[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Das glückliche Kind

Es lebte einmal ein armes Männlein - das war sehr, sehr arm. Und ein Händler fuhr in den Dörfern umher und kam auch zu dem armen Mann, um bei ihm zu übernachten. Er bat diesen Allerärmsten und blieb über Nacht. Doch in dieser Nacht sollte die Frau des Armen ein Söhnlein gebären, und es kam ein Engel, und der sprach und verkündete: »Wenn er in dieser Stunde geboren wird, wird er ein Räuber; wenn er in der anderen Stunde geboren wird, dann wird er ein Dieb; wenn er aber in jener Stunde geboren wird, dann wird er von Gott gesegnet sein: Was er von Gott erbitten wird, das wird Gott ihm geben.«

Und das Söhnlein wurde in der Stunde geboren, von der der Engel verkündet hatte, »er wird gesegnet sein«. Da wollte der Händler selbst das Kindlein noch zur selben Stunde zur Taufe fahren. Er erbot sich, das Kindlein zu fahren. Da bat der Arme eine Taufpatin und ließ das Kindlein auf ihren Armen mit dem Kaufmann zur Taufe fahren.

Als das Kindlein getauft war, begaben sie sich auf den Heimweg, doch der Kaufmann machte die Taufpatin betrunken. Er packte einen Enterich, wickelte den der Taufpatin statt des Söhnleins in Windeln und steckte das Kindlein in die Höhlung eines Baumes. Und sie brachten der Mutter einen kleinen Enterich nach Hause, nicht das Kindlein. Die Mutter war von tiefem Schmerz ergriffen, doch der Händler holte sich das kleine Kind aus der Baumhöhle und fuhr mit ihm nach Hause. Da wurde er so reich, dass er nicht mehr wusste, wie groß sein Vermögen war.

Seine Frau fragte ihn: »Woher hast du dieses Kindlein zu uns gebracht?«

»Das kann ich dir nicht sagen. Wenn wir dieses Kindlein nicht hätten, wären wir nicht so reich.« Doch seine Frau hörte nicht auf zu fragen, woher das Kindlein gekommen war. Da zündete der Kaufmann eine Kerze an, als das Kind schlief, und hielt die Flamme an seine Fußsohlen, um zu sehen, ob es wirklich schliefe. Aber Gott hatte dem Kind eine solche Standhaftigkeit gegeben, dass es so tat, als ob es schliefe.

Es hörte den Herrn sagen, er sei nicht ihr Söhnchen, und als es nicht aufwachte, erzählte der Kaufmann seiner Frau, dass er auf seiner Fahrt bei einem armen Mann übernachtet habe und dass die Mutter in jener Nacht das Kindchen gebären sollte. Und es sei ein Engel ans Fenster gekommen und hätte gesagt: »Wenn er in dieser Stunde geboren wird, wird er ein Räuber; wenn er in der anderen Stunde geboren wird, dann wird er ein Dieb; wenn aber in jener, dann wird er von Gott gesegnet sein.« Der Händler: »Als ich den Engel so sprechen hörte, da bat ich, das Kindlein zur Taufe fahren zu dürfen. Der Arme bat eine Taufpatin, wir fuhren es hin und tauften es. Als das Söhnchen getauft war, machten wir uns auf den Heimweg. Da fing ich einen kleinen Enterich und wickelte den für die Taufpatin in Windeln. Und sie fuhr den kleinen Enterich als Söhnchen nach Hause. Doch das Kindchen hatte ich in die Höhlung eines Baumes gelegt. Als ich den kleinen Enterich hingefahren hatte, kehrte ich zurück, nahm das Kindlein aus der Baumhöhle und fuhr mit ihm zu uns nach Hause. Deshalb sind wir nun so reich. Was dieses Kindlein haben möchte, das gibt Gott ihm alles.«

Als das Kindlein hörte, was der Kaufmann zu seiner Frau sprach, dass er alles von Gott erbitten könne, da stand er auf, als der Kaufmann und seine Frau eingeschlafen waren, ging hinaus aufs Feld, erhob seine Augen zum Himmel und sprach: »dass Gott mir doch schöne Kleider, ein schönes Pferd und einen schönen Apfelbaum geben möchte!« Und schon gab ihm der Herrgott schöne Kleider, ein schönes Pferd und einen schönen Apfelbaum: silbern waren seine Blättlein und golden seine Äpfelchen.

Da zog das Kindlein die schönen Kleider an, stieg auf das Pferd, ritt durch die Dörfer und fragte überall. Wo er in ein Dorf kam, da folgte ihm auch der schöne Apfelbaum. Wenn er sich einem Dorf nähert, kommen alle heraus, ihn anzuschauen, und sie sagen: »Das Herrlein ist schön wie ein Herrlein, das Pferd ist schön wie ein Pferd, aber das Apfelbäumlein, das ist ein Wunder!« Und er sagt zu ihnen: »Das ist für euch schon ein Wunder! Aber für mich ist es ein Wunder, dass eine Frau ein Söhnchen geboren haben soll, das zu einem kleinen Enterich geworden ist. Das ist für mich ein Wunder!«

»O ja«, sagen sie, »auch wir haben davon gehört!« Und so ritt er durch Dörfer und Städte, und alle lieben Menschen, die herausgekommen waren, sagten: »Das Herrlein ist schön wie ein Herrlein, das Pferd ist schön wie ein Pferd, aber das Apfelbäumlein, das ist ein Wunder!«

Und einmal sagten sie, dass das Dorf nicht weit wäre, wo das Wunder geschehen sei.

Als er in das Dorf geritten kam, liefen alle Menschen heraus und sagten: »Das Herrlein ist schön wie ein Herrlein, das Pferd ist schön wie ein Pferd, aber das Apfelbäumlein, das ist ein Wunder!«

»Das ist für euch ein Wunder! Aber für mich ist es ein Wunder, dass eine Frau ein Söhnchen geboren haben soll, das zu einem Enterich geworden ist. Das ist für mich ein Wunder!« Da sagten sie: »Das ist in unserem Dorf so geschehen!« Da ließ er die Mutter mit dem kleinen Enterich rufen, befahl, den kleinen Enterich zu schlachten und sagte zu ihnen: »Ich bin euer Söhnlein.« Und er erzählte alles, was geschehen war. Da herrschte dort eine große Freude, dass er zu seinen lieben Eltern zurückgekehrt war.

Auch ich bin dabei gewesen, Honig und Wein habe ich getrunken, im Munde habe ich nichts gehabt, über meinen Bart ist es mir geflossen. Auf dem Ofenbesen bin ich gefahren, im Bastschuh habe ich das Geld fortgeschafft. Mein Geld wurde verstreut. Euer Ehren haben es aufgesammelt und sich eine Jacke gekauft. Jetzt gebt sie mir heraus!