[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Der Lügner

Auf einem Gut war einmal ein großer Lügner. Und die Leute beklagten sich beim Herrn, dass er sie ständig hinters Licht führt. Da sagt der Herr: »Wart mal - soll er's versuchen, mich zu betrügen!« Er rief ihn zu sich: »Unsere Hausgenossen klagen über dich, dass du ein großer Lügner und Betrüger bist. Höre, ich will morgen nach Vilnius fahren, und du sollst mitkommen. Wenn es dir gelingt, mich zu betrügen, bekommst du fünfundzwanzig Rubel, wenn aber nicht, dann fünfundzwanzig Knutenhiebe!«

Der Knecht spannte die Pferde an, fuhr am Vorbau vor. Da kommt auch schon der Herr heraus; er nimmt im Wagen Platz, aber er hat auch die Knute mitgebracht und legt sie unter den Sitz. Sie setzen sich und fahren los, fahren und fahren, doch es gelingt ihm nicht, den Herrn zu betrügen. Der Himmel bewölkte sich, und es fing an zu regnen. Es wurde schon Abend. Da sahen sie ein kleines Vorwerk und viele Gebäude.

Der Herr sagt: »Weißt du, wir kommen heute doch nicht mehr hin. Das Wetter ist schlecht, wir sind durchnässt - geh mal hinein und frage, ob wir nicht hier übernachten können!« Er lief eilig hin. Der Hausherr sagt: »Warum nicht? Natürlich könnt ihr!«

»Aber«, sagt er, »ich habe den Herrn im Wagen.«

»Na, der Herr wird seine Pferde einstellen können, ein Bett bekommen und ein Zimmer.«

»Aber weißt du«, sagt er, »mein Herr redet sehr viel, und es ist ein Elend, dass er taub ist, er hört nichts.« Der Hausherr fragt: »Kann er denn gar nichts hören?«

»Ja, schon, doch man muss sehr laut schreien.«

Er ging wieder hinaus. »Nun, können wir übernachten?«

»Ja, wir können. Aber der Hausherr redet sehr viel, und es ist ein Elend, dass er nichts hört!«

»Kann er denn gar nichts hören?«

»Ja, schon, doch man muss sehr laut schreien.«

Und sie fuhren auf den Hof. Der Herr trat ins Wohnhaus und schrie laut los: »Guten Abend!« Und der andere: »Der Abend sei gut!« Darauf schreit ihm der Hausherr ins Ohr: »Bist du schon lange taub?« Der Herr sagt: »Schrei nicht so, ich kann gut hören!«

»Auch ich kann hören.«

»Warum schreien wir dann so?«

»Na, der da hat gesagt, dass du nicht hören kannst!«

»Na, und mir hat er gesagt, dass du nicht hören kannst!«

»Du bist hinters Licht geführt - gib die fünfundzwanzig Rubel!« Und er nahm das Geld.

Als sie nun nach Vilnius zu einem anderen Herrn gekommen waren (das war sein Freund), da fragt dieser: »Da hast du also einen neuen Kutscher?«

»Aber du solltest mal sehen, was das für ein großer Lügner und Betrüger ist, wie der alle hinters Licht führt!« Da sagte der andere Herr: »Soll er's versuchen, mich zu betrügen!«

»Da hilft alles nichts - er wird dich doch reinlegen!«

»Ich will immer nur ›richtig‹ antworten, was er auch sagen wird.- Na«, sagt er, »wirst du mir was vorlügen?«

»Ich werde dir gar nichts vorlügen. Ich hatte gehört, dass es im Himmel sehr schön ist. Doch wie sollte man da hineinkommen? Weißt du, was ich mir da zu tun vornahm? Ich säte zuerst Hanf, dann wand ich mir Stricke und spannte sie bis zum Himmel.« Der Herr hörte sich das alles an. »Da fehlte mir noch ein gutes Stück. Was sollte ich machen? Ich schnitt unten was ab und band es oben an, und so stieg ich in den Himmel.«

Der Herr fragt: »Wie hast du es dort gefunden?«

»Geradeso wie du, Herr, es im Vaterunser betest: ›Wie im Himmel, also auch auf Erden.‹«

»Richtig. Na, und was macht man dort?«

»Sie pflügen, eggen, säen. Wer mehr arbeitet, der hat auch mehr. Doch mir lag daran, dass ich nach Hause zurückkehren konnte.«

»Aber wenn es da schön ist, warum wolltest du denn zurückkehren?«

»Ich bekam Sehnsucht nach Weib und Kindern.«

»Richtig, richtig!«

»Als ich so zurückklettere, fehlt es mir an Stricken: Da habe ich oben abgeschnitten und unten angebunden. Und ich gehe und gehe über die Felder nach Hause. Und ich kam auf deine Felder, lieber Herr. Das ganze Feld ist voller Schweine, und ein Hirtenjunge hütet da unter einem aufgespannten Schirm. Nun will ich nachsehen, wer da wohl die Schweine hütet. Und ich sehe: dein Vater, lieber Herr, sitzt bei den Schweinen!«

»Was lügst du da, mein Vater hat niemals die Schweine gehütet!«

Und er hatte von ihm hundert Rubel gewonnen.