[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Culai

I

Es war einmal ein Mann, der hatte vierundzwanzig Söhne, schlank wie die Tannen und tapfer wie die Mutter des Feuers, einer wie der andere. Der jüngste war der klügste und der beherzteste unter ihnen, und deshalb war er den Eltern am liebsten. Er hieß Culai.

Eines Abends, als sich Culai mit seinen Brüdern besprach, sagte er zu ihnen: »Ihr Lieben, warum heiratet ihr nicht? Seht ihr nicht, dass eure Zeit immer mehr vergeht? Und gebt auch mir den Weg frei, denn vor euch kann ich mich doch nicht verheiraten.« Und es antwortete ihm der älteste: »Ohne den Willen der Eltern können wir so etwas nicht tun, und, um dir die Wahrheit zu sagen, Culai, wir schämen uns, es ihnen zu sagen.«

»So steht die Sache? Lasst nur, ich sage es ihnen; macht euch keine Sorge mehr deswegen. Heute Abend, wenn wir uns zu Tisch setzen, erhebt euch nicht zu bald, sondern wartet, bis ich anfange zu sprechen und, einmal begonnen, werdet auch ihr noch das eine oder das andere Wort dazu sagen.«

Endlich kam der Abend. Sie saßen zusammen um den Tisch, und als sie sich erheben wollten, sagte Culai. zu seiner Mutter: »Mütterchen, nimm die Bestecke vom Tisch, bleiben wir aber alle miteinander da sitzen, denn ich will euch etwas sagen.«

»Sprich, Culaichen, Mutterliebling!«

»Bei Gott, Vater und Mutter, ich wundere mich sehr, weshalb ihr unsern großen Bruder nicht verheiratet; denn auch ich bin schon ein heiratsfähiger Bursche geworden, bei unserm ältesten Bruder aber dauert es nicht mehr lange, dass seine Jugend in den Herbst übergeht.« Sein Vater aber antwortete ihnen: »Verheiratet euch, Lieblinge des Vaters; wir werden euch nicht hindern daran; im Gegenteil, wir würden uns freuen. Sucht euch doch Bräute!«

»Wo habt ihr noch je dieses Wunder gesehen, Väterchen, dass sie sich selbst die Bräute suchen! Es gehört sich, dass sie dorthin gehen, wohin; ihr sie schickt«, sagte Culai. »Nun, wenn du es sagst, Culai, dann will ich gehen, um ihnen Bräute zu suchen, damit ich ihnen die gebratenen Tauben in den Mund fliegen lasse; aber welche Richtung soll ich einschlagen, damit ich nicht nutzlos herumgehe?«

»Vater, setzt euch auf mein Pferd und reitet nach Sonnenuntergang, denn dort liegen die Dörfer dichter beieinander. Seht, dort werdet ihr in einen Wald kommen und auf einer Wiese rasten. Da werdet ihr das Pferd anseilen und ein kleines Feuer machen, Tabak in die Pfeife füllen und den Kopf an das Sattelpolster lehnen. Gegen Mitternacht wird einer kommen, der wird anfangen zu schreien: Du So-und-so, warum weidest du auf meinem Gras, warum verbrennst du meinen Wald... Ihr sollt euch nicht mucksen, denn das ist der Böse, und ihr kommt sonst nicht mehr von dort zurück, ebenso wenig wie aus dem Höllenschlund!«

Sein Vater brach auf, und nachdem er eine Zeitlang geritten war, gelangte er auf die Wiese. Er tat alles, was ihn Culai gelehrt hatte, denn dieser Knabe war prophetisch auf seine Weise, und als der Böse zu schreien begann, schwieg er mäuschenstill. Der Teufel brüllte, bis die Hähne krähten, dann verschwand er in der Nacht.

