ratschlag: »Verlass nie eine alte Straße um einer neuen willen.« Die anderen Zinner waren zu zaghaft, sich so weit fortzuwagen, und so konnten nur zwei oder drei dazu überredet werden, das Westland zu verlassen. Das Jahr verging für Tom und seine Gefährten, und als es vorbei war, erhielt er kein Geld, sondern nur den gleichen Ratschlag: »Verlass nie eine alte Straße um einer neuen willen.« So ging es noch ein drittes Jahr weiter, und da beschlossen alle heimzugehen, weil sie natürlich diese Sache satt hatten. Tom Trezidder stand hoch in der Gunst seines Herrn und wurde von der Frau sehr geschätzt wegen seiner Ehrlichkeit und seines Fleißes. Als sie fortzogen, gab sie Tom einen guten Korinthenkuchen mit, den sollte er seiner Alten nach Hause mitbringen. Sie sagte ihm, er solle an den Rat denken: »Verlass nie eine alte Straße um einer neuen willen.«

Die Zinner zogen miteinander dahin, bis sie westlich von Penzance waren. Sie waren müde und sie sahen, dass eine neue Straße über die Hügel gebaut worden war, seit sie von zu Hause fort gegangen waren, und die ersparte ihnen eine beträchtliche Entfernung - es war in der Tat eine Abkürzung. Schon gingen sie da. »Nein«, sagt Tom, »Verlass nie eine alte Straße um einer neuen willen.« Sie lachten ihn alle aus und zogen weiter. Aber Tom hielt sich an die alte Straße, das Tal entlang um den Hügel herum. Als Tom das andere Ende der Abkürzung erreichte, meinte er, er wolle ein wenig rasten, und er setzte sich am Wegrand nieder und aß seinen Fleischfladen, den ihm die Herrin gegeben hatte, damit er nicht seinen Kuchen anbreche, bevor er heimgekommen sei.

Er saß noch nicht lange da, als er ein Geräusch hörte. Er schaute zum Hügel hinauf und sah, wie seine Kameraden, von denen er gedacht hatte, sie seien Meilen vor ihm, langsam und bekümmert herabkamen. Sie kamen schließlich dorthin, wo Tom saß, und sie hatten eine traurige Geschichte zu berichten. Sie waren kaum auf der neuen Straße, da überfielen sie Räuber und nahmen ihnen ihr ganzes bisschen Geld und schlugen sie dann, weil sie nicht mehr hatten. Ihr könnt sicher sein, Tom dachte nun, der Ratschlag sei einiges wert gewesen, denn er hatte ihn mit heiler Haut davonkommen lassen.

Tom kam endlich heim, und die Alte war froh, ihren Alten noch einmal wieder zu sehen, und sie kochte ihm gleich einen kräftigen Tee. Er zeigte seiner Frau den Kuchen und sagte ihr, alles, was er als seinen Anteil am Gewinn bekommen hatte, war der Ratschlag gewesen.

Die Frauen, die diese Geschichte lesen, werden verstehen, wie verärgert Toms Weib war - nur wenige von ihnen hätten das nicht getan, was sie tat: nämlich den Kuchen vom Tisch zu nehmen und ihn ihrem Mann an den Kopf zu schleudern und ihn einen alten Trottel zu heißen. Tom Trezidder bückte sich, um auszuweichen. Platsch, landete der Kuchen an der Ecke des Küchenschrankes und brach von dem Aufprall in Stücke, und über den rauen Dielenboden rollte eine Menge von Goldstücken.

Das änderte rasch die Lage der Dinge, der Sturm verzog sich, und es schien wieder die Sonne in der Hütte. Die Münzen wurden aufgesammelt, und sie fanden einen Papierfetzen, und als sie den Pfarrer holten, damit er vorlese, was darauf stand, da stellte sich heraus, dass darauf eine genaue Abrechnung stand über den Gewinn eines jeden Jahres und Toms Anteil davon.

Die Anteile der drei Jahre waren für Tom von seinem Herrn und der Herrin ordentlich aufbewahrt worden, und nun fanden diese alten Leute, dass sie genug hatten, um es sich für den Rest ihres Lebens bequem zu machen. Viele Gebete sprachen Tom und sein Weib für das Glück und die Gesundheit des ehrlichen jüdischen Zinnkaufmanns und seiner Frau.