[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Das Kälbchen

Es war einmal ein Alter mit seiner Alten, und sie hatten ein Kälbchen. Der Alte säte am Rande des Waldes Hafer. Aber der Hafer lockte den Fuchs und den Hasen, den Bären und auch den Wolf herbei. Und sie fraßen und fraßen den Hafer bis auf die Stoppeln ab. Der Alte ging hin und schaute sich um: »Weißt du. Alte«, sagt er, »vom Hafer ist nicht einmal ein Hähnchen geblieben! Ganz abgefressen!« Sagt das Kälbchen: »Wisst ihr was? Ich werde sie euch alle fangen! Alle bösen Tiere werde ich fangen! Ihr müsst mich nur ganz mit Teer bestreichen!« Sie bestrichen das Kälbchen mit Teer. Da ging es zum Hafer und hockte sich nieder. Und es fängt an zu singen: »Wer nur rennt herum hier,
Wer nur kriecht herum da
Auf dem Haferfeld bei mir?
Wenn ich komm', ist's aus mit ihm!
Wenn ich komm', so schnapp' ich ihn!«
Aber gleich antwortet der Bär mit tiefer Stimme: »Ich renn' hier herum,
Ich kriech' da herum
Auf dem Haferfeld bei dir.
Wenn ich komm', zerreiß' ich dich!«
Sogleich stürzte er sich auf das Kälbchen, blieb aber an ihm kleben. So brachte das Kälbchen nun dem Alten den Bären angeschleppt. »Alter, sperr ihn ein!« Und wieder läuft das Kälbchen zum Haferfeld, und wieder singt es: »Wer nur rennt herum hier,
Wer nur kriecht herum da
Auf dem Haferfeld bei mir?«
Da sagte der Wolf: »Ich renn' hier herum,
Ich kriech' da herum
Auf dem Haferfeld bei dir.
Wenn ich komme, werd' ich dich fressen!«
Als sich der Wolf auf das Kälbchen stürzte, blieb er an ihm kleben. Und schon schleifte ihn das Kälbchen weg, schleppte ihn zum Alten. »Alter, sperr ihn ein!« Der Alte sperrte den Wolf ein. Wieder geht das Kälbchen los, wieder singt es: »Wer nur rennt herum hier,
Wer nur kriecht herum da
Auf dem Haferfeld bei mir?
Gleich so hab' ich ihn!«
Nun das Füchslein: »Ich renn' hier herum,
Ich kriech' da herum
Auf dem Haferfeld bei dir.
Ich komm' hin zu dir und werd' dich fressen!«
Als es sich nun auf das Kälbchen stürzte, blieb das Füchslein an ihm hängen. Nun schleppt das Kälbchen auch das Füchslein hin zum Alten. »Alter, sperr das Füchslein gut ein, denn das Füchslein ist sehr schlau, - dass es nicht ausreißen kann!« Und der Alte sperrte es ein. Wieder zieht das Kälbchen los, und wieder singt es: »Wer nur rennt herum hier,
Wer nur kriecht herum da
Auf dem Haferfeld bei mir?
Gleich so hab' ich ihn!«
Darauf das Häschen: »Ich renn' hier herum,
Ich kriech' da herum
Auf dem Haferfeld bei dir.
Wenn ich fliege auf dich, dann weh dir - oh!
In kleinste Bissen zerreiß' ich dich!«
Na, es kam angestürzt und - blieb auch kleben. Das Kälbchen schleppte es auch nach Hause zu dem Alten. Der Alte sperrte es ein. Er fragt: »Was werden wir mit ihnen anfangen?«

»Schlachten!«

Der Alte zog mit der Alten los. Sie nahmen einen Trog mit, einen Wetzstein und mehrere Messer. Der Alte nimmt ein Messer, greift zum Wetzstein und wetzt es. Und das Kälbchen steht dabei und singt: »Wetzet schon, wetzet der Opa sein Messerchen,
Spület schon, spület die Oma ihr Trögelein.
Schlacht't den Bären ab,
Schlacht't den Bären ab!«
Und der Bär lauscht. Und wieder ertönt das Lied: »Wetzet schon, wetzet der Opa sein Messerchen,
Spület schon, spület die Oma ihr Trögelein.
Schlacht't den Bären ab,
Schlacht't den Bären ab!«
Der Bär im Stall lauscht: »Opalein, Opalein,
Schlacht' du mich doch nicht!
Dafür treib' ich her dir
Voll die Ställe von Schweinen.«
Nun, der Alte ließ den Bären wirklich heraus. Der Bär ging fort und trieb einen ganzen Stall voll Mastschweine herbei. Da gab der Alte den Bären frei.