Als es gegen Tag hell wurde, kam der Mann aus dem Wald heraus und sah einen Pfarrer mit vierundzwanzig Mädchen, die schnitten das Korn an einer Berglehne. Er ging rasch auf ihn zu und sagte: »Guten Morgen, Gevatter!«

»Ich danke euch, Gevatter!«

»Heute ist doch Sonntag, und euer Heiligkeit arbeitet?« fragte der Rumäne. »Was soll ich tun, ehrenwerter Wanderer, womit soll ich diese Schar erhalten, wenn ich nicht auch an Feiertagen arbeiten würde? Ich arbeite mit den Mädchen, die Pfarrfrau aber ist zu Hause geblieben, um uns das Essen zu bereiten. Sieh, da kommt sie auch.« Der Pfarrer schickte ihr zwei Mädchen entgegen, damit ihr die eine die Töpfe mit der Kleiensuppe, die andere den Maisbrei abnehme.

Als das Mittagessen gekommen war, setzten sie sich zu Tisch; sie baten auch unsern Mann dazu. Er setzte sich zwischen den Pfarrer und die Pfarrfrau, die Mädchen ringsherum. Als sie alle geschmaust hatten, fragte der Mann den Pfarrer: »Welche von euren Töchtern ist zum Heiraten, Pfarrer?« Der Pfarrer antwortete: »So viele du hier siehst, von der rechten bis zur linken Hand.«

»Ich habe vierundzwanzig Söhne und euer Heiligkeit hat vierundzwanzig Töchter. Verschwägern wir uns, und, damit wir uns nur einmal die Ausgaben machen, richten wir für alle die Hochzeit am selben Tag!«

»Sehr gut, Gevatter, wenn nur die Burschen Gefallen an ihnen finden, und wenn du das meinst, so komm nur am soundsovielten Sonntag, dann sind wir bereit.«

»Wie sollen sie den Kerlen nicht gefallen, ich sehe doch die Mädchen; Hausfrauen in jeder Hinsicht und sehr sauber!«

So blieb es also dabei, dass der Pfarrer die Hochzeit vorbereiten sollte, und unser Mann kehrte nach Hause zurück.

Als die vom Pfarrer bestimmte Zeit da war, spannte jeder von den Burschen die Ochsen vor seinen Wagen, und sie brachen auf, um Hochzeit zu machen und das Heiratsgut und die Bräute einzuholen. Culai ging nicht mit, und an seiner statt fuhr sein Vater mit dem Wagen.

Sie gingen, so weit sie eben gegangen sein mögen, und übernachteten im Wald auf derselben Wiese, wo ihr Vater geschlafen hatte. Der Böse begann, wie es seine Art ist, zu schreien, dass der Wald erdröhnte, aber alle blieben mäuschenstill, und so kamen sie an diesem Abend mit heiler Haut davon.

Am nächsten Tag kamen sie ins Dorf, wo die Mädchen wohnten, feierten eine üppige Hochzeit mit vierundzwanzig Musikanten, je einem für jeden Burschen, und am dritten Tag gegen Abend luden sie das Heiratsgut auf, nahmen ihre Frauen und brachen wieder auf, nach ihrem Heimatdorf. Als sie im Wald neben der Wiese angekommen waren, war es schon ziemlich dunkel geworden, und so beschlossen sie, die Nacht dort zuzubringen.

Um ein, zwei Uhr nachts begann der Teufel zu schreien und sich durch den Wald zu treiben: »He, Vasile, he, Ioan, was heißt das, ist hier ein Einkehrplatz? Ist es nicht eine Gottessünde, dass ihr hier auf meinem Gras abweidet!« - und so fluchte er lange weiter. Der älteste Bruder, müde, wie er noch von der Hochzeit war, konnte sich nicht mehr beherrschen und rief in den Wind, da er niemanden sehen konnte: »Heda, halt einmal dein Maul; damit ich ruhen kann!« Aber da wuchs auch schon in einem Augenblick eine hohe Mauer bis zu den Fackeln des Himmels rings um die Wiese, und der Böse tauchte vor ihnen auf und verhöhnte sie: »Ah, nun seid ihr mir in die Hände gefallen! Was gebt ihr mir, wenn ich euch den Weg von hier freigebe?« Sie wollten ihm vom Hochzeitsgut geben, Ochsen oder anderes, aber der Teufel sagte ihnen, darüber gebe es gar nichts mehr zu verhandeln. »Gebt mir, was ihr am liebsten habt, gebt mir den Culai!« Sein Vater begann zu weinen. Schließlich wussten sie nicht mehr aus noch ein und versprachen es dem Teufel schriftlich. Sofort fielen die Mauern, und es bereitete sich vor ihnen die Wiese aus.

