[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Der sprechende Hüftknochen

Diese Geschichte handelt von zwei Waisen. Eine Geschichte, eine Geschichte. Lass sie los, lass sie kommen.

Ein Mann hatte zwei Frauen. Er starb und ließ sie allein. Da wurde auch eine der beiden Frauen krank. Als sie merkte, dass der Tod nahe war, sagte sie zu der anderen Frau: »Du hast gesehen, dass die Krankheit nicht weichen will. Ich vertraue dir meine Tochter an. Um Allahs und der Propheten willen, gib gut auf sie Acht.« Die Frau starb und wurde beerdigt. Das Mädchen blieb übrig.

Die anderen waren grausam zu ihr. Eines Tages wurde sie krank und legte sich hin, aber ihre Stiefmutter sagte: »Steh auf und geh zum Fluss.« Das Mädchen stand auf, nahm eine kleine Kalebasse, ging zum Fluss und holte Wasser. Sie brachte es zurück und bat: »Mutter, heb mir die Kalebasse herunter.«

Aber die Stiefmutter sagte: »Siehst du denn nicht, dass ich stampfe? Jetzt nicht, wenn ich fertig bin.« Sie drosch das Korn, sie worfelte es, das Mädchen wartete. Dann sagte es: »Mutter, heb mir die Kalebasse herunter.«

Aber die Stiefmutter sagte: »Siehst du denn nicht, dass ich worfele? Jetzt nicht, wenn ich damit fertig bin.« Das Mädchen wartete, bis sie fertig war, sogar bis sie sich gewaschen hatte, aber sie beachtete es gar nicht. Das Mädchen sagte: »Mutter, hilf mir mit dem Krug.«

»Siehst du denn nicht, dass ich Korn in den Mörser schütte? Jetzt nicht, wenn ich fertig bin mit Stampfen.« Das Mädchen wartete, bis die Stiefmutter fertig war mit Stampfen. Dann fing sie von neuem an zu stampfen, sie worfelte, sie war schließlich fertig damit, aber das Mädchen wartete noch immer. Das Mädchen sagte: »Mutter, hilf mir den Topf herunterheben.«

»Siehst du denn nicht, dass ich Korn in den Topf fülle? Wenn ich fertig bin damit.« Das Mädchen wartete, bis die Stiefmutter das Korn in den Topf gefüllt hatte. Das Mädchen sagte: »Mutter, hilf mir mit dem Topf.«

»Wenn ich dir jetzt helfe, brennt der Brei an. Warte, bis er kocht.« Der Brei kochte, sie nahm ihn aus dem Wasser, stampfte ihn, drückte ihn und machte den Kloß fertig. Sie sprach nicht mehr mit dem Mädchen, bis ein Wirbelwind kam, das Mädchen hochhob und wegtrug, so dass es nicht mehr gesehen wurde. Der Wind trug es in den Wald. Da war es ganz allein.

Es wanderte durch den Wald, bis es an eine Grashütte kam. Es ging hin und lugte hinein. Drinnen waren ein Hüftknochen und ein Hund.

Als das Mädchen sich zurückzog, sagte der Hüftknochen: »Us! Us!«, und der Hund dolmetschte: »Du sollst zurückkommen.« Das Mädchen betrat die Hütte und verbeugte sich demütig.

Der Hüftknochen sagte: »Us! Us!«, und der Hund dolmetschte: »Er fragt, ob du kochen kannst.« Das Mädchen sagte: »Ja.« Da gaben sie ihr ein einziges Reiskorn und sagten, sie solle es kochen. Sie nahm das Reiskorn, sie murrte nicht, sondern legte es in einen Mörser und stampfte es, und als sie fertig war mit Stampfen, füllte sich der Mörser mit Reis. Sie stampfte den Reis und schüttete ihn von oben herab, damit der Wind die Spreu davontrüge. Sie ging zum Fluss und wusch den Reis. Sie kam zurück und setzte den Topf aufs Feuer, schüttete den Reis hinein, und bald füllte der Reis den Topf.

Dann sagte der Hüftknochen: »Us! Us!«, und der Hund dolmetschte: »Er fragt, ob du Fleischsoße kochen kannst.« »Ja«, sagte das Mädchen. Der Hüftknochen sagte: »Us! Us!«, und der Hund stand auf, ging zu einem kleinen Abfallhaufen, buddelte einen alten Knochen aus und gab ihn dem Mädchen. Sie nahm ihn und tat ihn in den Topf. Nach einiger Zeit war der Topf voll Fleisch. Sie fügte Salz und Gewürze hinzu. Als die Soße fertig war, nahm sie sie vom Feuer, servierte sie und teilte sie aus. Zehn Löffel voll für den Hüftknochen, neun für den Hund, zwei für sich selbst. Sie aßen sich satt.

