[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Der Meister und sein Schüler

Es war einmal ein sehr gelehrter Mann im Nordland, der konnte alle Sprachen unter der Sonne und war mit allen Geheimnissen der Schöpfung vertraut. Er hatte ein großes Buch, das war in schwarzes Kalbsleder gebunden und hatte eiserne Beschläge und Eisenecken, und es war am Tisch angekettet, und der war im Boden festgemacht. Und wenn er in dem Buche las, dann schloss er es mit einem eisernen Schlüssel auf, und keiner außer ihm las darin, denn es enthielt alle Geheimnisse der geistigen Welt. Es wurde da gesagt, wie viele Engel im Himmel waren und in welcher Ordnung sie aufmarschierten und in ihren Chören sangen und welche verschiedenen Aufgaben sie hatten und welchen Namen jeder der großen Erzengel trug. Und es nannte die Dämonen, wie viele es von ihnen gab und welches ihre verschiedenen Kräfte waren, was sie leisteten und wie sie heißen, wie man sie herbeirufen kann und wie man ihnen Aufgaben stellen kann und wie sie gefesselt und zum Sklaven des Menschen gemacht werden können.

Nun hatte der Meister einen Schüler, der war nur ein törichter Bursche und war als Diener bei dem großen Meister angestellt. Er durfte aber nie in das schwarze Buch sehen, ja kaum das geheime Zimmer betreten.

Eines Tages war der Meister ausgegangen, und der Bursche, überaus neugierig, eilte in die Kammer, in der sein Meister die wunderbaren Geräte aufbewahrte, mit denen er Kupfer in Gold und Blei in Silber verwandelte. Dort war auch sein Spiegel, in dem konnte er alles sehen, was in der Welt vorging, und die Muschel, die man ans Ohr halten musste, dann flüsterte sie einem alle Worte zu, die von einem gesprochen wurden, von dem der Meister etwas zu wissen begehrte.

Der Bursche versuchte vergeblich, in den Schmelztiegeln Kupfer und Blei in Gold und Silber zu verwandeln, lange und vergeblich schaute er in den Spiegel: Rauch und Gewölk gingen darüber hin, aber er sah nichts deutlich. Und die Muschel an seinem Ohr erzeugte nur ein unklares Rauschen, wie die Brandung entfernter Meere an einer unbekannten Küste. »Ich kann nichts anfangen, weil ich nicht die rechten Worte aussprechen kann, und die sind in dem Buch dort eingeschlossen.« Er sah sich um, und siehe da, das Buch war nicht befestigt, der Meister hatte vergessen, es zu verschließen, ehe er ausging. Der Junge lief hin und schlug das Buch auf. Es war in roter und schwarzer Tinte geschrieben, und er konnte nicht viel davon verstehen, aber er legte den Finger auf eine Zeile und buchstabierte sie durch.

Auf einmal wurde der Raum dunkel, und das Haus erzitterte. Ein Donnerschlag dröhnte durch den Gang und die alte Kammer, und da stand vor ihm eine schreckliche, schreckliche Gestalt, die schnaubte Feuer, und ihre Augen glühten wie Lampen. Es war der Dämon Beelzebub, den er gerufen hatte, damit er ihm diene. »Gib mir eine Aufgabe!« sagte er mit einer Stimme, die klang wie das Dröhnen einer Eisenesse. Der Junge zitterte nur, und die Haare standen ihm zu Berge. »Gib mir eine Aufgabe, oder ich werde dich erwürgen!« Aber der Bursche konnte nicht sprechen. Da machte der böse Geist einen Schritt auf ihn zu, streckte seine Hände aus und berührte seine Kehle. Die Finger verbrannten sein Fleisch. »Gib mir eine Aufgabe!«

»Gieß die Blume dort«, schrie der Junge in der Verzweiflung und zeigte auf eine Geranie, die in einem Topf auf dem Boden stand.

Sogleich verließ der Geist den Raum, aber im nächsten Augenblick kam er mit einem Fass auf dem Rücken zurück und goss dessen Inhalt über die Blume, und immer wieder ging und kam er und goss immer mehr und mehr Wasser aus, bis es knöcheltief auf dem Kammerboden stand. »Genug, genug!« keuchte der Bursche, aber der Dämon achtete nicht auf ihn, der Bursche wusste die Worte nicht, mit denen er ihn fortschicken musste, und der Dämon holte immer noch Wasser.

Es stieg bis zu den Knien des Jungen, und immer noch mehr Wasser wurde ausgegossen. Es reichte ihm bis zu seiner Hüfte, und Beelzebub brachte immer noch weiter ganze Fässer voll. Es stieg bis zu seinen Achseln, und er kletterte auf den Tisch. Und jetzt stand das Wasser im Raum bis zu den Fenstern und spülte gegen die Scheiben und strudelte um seine Füße auf dem Tisch. Es stieg immer noch, es reichte ihm an die Brust. Er schrie vergebens, der böse Geist wollte nicht ablassen, und er hätte weiter Wasser ausgegossen bis auf den heutigen Tag, und ganz Yorkshire hätte er ertränkt. Aber der Meister erinnerte sich auf seiner Reise, dass er sein Buch nicht verschlossen hatte, kehrte um, und in dem Augenblick, als das Wasser um das Kinn des Jungen sprudelte, stürzte er in die Kammer und sprach die Worte, die Beelzebub in seine feurige Heimat zurücksandten.