Aber Culai hatte dieses zu Hause gespürt und kam ihnen mit traurigem Herzen entgegen. Er sah seine Braut und küsste sie, dann sagte er zu seinen Brüdern und zu seinem Vater: »Ich gehe dorthin, wohin ich gehen muss. Wenn ich innerhalb eines Jahres nicht zurückkehre, so wisst, dass wir uns niemals wieder sehen werden; dann kann meine Frau tun, was sie will.«

Schließlich trennten sie sich mit Tränen in den Augen: sie gingen heimwärts.

Culai aber ging zur Wohnstätte des Teufels.

II

Als er beim Bösen ankam, sagte ihm dieser, dass er hinfort jede Hoffnung auf eine Rückkehr fahren lassen solle, hier würden seine Knochen faulen, denn seine Brüder, und sein Vater hätten ihn auf Lebenszeit und auch für die Zeit nach seinem Tode ihm geschenkt. Schließlich befahl er ihm, folgsam zu sein und ergeben und sanft wie ein Lamm, sonst würde er es schwer haben. Hierauf rief Scaraótzki seine Tochter und sagte: »Sieh, Culai ist gekommen. Geh, richte ihm etwas zum Essen, denn er wird hungrig sein vom langen Weg.« Das Mädchen gab ihm zu essen, und als sie ihn so immerzu ansah, begann die Liebe sie ins Herz zu zwicken, denn Culai war ein unsäglich hübsches Bürschchen mit einem sehr kühnen Blick. Das Mädchen sagte nichts an diesem Tag, aber am nächsten Tag, als ihr Vater nicht zu Hause war, lauerte sie ihm auf, sah voller Süßigkeit in die Augen Culais und sägte: »Du bist sehr schön, Culai, und ich habe dich sehr lieb. Wenn du dich darauf einlässt, mich zu lieben, dann kommst du hier mit dem Leben davon, wenn nicht, dann Lass die Hoffnung fahren, denn mein Vater hat einen großen Zorn auf dich.« Dem Culai gefiel das Mädchen des Bösen, besonders da sie Teufelsaugen hatte und eine zarte braune Haut, so dass er sich nicht lange bitten ließ, zumal er ja sein Leben in Gefahr wüsste. So lebte er also dort, auf der einen Seite vom Teufel misshandelt, auf der andern von dem Mädchen verwöhnt und verhätschelt mit den besten Speisen.

Eines Tages rief ihn Scaraótzki und sagte zu ihm: »Siehst du dort vor dir die beiden waldigen Berge?«

»Wie sollte ich sie nicht sehen?«

»Holze den ganzen Wald ab und schichte ihn in Klaftern, Lindenholz auf die eine, Buchenholz auf die andere Seite; rode die Baumstümpfe aus und pflüge; dann säe und ernte, drisch und mahle, und morgen in der Frühe sollst du mir das Brot bringen, warm, wie du es im Morgengrauen aus dem Ofen gezogen hast. Hast du verstanden? Schaffst du es nicht, so wird dein Kopf dort liegen, wo deine Füße stehen.« Er blieb traurig zurück, denn wie sollte er so etwas zustande bringen können!

Als er sich aber dem Mädchen anvertraute, sprach es zu ihn: »Trink und iß, Lieber, mach dir keinem Sorgen!« Dann knallte sie mit einer langen Peitsche, bis dass Teufel kamen, so viel nur die Welt fassen kann, und bis zum Morgengrauen hatten sie alles vollbracht.

