[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Das ungewöhnliche Kind

Drei junge Schwestern wuschen einmal an einem Teich Wäsche. Da ging ein Jüngling vorüber. Die eine sagt: »Wenn mich der Jüngling heiratete, so würde ich mit einer Brotschnitte die ganze Sippe ernähren!« Die zweite sagt: »Und ich würde mit einer Elle Stoff die ganze Sippe bekleiden!« Die dritte sagt: »Ich will ein Kind zur Welt bringen, wie es kein zweites auf der Erde gibt!«

Der Jüngling hörte das und heiratete die, die das Kind gebären wollte.

Aber er musste fort zum Heer seiner Krieger. Er ging fort und ließ sie zurück. Und sie gebar ein Kind: Und die Sonne ruhte auf seiner Stirn, der Mond auf seinem Hinterhaupt, und es war ganz mit Sternen übersät. Ja, weißt du, sie wusste nun nicht, wie sie es anstellen sollte, wie sie ihm Nachricht geben sollte. Da schreibt sie ihm einen Brief, schreibt alles auf und schickt einen Diener an ihn ab.

Der geht bis zum Abend, kommt an ein Häuschen und bittet um ein Nachtlager. Er bittet also für sich um ein Nachtlager, legt das Brieflein bei sich auf den Tisch und erzählt, wohin er geht, zu welchem König. Doch die Hexe nimmt das Brieflein weg, schreibt, dass das Kind halb Hund und halb Katze ist. Weil der Bursche nicht lesen kann, nimmt er das Schreiben der Hexe und geht weiter. Na, und wieder kommt er an ein kleines Häuschen, geht hinein, um dort zu schlafen, und wieder legt er das Blatt auf den Tisch und legt sich nieder. Die Hexe schreibt wieder, dass das Kind so etwas wie Hund, Katze und Raubtier ist.

Er geht wieder, geht und geht. Er kommt zu dem König und sagt ihm, dass das Kind sehr schön ist. Da schaut der König aufmerksam in das Schreiben und sagt: »Wie es ist, so soll es bleiben, bis ich wiederkomme.« Na, er nimmt des Königs Antwortbrief. (»Sie soll ihm zu essen geben, soll es warten, bis ich zurückkomme.«)

Wieder geht er und geht, geht und geht. Er kommt an dasselbe Häuschen und legt sich nieder. Und die Hexe schreibt, dass der König befohlen hätte, es umzubringen. Er geht und geht -; da kommt er wieder an das Häuschen, wo er geschlafen hatte. Wieder legt er das Schreiben hin und legt sich nieder. Und wieder schreibt die Hexe, dass er befohlen habe, das Kind zum Vieh in einen Stall zu werfen, bis es tot ist. Na, so kommt er heim, sie sieht das Schreiben an: Er hat befohlen, das Kind zum Vieh in einen Stall zu werfen. Na, sie weiß gar nicht, wohin sie das Kind bringen soll. Sie wirft es zu den Gänsen: »Gänslein, liebe Gänslein, beißt mir mein Kindlein tot!«

»Wozu sollten wir es tot beißen? Wächst uns doch in ihm ein Hirte heran!« Sie wirft es zu den Kühen: »Kühe, liebe Kühe, zerdrückt mir mein Kindlein!«

»Wozu sollten wir es zerdrücken? Wächst uns doch in ihm ein Hirte heran!« Die dritte Nacht wirft sie es zu den Schweinen: »Schweinchen, liebe Schweinchen, fresst mir mein Kindlein auf!«

»Wozu sollten wir es fressen? Es wird unser Hirte!«

Nirgendwo erreicht sie, dass die Tiere ihr Kind fressen, sie alle schützen es.

Sie wirft es zu den Schäfchen. Die Schäfchen nehmen es unter ihre Wolle, wo es warm ist. Das Kind liegt da, als ob es so sein müsste. Was soll sie nun machen? Sie macht sich daran, einen kleinen Sarg zu fertigen, legt viele Kinderkleidchen hinein und auch, weil sie eine Königin ist, viel Geld, macht den Sarg oben aus Glas, trägt ihn zum Meer und setzt ihn dort auf das Wasser, sie setzt den Sarg aufs Meer. Und da kommt gerade ein Bettler auf seinem Bettelgang. Er sieht dort ein schönes Särglein. Und mit einem Stock holt der Bettler den kleinen Sarg ans Ufer. Er sieht - ein sehr schönes Kind. Da behielt er es und zog es schlecht und recht mit den ärmlichen Bissen auf, die er gerade hatte.