Jetzt steht das Kälbchen wieder da und sagt: »Wetzet schon, wetzet der Opa sein Messerchen,
Spület schon, spület die Oma ihr Trögelein.
Schlacht't das Wölflein ab,
Schlacht't das Wölflein ab!« -
»Opalein, Opalein,
Schlacht' du mich doch nicht!
Dafür treib' ich her dir
Voll von Rößlein die Stall'.«
Da ließ er den Wolf heraus. Der Wolf trottete fort und trieb ihm einen ganzen Stall voll Pferde herbei. Schön! Der Alte ist nun schon reich: Mastschweine hat er, und Pferde hat er. Jetzt ist das Füchslein dran.

Und das Kälbchen sagt wieder: »Wetzet schon, wetzet der Opa sein Messerchen,
Spület schon, spület die Oma ihr Trögelein.
Schlacht't das Füchslein ab,
Schlacht't das Füchslein ab!« -
»Opalein, Opalein,
Schlacht' du mich doch nicht!
Dafür treib' ich her dir
Voll alle Stangen
Mit weißen Hühnlein.«
Der Alte ließ das Füchslein heraus. »Geh du, treibe mir Hühnlein herbei!« Nun stürzte das Füchslein sofort auf einen Hof. Es fing und fing Hühnlein und brachte der Alten die ganzen Stangen voll, voll von allerlei weißen Hühnlein. Gut! Jetzt gab er auch das Füchslein frei.

Nun blieb nur noch der Hase übrig. »Wetzet schon, wetzet der Opa sein Messerchen,
Spület schon, spület die Oma ihr Trögelein.
Schlacht't das Häslein ab,
Schlacht't das Häslein ab!«
»Opalein, Opalein,
Schlacht' du mich doch nicht!
Dafür bring' ich dir
Voller Kleider deinen Speicher.«
Na, da ließ der Alte auch das Häslein heraus. Und der Hase läuft! Er läuft - was sollte er wohl anderes machen - auf einen Hof. Und da - eine Hochzeit! Er springt in den Hausflur: Die Männer tanzen, die Knechte, die Mägde. Nun, so tanzt er auch. Er tanzt und sagt: »Gebt mir, gebt mir
Doch ein Mützlein klein,
Ich tanz' mit euch dann schöner
Als die Mägdlein.
Gebt mir, gebt mir
Doch ein Mützlein klein,
Ich tanz' mit euch dann schöner
Als die Mägdlein.«
Sie gaben ihm eine Mütze. Nun tanzt er mit der Mütze: »Gebt mir, gebt mir
Doch ein schönes Jäcklein,
Ich tanz' mit euch dann schöner
Als die Mägdlein.«
Da gaben sie ihm eine Jacke. »Gebt mir, gebt mir
Doch auch Stiefelein noch,
Ich tanz' mit euch dann schöner
Als die Mägdlein.«
Auch Stiefel gaben sie ihm. Nun hatte er schon Stiefel an den Füßen, eine Jacke auf dem Leibe, eine Mütze auf dem Kopf - und tanzt und sagt wieder: »Gebt mir, gebt mir
Doch 'nen Arbeitskittel,
Ich tanz' mit euch dann schöner
Als die Knechte.«
Und sie gaben ihm einen Arbeitskittel aus Flicken. »Gebt mir, gebt mir
Doch auch ein Jackett fein,
Ich tanz' mit euch dann schöner
Als die Knechte.«
Auch ein Jackett gaben sie ihm. »Gebt mir, gebt mir
Doch Pantöfflein,
Ich tanz' mit euch dann schöner
Als die Knechte.«
Nun gaben sie ihm auch Pantoffeln. Da zog der Hase mit den Pantoffeln und allen Kleidern los. Alles brachte er dem Alten. So hatte der Alte nun Kleider, Mastschweine und Rosse.

Reich war er geworden, der Alte.