Am nächsten Tag blickte der Böse erstaunt auf das Brot und sagte: »Schön, Culai, jetzt sehe ich, dass du ein tüchtiger Mensch bist, deshalb gebe ich dir noch einen Befehl; gib Acht, denn ich verstehe keinen Spaß! Pflanze mir einen goldenen Weinberg, lies die Früchte, fülle mir sechs Fässer mit Most und sechs mit gegorenem Wein, so dass ich bei Tisch sitzen kann mit Brot aus dem Morgengrauen und mit Wein vom Sonnenuntergang und zum Schluss Trauben essen kann.«

Nachdem er diesen Befehl gegeben hatte, trat Scaraótzki ins Haus und legte sich schlafen. Als Culai das dem Mädchen erzählt, hatte, setzten sie sich beide ohne jede Sorge zum Schmausen hin, das Teufelsvolk der ganzen Erde aber, von dem Mädchen herbeigerufen, tat nach dem Wunsch des Bösen. Als der Teufel erwachte und den Wein in Fässern sah, wurde er nachdenklich, doch er sagte nichts; vor allem aber merkte er, dass seine Tochter mit zärtlichen Augen auf den Burschen sah.

Eines Tages, als der Böse mit seiner Tochter sprach, sagte er: »Mädchen, ich werde den Culai schlachten, denn seine Arbeit ist mir zu nichts nütze, seine Seele aber kann ich brauchen.« Das Mädchen antwortete: »Vater, du bist alt und närrisch, du hast keinen Verstand mehr im Kopf, du bist scheinbar kindisch geworden. Weißt du denn nicht, dass ich ihn liebe?« Als Scaraótzki sah, dass es ernst wurde, und dass das Mädchen begann, ihm schon die Totenklage anzustimmen wegen des Culai, entschloss er sich, diesen auf andere Weise zu verderben. Er rief ihn zu sich und befahl ihm: »Geh zum Grillenkaiser und bring mir seine Tochter als Gemahlin. Hast du verstanden?«

»Ich gehe, wie du befiehlst. Gib mir nur Geld mit für meine Ausgaben«, sagte Culai.

Als das Mädchen das hörte, begann sie im Hof mit lauter Stimme zu jammern, dann rief sie den Culai beiseite und sagte: »Schwöre, dass du mich lieb hast, denn nur so kommst du heil aus der Not zurück, in die dich mein heidnischer Vater geschickt hat. Stelle dich auf die Kohlenglut und sage; du sollst meine Geliebte sein bis zum Tode und ich der deine bis zum Tod!« Culai fügte sich wohl oder übel. Nun salbte ihn das Mädchen mit einem verzauberten Schwamm, dass keine Zauberkünste ihm etwas anhaben konnten, küsste und liebkoste ihn, dann riet sie ihm, er solle jeden Menschen, dem er am Wege begegnen würde, als Begleiter mitnehmen, denn es werde zu seinem Nutzen sein.

Hierauf machte sich unser Held auf den Weg.

Als er hinaus auf die Lichtung trat, sah er das Wunder der Wunder: vierundzwanzig Pflüge ackerten auf einer Hochebene, und weit hinter den Pflügen folgte ihnen ein Ungeheuer von einem Menschen, das haufenweise alle Erdschollen verschlang und immerzu mit lauter Stimme schrie, es gehe vor Hunger zugrunde. Als es sich Culai näherte, fragte er es: »Bist du vielleicht der unersättliche Nimmersatt, dass du Feldsteine verschlingst, als ob es Knödel wären?«

»Ich bin es, lieber Culai, aber wo bist du hergekommen?«

»Ich gehe zum Grillenkaiser und soll da um seine Tochter anhalten für meinen Herrn, den Bösen.«

»Nimm mich mit, vielleicht bin ich dir zu etwas nütze.«

»Komm, wenn du willst, damit ich einen Weggenossen habe, denn ich sterbe vor Langeweile, und die Gedanken peinigen mich, wenn ich allein reise.«

