[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Der Fuchs macht dem Wolf einen Zagel aus Hanf und Pech

Der Fuchs hatte von weitem zugesehen. Nur einmal kam der Wolf und hatte ihn, noch ehe er in seine Wohnung entrinnen konnte, am Kragen. »Halt, Treuloser, dein Leben hast du verwirkt. Aber bevor ich es dir antue, musst du mir meinen Zagel schaffen oder ich will dich mit tausend Martern zu Tode peinigen. O ich Unglückseliger«, jammerte er fort, »wie ist nun meine schöne Gestalt so geschändet!«

»Gevatter«, sprach der Fuchs, »wie tut Ihr mir doch so unrecht. Sagte ich Euch nicht, Ihr solltet nicht zu viele Fische fangen? Doch ich bin ja gewohnt, von Euch Unrecht zu leiden, und Ihr seid imstande und brechet auch den heiligen Eid! Für Euren Verlust weiß ich aber wohl Rat. Ich will Euch einen Zagel machen, wie nicht ein zweiter ist in der Welt, dass Ihr stolz sein werdet darauf, von siebenfacher Länge, wenn Ihr wollt, und viel buschiger!« Das hörte der Wolf mit Freuden und war, wie immer, wenn man ihm eine Ehre anstößt, gleich sanfter gestimmt. »So schaffet ihn nur bald, Gevatter!« Da lief der Fuchs ins Dorf und schlich auf den Aufboden eines Bauernhauses, wo er schon oft gewesen war, und nahm ein Bündel gehechelten Hanfs und brachte ihn dahin, wo der Wolf war, flocht daraus einen langen und dicken Zagel. Dann lief er zum Dorfsschuster und stahl ein Stück Pech. Mit diesem befestigte er den Zagel an seine Stelle und schmierte ihn ein, dass er glänzte. »So«, sprach der Fuchs, als er fertig war, »niemand kann sich jetzt rühmen, dass er einen längeren Zagel nachschleppe als Ihr.« Der Wolf freute sich dieser Ehre und hatte darüber der Schläge und seines grimmigen Hungers beinahe vergessen. Endlich erwachte dieser wieder. »Gevatter Fuchs, wenn Ihr mir nicht bald etwas zum Beißen schafft, so werde ich Euch mit meinen Zähnen küssen.«

»Geduldet Euch nur bis zur Abenddämmerung, dann sollt Ihr einmal essen wie noch nie in Eurem Leben. Der alte Andreas am Eck gibt morgen seinem Sohne Hochzeit. Er nimmt die Tochter von Tini Hanni Misch. Heute Abend ist Sträußchenbinden. Wenn die nun im Hause oben lustig sind, gehen wir in den Keller, und da ist Brot und Fleisch und Wein die Menge. Ich kenne Weg und Steg dahin ganz genau.«