Na, und danach, weißt du, kommt der König nach Hause. Er kommt nach Hause, braut viel Bier und stellt zwei Fässer mit Haselnüssen auf: Wer alle diese Nüsse zählen kann, dem will er den königlichen Hof geben. Da geht auch der Alte dorthin. Er nimmt den Jungen mit und versteckt ihn hinter dem Ofen. Niemand kann die Nüsse zählen. Der Junge ruft: »Ich kann sie zählen!«

»Schweig, du Ofenhocker!« Der Herr ruft wiederum, wer die Haselnüsse zählen kann, dem will er den Hof übergeben. Der Junge schreit: »Ich kann sie zählen!« Der König hört das: »Komm und zähle sie!« Er kommt hervor, auf dem Kopf eine Bettlermütze, in zerrissenen Kleidern, und sagt: »Drei junge Schwestern wuschen Wäsche am Teich - zwei Nüsse. Da ging der König vorüber - zwei Nüsse. Die eine sagte: ›Wenn mich der Jüngling nähme, ich würde mit einer Schnitte Brot die ganze Sippe ernähren!‹ - zwei Nüsse. Und die zweite sagt, dass sie mit einer Elle Stoff die ganze Sippe kleiden will - zwei Nüsse. Aber die dritte sagt, dass sie ein Kind gebären will, wie es auf der Welt kein zweites gibt - zwei Nüsse. Und der Herr nahm die, welche das Kind gebären wollte - zwei Nüsse. Und der Herr zog aus, zum Heer der Krieger - zwei Nüsse. Sie gebar ein Kind. Das hatte die Sonne auf der Stirn, den Mond am Hinterhaupt, und es war ganz voller Sterne - zwei Nüsse. Sie schickte einen Diener zum Herrn - zwei Nüsse. Die Hexe schrieb, dass es halb Hund, halb Katze sei - zwei Nüsse. Der Herr schrieb, dass sie es nähren und pflegen solle - zwei Nüsse.

Doch die Hexe schrieb, dass sie es zum Vieh in die Ställe werfen solle - zwei Nüsse. Die Mutter warf es in den Stall zu den Gänsen: ›Gänslein, liebe Gänslein, beißt mir mein Kindlein tot!‹ - zwei Nüsse. Sie warf es zu den Kühen: ›Kühe, meine lieben Kühe, zerdrückt mir mein Kindlein!‹ - zwei Nüsse. Sie warf es zu den Schweinen, dass sie es auffressen sollten - zwei Nüsse. Kein Tier frisst es auf, keins zerdrückt es - zwei Nüsse. Da machte sie einen kleinen Sarg - zwei Nüsse. Unten aus Holz, oben aus Glas - zwei Nüsse. Sie legte Geld hinein - zwei Nüsse. Der Bettler zog den kleinen Sarg heraus - zwei Nüsse. Der Herr kam heim vom Heere der Krieger - zwei Nüsse. Der Herr braute Bier - zwei Nüsse. Es kamen viele Menschen gefahren - zwei Nüsse. Das Kind steckten sie hinter den Ofen - zwei Nüsse. Der gute Bettler wollte nicht, dass es auch dahin ginge - zwei Nüsse. Der Herr hatte gesagt: ›Wer die Nüsse zählt, dem gebe ich den Königshof!‹ - zwei Nüsse. Die Herren wurden alle böse, dass das Kind zählt - zwei Nüsse...«

Da nimmt der Knabe die Bettlermütze ab - und alle sehen, wie wunderbar schön er ist! Der Herr nahm das Kind voller Freude auf den Arm. Und er gab ihm alles.

Auch ich bin dabei gewesen und habe Bier getrunken. Das Fett ist mir über den Bart geflossen, doch im Munde habe ich kein Häppchen gehabt.