[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Der Sack mit Nüssen

Es geschah einmal, dass sich zwei junge Männer gegen acht Uhr am Abend in einem Kirchhof trafen. Der eine sagte zum andern: »Wo gehst du hin?« Der andere antwortete: »Ich gehe und hole einen Sack mit Nüssen, der unter meiner Mutter Kopf in diesem Kirchhof liegt. Aber sag mir, wo gehst du hin?« Er sagte: »Ich gehe, um ein fettes Schaf von der Weide da zu stehlen. Warte hier, bis ich zurückkomme.«

Dann holte der andere Mann die Nüsse, die unter dem Kopf seiner toten Mutter waren, und stellte sich in die Vorhalle der Kirche und knackte die Nüsse. In jenen Tagen war es Brauch, zu einer bestimmten Zeit am Abend eine Glocke zu läuten, und gerade als der Mann die Nüsse knackte, kam der Küster in den Kirchhof, um zu läuten. Als er aber das Knacken in der Vorhalle hörte, fürchtete er sich und lief, um es dem Pfarrer zu sagen. Der lachte ihn nur aus und sagte: »Geh und läute, du Narr.«

Der Küster fürchtete sich aber so sehr und sagte, er würde nicht zurückgehen, wenn der Pfarrer nicht mit ihm käme. Nach vielem Überreden willigte der Pfarrer ein, aber er litt sehr an der Gicht, und der Küster musste ihn auf dem Rücken tragen. Als der Mann in der Vorhalle, der die Nüsse knackte, den Küster mit dem Pfarrer auf dem Rücken in den Kirchhof kommen sah, glaubte er, es sei der Mann, der gerade weggegangen war, um das Schaf zu stehlen, und er sei nun mit dem Schaf auf dem Rücken zurückgekommen. Darum brüllte er nun: »Ist es was Fettes?« Als der Küster das hörte, erschrak er so sehr, dass er den Pfarrer herunterwarf und sagte: »Jaja, und du kannst ihn nehmen, wenn du willst.« Der Küster rannte davon, so schnell er konnte, und überließ den Pfarrer sich selbst. Aber der Pfarrer rannte heim geradeso schnell wie der Küster.