[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Der Zigeuner als Zauberer

Einstmals lebte ein Herr, und der hatte eine große Wiese. Nun, so groß war sie wiederum nicht, als ihr Gras üppig wuchs und grünte. Wenn die Heuernte herankam, dann nahm er Leute unter der Bedingung, dass sie in drei Tagen alles abmähten. Mähten sie aber nicht alles ab, dann bezahlte er ihnen kein Geld. Und so mähten sie ihm einige Jahre hindurch die Wiese umsonst ab. Mähen sie die Wiese nicht in drei Tagen, so wird der Lohn nicht ausgezahlt.

Da hörte ein Zigeuner, dass der Herr die Wiese zur Mahd vergibt. Da ging der Zigeuner hin, um den Lohn auszumachen. Er machte einen hohen Lohn aus: fünf Rubel für jeden Tag. Er übernahm die Arbeit, in drei Tagen würde er die Wiese abmähen. Wenn er das nicht fertig bringt, bezahlt der Herr nichts. Da ging der Zigeuner hin, um zu mähen. Dem Zigeuner ist heiß, er muss sich hinlegen. Er sagt: »Am Nachmittag werde ich mähen.« Am Nachmittag kommt der Zigeuner wieder und sagt: »Da liegt ja kein Tau; morgen früh will ich mähen, wenn Tau liegt.«

Am anderen Morgen sagt der Zigeuner zum Gutsaufseher: »Jetzt möchte ich schlafen, nach dem Frühstück will ich mähen.« Nach dem Frühstück ist es ihm zu heiß, auch ist kein Tau da. »Nach dem Mittag werde ich mähen und alles abmähen. Wie ich das mache, ist nicht deine Sache«, sagt der Zigeuner zum Aufseher.

Am Nachmittag kommt er und sagt zum Gutsaufseher: »Na, heute werde ich schon nicht mehr anfangen. Morgen will ich kommen und alles abmähen.« Der Aufseher: »Sieh aber zu, dass du mit der Mahd fertig wirst!«

»Das ist nicht deine Sorge! Die Wiese wird gemäht sein.«

Er kam am dritten Morgen, und da sagt der Aufseher zum Zigeuner: »Nun aber los«, sagt er, »heute musst du aber mähen!«

»Weißt du, lieber Herr, ich werde gar nicht mehr anfangen. Sage du nur dem Gutsherrn, dass der Zigeuner alles abgemäht hat, es wird für dich und für mich von Nutzen sein.«

Am Abend fragt der Herr: »Hat der Zigeuner die Wiese abgeheut?« Der Gutsaufseher sagt: »Alles hat er schön abgemäht.« Da kam der Zigeuner am Abend zum Gutsherrn nach dem Lohn: »Ich habe dem Herrn die ganze Wiese schön abgeheut - nun geize nicht und gib mir das Geld!« Der Herr bezahlt den ganzen Lohn.

Der Zigeuner bittet noch, ihm einen Laib Brot für seine Kinder zum Abendessen draufzulegen. Nun, das gab er ihm. Der Zigeuner bittet wieder: »Ich habe so schwer gearbeitet! In solch einer Hitze!«, und er bittet: »Gib wenigstens für ein Abendessen Speck zum Brutzeln!« Der Herr wurde böse auf den Zigeuner, zog ihm eins mit dem Stock über und sagt: »Ein Zigeuner bekommt den Hals nie voll!« Der lief los und rief dem Herrn zu: »Herr, wie deine Wiese üppig gegrünt hat, so soll sie auch weiter grünen!«

Der Herr sattelte sich am anderen Morgen ein Pferd und ritt hin, um nachzusehen, wie der Zigeuner die Wiese abgemäht hat. Er sieht - die ganze Wiese steht in üppigem Grün da! Er sagt: »Der Zigeuner ist wirklich ein Zauberer!«