[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Der Riese von Carn Galva

Nach der Überlieferung, wie sie heute noch in Morvah bewahrt wird, war der Riese von Carn Galva eher verspielt als kampflustig. Wenn auch die alten Bauten des Riesen nun verfallen sind, so können wir doch immer noch den Schaukelstein sehen und hinaufklettern und uns darauf schaukeln. Den hatte der gute alte Riese auf den westlichsten Steinhügel der Hochfläche gesetzt, damit er sich in Schlaf schaukeln konnte, wenn er sah, dass die Sonne in die Wogen tauchte und die Seevögel zu ihren Nestern in den Klippen zurückflogen. Nahe an dem Schaukelsitz des Riesen kann man einen Haufen von würfelförmigen Felsbrocken sehen, die sind jetzt noch fast genau so regelmäßig in ihrer Gestalt wie damals, als der Riese sich damit zu unterhalten pflegte, dass er sie auftürmte und wieder umstieß. Das machte er zur Übung oder im Spiel, wenn er allein war und nichts anderes zu tun hatte. Die Leute von den Nordhügeln haben sich immer in liebevoller Zuneigung an den Riesen erinnert, weil er anscheinend sein ganzes Junggesellenleben auf dem Carn nur damit zugebracht hat, sein geliebtes Volk von Morvah und Zennor vor den Räubereien der weniger ehrenhaften Titanen zu schützen, die damals auf den Lelant-Hügeln hausten. Der Riese von Carn Galva hat nur einmal in seinem Leben einen der Leute von Morvah getötet, und das geschah ganz im liebevollen Spiel. Der Riese mochte einen hübschen jungen Burschen von Choon sehr gern, der pflegte immer mal wieder einen Spaziergang auf den Carn zu machen, um nur eben zu sehen, wie es dem alten Riesen ging, ihn ein wenig zu erheitern, mit ihm Ringe zu werfen oder andere Spiele zu spielen. Er machte das, um dem Riesen in seiner Einsamkeit die Zeit zu vertreiben.

Eines Nachmittags hatte dem Riesen ihr schönes gemeinsames Spiel besonders gut gefallen, und als der junge Bursche von Choon seinen Ring niederwarf und heimgehen wollte, tippte der Riese gutmütig seinem Spielgefährten mit der Fingerspitze auf den Kopf. Er sagte dabei: »Komm morgen bestimmt wieder, mein Sohn, wir machen dann ein großartiges Ringwerfen nach dem Pflock.« Noch ehe der Riese das Wort »Pflock« richtig gesagt hatte, fiel der junge Mann zu seinen Füßen nieder: der Finger des Riesen war seinem Spielgefährten durch den Schädel gedrungen. Als der Riese schließlich gewahrte, was er mit der Hirnschale des jungen Mannes angestellt hatte, versuchte er nach besten Kräften, das Innere im Kopf seines Kameraden in Ordnung zu bringen, und verstopfte das Loch, das sein Finger gemacht hatte. Aber es hatte keinen Zweck, denn der junge Mann war mausetot, lange bevor der Riese damit aufhörte, seinen Kopf zu reparieren.

Als der arme Riese sah, dass es mit seinem Spielgefährten aus war, nahm er den Körper in die Arme, setzte sich auf dem großen vierkantigen Felsen am Fuß des Steinhügels nieder und wiegte sich hin und her. Er presste den leblosen Körper an seine Brust, klagte und stöhnte, brüllte und weinte lauter als die dröhnenden Brecher an den Klippen von Permoina. »O mein Sohn, mein Sohn, warum haben sie die Decke deines Schädels nicht fester gemacht? Sie ist so weich wie Kuchenkruste und um die Hälfte zu dünn! Wie soll ich nun jemals die Zeit verbringen, wenn du nicht mit mir Ringwerfen und Suchen und Verstecken spielst?«

Der Riese von Carn Galva wurde nie wieder fröhlich, sondern sieben Jahre lang kümmerte er so dahin und starb dann an gebrochenem Herzen.