So ist es. Kommt ein Fremder, ehre ihn und gib ihm zu essen. In der Zwischenzeit kannst du seinen Charakter studieren und sehen, ob er gut oder böse ist. Aber zurück zur Geschichte.

Sie legten sich schlafen. Am Morgen sagte der Hüftknochen: »Us! Us!«, und der Hund dolmetschte dem Mädchen: »Er sagt: ›Kannst du Fura kochen ?‹« Sie sagte: »Ja.« Der Hüftknochen sagte: »Us! Us«, der Hund stand auf und holte ein einziges Korn. Er gab es ihr. Sie nahm es, tat es in den Mörser, gab Wasser dazu, hob den Stampfer, stampfte, und während sie stampfte, wurde das Korn immer mehr. Sie nahm es heraus, sie worfelte es, sie brachte es an den Fluss, sie wusch es, sie stampfte es, sie nahm es heraus, sie worfelte es, sie kehrte zurück und tat es wieder in den Mörser. Sie stampfte es sorgfältig, nahm es heraus, formte es zu Fladen und füllte das Ganze in einen Topf zum Kochen. Sie nahm es vom Feuer, setzte es ab, schüttete es in den Mörser, stampfte wieder, nahm es heraus, formte es zu Klößen und gab dem Hüftknochen drei Klöße und dem Hund zwei.

Als es dämmerte, sagte der Hüftknochen: »Us! Us!«, und der Hund dolmetschte: »Er sagt: ›Gehst du heim?‹« Sie sagte: »Ich möchte schon gehen, finde aber den Weg nicht.«

Da sagte der Hüftknochen: »Us! Us!«, und der Hund stand auf, ging fort und brachte schöne Sklaven an. Er brachte Rindvieh und Schafe, Pferde und Hühner, Kamele und Kriegspferde, Strauße und Kleider. Alle Dinge der Welt brachte der Hund an und gab sie dem Mädchen. Er sagte: »Das ist für dich, sagt der Hüftknochen. Es soll dein Reiseproviant sein. Und er sagt, er beurlaubt dich, du kannst nach Hause gehen.« Aber das Mädchen sagte: »Ich finde den Weg nicht.«

Der Hund sagte es dem Hüftknochen, und der Hüftknochen sagte: »Us! Us!«, und der Hund dolmetschte: »Er sagt, wir sollen zusammen gehen, und ich soll dir den Weg zeigen.« So ging der Hund vorneweg, und das Mädchen folgte auf einem Kamel, das am Zügel geführt wurde. So zogen sie dahin, und der Hund begleitete sie bis in Stadtnähe. Dann kehrte er um.

Das Mädchen sandte einen Boten in die Stadt und ließ dem König ausrichten, sie sei zurückgekommen. Der König sagte: »Geht und empfangt sie.« Sie gingen und empfingen sie. Sie stellten sich in Reihen an der Eingangstür auf. Der König erlaubte ihnen, es sich bequem zu machen. Sie machten es sich bequem.

Das Mädchen holte ein Zehntel ihres Besitzes hervor und überreichte es dem König. Dann blieb sie so lange, bis der König sie heiraten wollte. Sie heirateten.

Die Stiefmutter aber war neidisch. Sie trug ihrer eigenen Tochter auf, Wasser vom Fluss zu holen. Aber das Mädchen sagte: »Mutter, ich gehe nicht.« Da nahm die Mutter eine Rute und jagte sie davon, und so ging sie, wenn auch widerwillig. Sie kam an den Fluss, holte Wasser und brachte es nach Hause. Die Mutter aber stampfte gerade.

»Mutter, hilf mir den Krug herunterheben«, sagte sie, aber die Mutter sagte: »Ich stampfe gerade. Warte, bis ich fertig bin.« Dann war sie fertig mit Stampfen, und das Mädchen sagte: »Mutter, hilf mir mit dem Krug.«

»Ich will gerade worfeln. Warte, bis ich fertig bin.« Sie worfelte fertig, und das Mädchen sagte: »Mutter, hilf mir den Krug herunterheben.«

»Ich will gerade stampfen. Warte, bis ich fertig bin.« Als sie fertig war mit Stampfen, suchte sie das Mädchen überall. Sie fand es nicht. Der Wind hatte es aufgehoben und in den Busch davongetragen.