Als sie ein Stück Weges gegangen waren, stießen sie auf eine andere menschliche Missgeburt, die die Bäche und Teiche trockenlegte - ich bitte euch, sie trank das Wasser mit allem Gewürm und Gewächsen, ohne hinzusehen, so dass die Erde trocken zurückblieb wie in der Dürrezeit! »Sicherlich musst du der Schlürfvolldurst sein!«

»Der bin ich, lieber Culai. Nimm auch mich als Weggenossen mit, weißt du denn, ob ich dir nicht vielleicht behilflich sein kann?« Culai nahm auch diesen mit, und sie machten sich wieder auf den Weg.

Als sie weiterkamen, stießen sie neben einem Wassergraben auf ein anderes Ungetüm, das mühte sich immerzu, in der Hand einen Bogen zu spannen. »Was tust du dort, Menschenskind?« fragten ihn alle, und er antwortete zornig: »Seht, mich ärgert eine Teufelsmücke: einmal kommt sie hinter dem Mond hervor, dann versteckt sie sich wieder, so dass ich nicht nach ihr schießen kann.« Dies war nämlich der Zielegut, und weil ihn eine Stechmücke gestochen hatte, wollte er sie töten; die arme Mücke aber war vor Angst zum Mond hinauf geflogen. »Komm auch du mit uns, Zielegut!« sagte Culai. »Warum sollte ich nicht, ich wollte dich schon selbst bitten, dass du mich mitnimmst. Ich könnte dir bei der Hochzeit Wasser im Sieb oder Holz mit dem Bratspieß zuführen, oder gehst du vielleicht für andere werben und nicht für dich?«

Sie gingen zu viert weiter und waren noch nicht viel gegangen, als sie auf einer Ebene ein altes Weib herumlaufen sahen, der waren vierundzwanzig Mühlsteine an den einen und vierundzwanzig an den andern Fuß gebunden, und so sprang sie sieben, acht Heubäume hoch und rief lauten Mundes, dass sie niemand habe, mit dem sie um die Wette laufen könne. »Ach, Muhme, wie flink du bist. Als ob du noch ein junges Mädchen wärest!«

»Glaubst du denn, lieber Culai, dass ich eine alte Schachtel sei wie ein Kreuz einer türkischen Kaffeemühle? Sieh lieber zu, dass du mich mitnimmst, denn ich werde dir viel Gutes einbringen.«

»Gern, Muhme, damit wir jemand haben, der für uns auf dem Wege flickt und wäscht, denn wenn das nicht eine Frauenhand tut, so ist alle Mühe umsonst.« So nahmen sie auch die Alte mit und brachen auf.

Nachdem sie ein Stück Weges gewandert waren, kamen sie zum Grillenkaiser. Der Kaiser empfing sie nach kaiserlichem Brauch, dann fragte er sie, welcher Wind sie hergebracht habe. Culai antwortete ihm, dass sie als Brautwerber zu seiner Tochter gekommen seien. »Gut, ich gebe sie euch gerne, nur müsst ihr vorher meine Befehle ausführen; sonst kommt keiner von euch mit dem Leben davon. Deshalb überlegt es euch und geht lieber zurück dorthin, woher ihr gekommen seid, denn später werdet ihr fortgehen wollen, und dann werde ich euch nicht freilassen.«

»So wie es uns bestimmt ist, Kaiser, jetzt aber ist es unsere Pflicht, es zu versuchen«, antwortete Culai.

