[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Ciuziukelis und die Laumen

In alten Zeiten lebten einmal ein Alter und eine Alte, und sie hatten einen Sohn, der hieß Ciuziukelis. Er liebte es sehr, mit einem kleinen Schlitten vom Berge hinunterzufahren. Eines Morgens stand Ciuziukelis früh auf, nahm seinen kleinen Schlitten und zog damit auf den Berg, um zu rodeln. Doch da sah er, wie zwei Laumen dort rodelten. Die Laumen sagten zu ihm: »Uns gehören die Berge und euch die Täler!« Ciuziukelis aber sagte: »Nein, mir gehören die Berge und euch die Täler!« Die Laumen erwiderten: »Uns gehören die Berge und euch die Täler!« Ciuziukelis darauf wieder: »Uns gehören die Berge und euch die Täler!« Und die Laumen waren einverstanden: »Na, sollen die Berge dir gehören.« Doch der Junge durchschaute das alles nicht. Wieder kroch er auf den Berg. Als er sich umwandte, bemerkte er: Die Laumen zerren unten im Tal etwas hin und her. Doch er ahnte nicht, was die Laumen mit ihm im Schilde führten. Und er machte sich fertig, wieder ins Tal zu fahren. Aber die Laumen hielten einen großen ledernen Sack auf und warteten im Tal. Als Ciuziukelis angefahren kam, - wups - fuhr er mit seinem kleinen Schlitten in den Sack. Die Laumen banden den Sack oben zu, legten ihn auf ihren Schlitten, fuhren Ciuziukelis in den Speicher und legten ihn auf den Ofen.

Die Laumen heizten den Ofen und brachten Wasser zum Sieden, sie wollten den Jungen schmoren. Doch Ciuziukelis hatte ein kleines Messer bei sich. Er holte das Messer heraus und trennte den Sack auf. Er rollte sich mit dem Schlitten heraus, schaute sich im Speicher um und sah ein Laumenkind liegen. Das schob er in den Sack, nähte ihn wieder zu, doch er selber mit seinem Schlitten - auf das Dach des Speichers, auf den höchsten First. Da saß er nun.

Die Laumen setzten das Wasser schon aufs Feuer. Sie kamen herbei und gingen in den Speicher, um Ciuziukelis zu holen. Sie schleppten den Sack heran und - hinein in den Kessel, sie schoben ihn in den Ofen und ließen ihn schmoren. Sie schmorten ihn gar. Sie zogen ein Fingerchen heraus, kauten schmatzend voller Wohlbehagen und sangen: »Das ist würzig, das ist Honig,
Ciuziukelis' Fingerchen!«
Doch Ciuziukelis saß auf dem Dachfirst, antwortete und sang: »Nicht ist würzig, nicht ist Honig
Laumenkindes Fingerchen!«
Die Laumen horchten auf. Sie meinten, das Laumenkind singe. Sie zogen den Kessel wieder heraus und drehten sich ein anderes Fingerchen ab. Doch da sahen die Laumen, dass das ihr kleines Laumenkind war, denn sie hatten ihm einen Ring an einen Finger gesteckt, und nun erkannten sie ihn. Die Laumen liefen hinaus, sie sahen: Ciuziukelis sitzt auf dem First. Ciuziukelis - hops - vom Dach und los, doch die Laumen hinter ihm her.

Ciuziukelis kommt an eine dicke, uralte Eiche. Er springt zu der Eiche, klettert hinauf und sitzt nun da oben. Die Laumen stürzten zurück, holten Beile und fingen an, die Eiche umzuhauen. Sie hackten und bissen mit den Zähnen. Die Beile waren stumpf. Da kam ein Fuchs angelaufen: »Was macht ihr hier, liebe Gevatterinnen?«

»Na sieh doch, wir wollen die Eiche fällen.«

»Da sind vielleicht eure Beile etwas stumpf geworden? Gebt sie mir her, ich werde sie euch schärfen.«

Die Laumen gaben dem Fuchs die Beile. Der Fuchs lief damit hinter den Berg, schlug mit ihnen aus Leibeskräften auf einen Stein, schlug und schlug, brachte sie dann mit verbogenen Schneiden zurück und gab sie den Laumen. Die Laumen begannen zu hacken, doch es ging noch schlechter als vorher. Ciuziukelis aber sitzt und sieht, dass die Laumen die Eiche doch durchhacken werden. Er kam aus einem reichen Hause, sie hatten viel Vieh. Also begann er zu rufen und sang: »Zoch, zoch, zoch. Rosse grauweiß,
Njo, njo, njo, Rinder bunte,
Kis, kis, kis, schlohweiße Hunde!
Euch ruf ich, ihr lieben Tiere!«
Die Tiere hörten Ciuziukelis' Stimme. Mit ihren Hörnern durchbrachen sie die Tür des Stalles. Die Hunde rissen sich von ihren Ketten los. Die Pferde kamen alle angejagt. Sie sehen: Ciuziukelis sitzt auf der Eiche, und die Laumen haben die Eiche gleich durchgeschlagen. Da begannen die Kälber und Kühe die Laumen mit den Hörnern zu stoßen, die Rosse mit den Füßen zu schlagen, die Hunde wütend zu beißen - und die Laumen wurden noch feiner als Mehl. Das, was jetzt noch auf dem Schnee glitzert, sind die Fetttröpfchen von den Laumen. Doch Ciuziukelis blieb am Leben und lebt auch noch heute.

Auch ich war dabei, Bier und Honigmet habe ich getrunken, doch habe ich nichts im Mund gehabt. Ganz oben auf dem Ofen habe ich gesessen, das Geld mit dem Ofenhaken gezählt, in den Bastschuh geladen, mit Straußgras habe ich oben die Last festgebunden und bin über den Misthaufen gefahren. Dann haben sie mich zusammen mit dem Mist gegriffen und in eine Kanone gesteckt. Und als sie abfeuerten, haben sie mich nach Bendoriske her geschossen! Da wohne ich jetzt noch und erzähle euch dieses Märchen.