Da wanderte es nun ziellos umher und fand schließlich eine Grashütte. Es ging hin, lugte hinein und sah einen Hüftknochen und einen Hund. Als es sich zurückziehen wollte, sagte der Hüftknochen: »Us! Us!« Der Hund dolmetschte: »Er sagt, du sollst kommen.« Da kam das Mädchen heran und sagte: »Da bin ich.«

Der Hüftknochen sagte: »Us! Us!« Der Hund dolmetschte: »Er sagt, du sollst dich setzen.« Da setzte sie sich hin und sagte: »Gott erbarme dich, ein Hüftknochen, der sprechen kann. Was soll denn dieses ›Us! Us!‹?« Aber sie antworteten nicht.

Nach einer Weile sagte der Hüftknochen wieder: »Us! Us!« Der Hund dolmetschte: »Er fragt, ob du kochen kannst.« Sie sagte: »Das Jahr ist schlecht, wenn das Rebhuhn sieht, wie Schösslinge gepflanzt statt Samen gesät werden. Selbst ein Hüftknochen hat heutzutage einen Dolmetscher. Ich bin durchaus dazu in der Lage. Ich hoffe, ihr habt das Korn, wenn ihr schon Leute fragt, ob sie kochen können.« Sie antworteten nicht, aber der Hund stand auf und gab ihr ein einziges Reiskorn. »Was soll ich denn damit?« fragte sie. »Heute soll ich wohl sehen, wie aus einem einzigen Reiskorn ein Essen wird.« Der Hund sagte: »Mach nur.« Sie nahm das Reiskorn und legte es in den Mörser, stampfte es, und nach einer Weile vermehrte es sich. Sie stampfte den Reis, nahm ihn heraus, schüttete ihn um, so dass der Wind die Spreu davontragen konnte, fügte Wasser hinzu und kochte ihn. Als sie mit dem Kochen fertig war, füllte der Reis den ganzen Topf. Sie wunderte sich.

Der Hund holte einen uralten Knochen und gab ihn ihr. Da sagte sie: »Was soll ich denn mit diesem uralten Knochen ?« Der Hund antwortete: »Nimm ihn nur.« »Seid ihr Hexenmeister?« fragte sie. »Ich warne euch. Auf meiner Linie liegt es nicht, von Hexen gefressen zu werden.« Der Hund schwieg. Kein Wort sagte er. Sie wusch den Knochen, tat ihn in den Topf, und bald darauf war der Topf voll Fleisch. Das Mädchen wunderte sich, rührte das Essen aber um und nahm es dann vom Feuer. Sie gab dem Hüftknochen drei Portionen und dem Hund zwei, aber der Hund wurde ärgerlich, als er sah, dass ihre eigene Portion viel größer war. Er sagte: »Was soll denn das?«

Als er weiter sprechen wollte, konnte er nur noch »Wau« sagen, weil er vergessen hatte, zuvor mit dem Hüftknochen zu reden. Früher war der Hund nämlich Minister bei Hofe und konnte sprechen wie ein Mensch. Als er sich an jenem Tage aber in Gegenwart des Königs vergaß, verurteilte der ihn dazu, jedes Mal nur »Wau wau« zu sagen, wenn er streitsüchtig war.

Die Moral der Geschichte: Ein Junger soll sich nie in Gegenwart Älterer vergessen.

Schließlich hatten sie gegessen und geschlafen. Am Morgen sagte der Hüftknochen: »Us! Us!« Der Hund konnte nun zwar nicht mehr sprechen, aber er ging fort und kam mit Blinden und Leprakranken, blinden Pferden, lahmen Eseln und Schafen und mit Kleidern und Hosen zurück. Die gab er ihr und zeigte ihr den Weg.

Er begleitete sie bis in Stadtnähe und kehrte um, aber der Hüftknochen jagte ihn wieder weg. Da kehrte er wieder um und folgte dem Tross bis ans Haus. So kam der Hund zum ersten Mal ins Haus. Früher lebte er im Busch.

Um fortzufahren: Als sie beim Haus angekommen waren, sandte das Mädchen einen Boten aus. Er ritt auf einem blinden Pferd und sollte dem König ihre Ankunft melden. Der König gewährte ihr eine Audienz. Er sandte den Galadima und viele Leute aus, sie willkommen zu heißen. Als der Zug auf dem Platz vor dem Königspalast ankam, erfüllte Gestank die ganze Stadt.

Da ordnete der König an, alle aus der Stadt hinauszuwerfen, weit draußen sollten sie ihre Wohnung aufschlagen. Als die Mutter des Mädchens das alles sah, wurde ihr Herz schwarz, und sie starb.

So kam die Bosheit erstmals in die Welt. Wer anderen eine Grube gräbt, so sagt ein gewisser Gelehrter, fällt selbst hinein. Allah, so sagt er, möge ihm gnädig sein. Wer Böses sät, dem wächst es im eigenen Garten. Das ist zweifellos richtig, hört ihr?

Das ist alles. Ab mit dem Rattenkopf.

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