[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Das Katerchen, der Hund und das Pferd

Ein Bauer hatte ein bunt gestreiftes Katerchen. Das aber wurde bald alt. Da jagte es der Bauer aus dem Haus. Weinend ging das Katerchen durch den Wald und klagte: »Wo soll ich nun bleiben? Solange ich jung war, haben mich alle gestreichelt. Jeder sagte, das Katerchen ist gut. Als ich aber alt geworden war, konnte mich auch der Bauer nicht mehr leiden und jagte mich aus dem Hause. Hätte ich das vorher gewusst, ich hätte alles etwas klüger angefangen. Ich hätte dem Bauern das Geld stibitzt; jetzt im Alter könnt' ich's brauchen!«

Plötzlich kam ein Hund angerannt. Der fragt: »Was jammerst du da?«

»Was soll ich nicht jammern? Bei einem Bauern war ich, war da mein ganzes Leben lang, und nicht einmal Lohn hat er mir gezahlt.« Sie trennten sich; der Hund rannte weiter.

Wie er so dahinjagt, begegnet ihm der Wolf. Der Wolf fragt: »Wohin rennst du so eilig?« Der Hund sagt: »Bei einem Herrn habe ich gedient. Nun bin ich alt geworden, da hat er mich aus dem Haus gejagt. Jetzt weiß ich nicht, wo ich bleiben soll.« Da sagt der Wolf: »Hund, komm mit, ich werde dir zeigen, wie man Pferde reißt!«

Sie gingen zu einem Pferd. Der Wolf ging um das Pferd herum, blies sich auf und fragte den Hund: »Ist mein Schwanz aufgeblasen?«

»Ja, aufgeblasen.«

»Ist er gesträubt?«

»Ja, gesträubt.«

»Sind die Augen verdreht?«

»Ja, verdreht.« Da packte der Wolf das Pferd an der Gurgel und riss es. Wolf und Hund fraßen das Pferd ganz auf. Dann trennten sie sich.

Der Wolf ging seines Weges dahin, doch der Hund rannte durchs Gestrüpp. Hier begegnet er wieder demselben Kater und sagt zu ihm: »Katerchen, komm mit, ich werde dir zeigen, wie man Pferde reißt.« Der Hund brachte den Kater zu einem Pferd. Er geht dreimal um das Pferd und fragt: »Ist mein Fell gesträubt?« Der Kater sagt: »Weder gesträubt noch sonst was.« Der Hund bläst sich wieder auf und fragt: »Ist mein Schwanz aufgebläht?«

»Weder aufgebläht noch sonst was.« Wieder bläst sich der Hund auf und fragt: »Sind meine Augen verdreht?«

»Weder verdreht noch sonst was.« Da packte der Hund das Pferd an den Fesseln. Doch das Pferd schlug aus, dem Hund gerade in die Zähne - und tot war er. Der Kater spaziert um den Hund herum und meint: »Jetzt wäre auch dein Fell gesträubt, dein Schwanz wäre aufgebläht und deine Augen wären verdreht, doch nun bist du leider tot.«

Und der Kater zog eilig seines Weges davon.