Der Kaiser gab ihnen tausend Stück Mastvieh, tausend Fässer mit Wein und eine Scheune voll Brote, und das sollten sie alles an einem Tag aufessen, für den Fall aber, dass sie es nicht könnten, zeigte er ihnen am Tore fünf Pfähle ohne Köpfe, die schrieen ununterbrochen: »Kopf! Kopf!« Nimmersatt und Schlürfvolldurst fingen an, sich vor Freude die Hände zu reiben und sagten gleichzeitig: »Überlasst das uns! Culai, nimm dir ein Brot unter den Arm, ein Stück Fleisch und einen Krug Wein, dann stelle dich auf die Seite und sieh uns zu!« - Culai tat, wie sie gesagt hatten, und bis er mit den Augen blinzelte, waren Fleisch und Brot verschwunden, und alle Fässer standen mit dem Boden nach oben.

Der Kaiser wunderte sich sehr darüber, dann sagte er: »Gut, den ersten Befehl habt ihr ausgeführt. Sehen wir, wie ihr es beim zweiten macht!«

Darauf sagte er zu seiner Tochter, sie solle sich in ein Vöglein verwandeln und in den dunkeln Wäldern verstecken. Da das Mädchen eine tüchtige Zauberin war, verwandelte sie sich in ein Vöglein, und fort war sie ins Dickicht der Wälder. Der Kaiser rief von neuem den Culai herbei und sagte zu ihm: »Findet meine Tochter, wenn ihr es könnt und wisst: sonst erwarten euch die Pfähle.« Culai wendete sich zu Zielegut und gab ihm zu verstehen: »Zielegut, sperr einmal deine Augen auf und hol sie mit einem Pfeil herunter!« Zielegut drehte sich einmal auf der Ferse herum, so dass er die ganze Welt übersehen konnte, legte die Hand an den Bogen und schoss eine Feder aus dem linken Flügel des Vögleins. Erschrocken kam dieses zurück und verwandelte sich wieder in das Mädchen, und der kleine Finger der linken Band blutete ihm. Der Kaiser wurde nachdenklich: er sah, dass mit diesen nicht zu spaßen war. Daher rief er den Culai und. gab ihm den dritten Auftrag: »Culai, schicke einen von deinen Leuten nach Wasser, und wenn er schneller zurückkommt als meine Tochter, dann könnt ihr sie nehmen und mit euch führen, denn dann ist sie nicht mehr wert, mein Kind zu sein. Wenn ihr das aber nicht könnt, dann seht ihr morgen die Sonne nicht mehr.«

Zuerst ging die Tochter des Kaisers, dann machte sich auch die Alte auf mit zwei Flaschenkürbissen. Sie kamen gleichzeitig an; das Mädchen aber sagte: »Setzen wir uns ein wenig, Muhme, dorthin in den Schatten der Weide.« Sie beschwatzte die Alte, sie kraulte sie am Kopf, dass sie einschlief, dann schob sie ihr einen Kürbis unter den Kopf, und weg war sie. Zielegut sah, dass das Mädchen sich näherte, und die Alte war nirgends zu sehen. »Wir sind an den Teufel geraten! Was geht hier vor?« Als er besser hinblickte, sah er die Alte schlafen. Schnell nahm er den Bogen in die Hand und surr! saß der Pfeil in dem Kürbis. Die Alte sprang auf, und als sie sah, dass sie allein war, erkannte sie die Spitzbüberei des Mädchens. Sie lief davon wie der Wind, holte das Mädchen ein, riss ihm den Krug mit Wasser aus der Hand und stellte ihn vor dem Kaiser nieder.

Der Kaiser gab sich geschlagen, und mit großem Zorn im Herzen gab er das Mädchen frei.

III

So machten sie sich auf den Rückweg, froh, dass sie es geschafft hatten, und überall, wo sie vorüber kamen, tranken und aßen Schlürfvolldurst und Nimmersatt alles leer. Schließlich ließ Culai jeden dort, wo er ihn gefunden hatte, er aber setzte seinen Weg zur Wohnung des Bösen fort.

Der Böse wusste, dass Culai mit der Kaiserstochter kommen werde, und deshalb beschloss er, ihn zu verderben. Er machte einen tiefen Graben und füllte ihn mit Kohlenglut, oben aber deckte er ihn zu mit Reisig und Laub, so dass er nicht zu sehen war. Oben auf das Reisig stellte er einen Stuhl aus Wachs. Wenn er kommt, sagte er sich, nötige ich ihn, auf dem Stuhl niederzusitzen, und dann schlage ich zu, dass er genau ins Feuer fällt.

Endlich traf Culai im Hause des Teufels ein. Der Teufel kam ihm entgegen und empfing ihn mit freundlichen Worten: »Willkommen, Culai, so gesund und munter! Das hast du brav gemacht, dass du mir die Frau bringst, deshalb, bitte, nimm Platz auf diesem Stühlchen, damit ich dich mit einem Glas Wein bewirten kann.«

Culai aber zauderte, denn die Tochter des Bösen hatte ihm Zeichen gemacht und hatte ihm verstohlenerweise zugeflüstert, dass darunter Feuer sei und er sich um des Himmels willen nicht setzen solle. Als er solches vernahm, richtete er es so ein, dass ihm der Teufel selbst in die Hände kam, und er stieß ihn mit der Tochter des Grillenkaisers in den Graben mit den Worten: »Jetzt habe ich die Welt von zwei Plagen befreit!«

Dem Mädchen tat es leid, dass sein Vater sterben musste, aber Teufel ist Teufel, und sie vergaß bald diesen Kummer. Nun deckte sie den Tisch, damit Culai esse, und freute sich sehr, weil sie ihn lange nicht mehr gesehen hatte.

Nachdem Culai den Teufel losgeworden war, dachte er daran, dass es nicht mehr lange sei, bis sich ein Jahr erfüllte, seit dem Tag, an dem er von zu Hause ausgezogen war, und seine Gedanken waren besonders bei dem Schwur, den er geleistet hatte, dass er die Tochter des Teufels lieben werde bis zu seinem Tode. Deswegen ging er den ganzen Tag verdrossen umher. Als das Mädchen ihn so verschlossenen Gesichtes sah, fragte sie ihn: »Ich bitte dich, Culai, ich habe, dich niemals gefragt, welchem Menschenvolk du angehörst?« Er erwiderte ihr, dass er katholisch sei. Nachdem sie nun dort geblieben waren, so lange es gewesen sein mag, sagte Culai: »Mich hat das Heimweh gepackt, und ich möchte, dass wir schon morgen zu Vater und Mutter gingen.« - Das Mädchen widersetzte sich nicht, denn sie wusste ja, dass er sie mitnehmen werde.

Am nächsten Tag nahmen sie aus den Vorratskammern des Teufels soviel Geld, als sie nur tragen konnten, und machten sich. beide auf den Weg. Sie kamen durch Wälder und auf die Wiese, von welcher der ganze Jammer herrührte, und anstatt sich zu Vater und Mutter zu begeben, ging er zu seinem Schwiegervater, trat ins Haus und erzählte ihm die ganze Begebenheit. Dann bat er ihn, er solle die Eidesentbindung und das Verderben der unreinen Geister verlesen.

Der Pfarrer legte die heiligen Gewänder an, nahm das, Evangelium in die Hand, trat hinaus und las so viel er eben las; als er aber dreimal das Kreuzeszeichen machte und den Namen Gottes aussprach, hörte man etwas wie einen Donnerschlag, und das Mädchen verging vor ihren Augen. So war der Bursche frei und jedes Schwures entbunden.

Nun beeilte er sich, nach Hause zu kommen, wo er gerade an dem Tage eintraf, an dem sich ein Jahr seit seinem Aufbruch vollendete. Du hättest die Freude der Seinen sehen sollen, aber besonders die seiner Braut, die jeden Tag Tränen vergossen und diese Tränen mit dem Ärmel ihres Hemdes getrocknet hatte, so dass ihr in zwölf Monaten zwölf Hemden zugrunde gegangen waren. Jetzt aber segnete sie Gott, dass sie ihr Leben lang zufrieden lebten, und beide Ehegatten wurden geliebt ihren Eltern und von allen Menschen geehrt.