[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Marienlegenden Christi Geburt

Man sagt, dass die Juden, die die Jungfrau Maria nicht leiden konnten, sie, als sie nahe vor der Geburt unseres Herrn Jesus Christus stand, auf jede Art zu verspotten und zu quälen begannen. Als die Jungfrau Maria das sah und die Verspottungen und Quälereien nicht mehr ertragen konnte, verließ sie die Stadt, in der sie bis dahin gelebt hatte, und ging nach Bethlehem. Sie hoffte, es so vermeiden zu können, dass ihr irgendein Unglück zustoße. Es war in der Dämmerung, als sie in Bethlehem ankam. Sie trat in ein Haus am Rande der Stadt und bat den Hausherrn, der Craciun, d.h. »Weihnachten«, hieß, sie zu beherbergen. Da »Weihnachten« aber nicht genug Platz in seinem Hause hatte, um sie aufzunehmen und über Nacht zu beherbergen, sagte er ihr, sie möchte in den Stall gehen und dort in der Krippe schlafen. Was sollte die arme Jungfrau Maria tun? Sie war gezwungen, in den Stall des »Weihnachten« zu gehen, in dem sich ein paar Pferde und ein paar Ochsen befanden. Dort legte sie sich in die Pferdekrippe. Die Pferde aber, wie Pferde eben sind, scharrten die ganze Nacht hindurch im Heu, traten von einem Fuß auf den anderen und bliesen ihren kalten Atem aus den Nüstern auf sie, so dass sie kein Auge zutun und nicht gebären konnte.

Als dies die Jungfrau Maria merkte, wurde sie unwillig und verwünschte die Pferde: »Seid verwünscht, ihr Pferde! Das ganze Jahr hindurch sollt ihr nicht satt werden, nur an einem Tag im Jahr und dann auch nur eine Stunde hindurch, wenn ihr einen Weg gemacht und wenn ihr Wasser getrunken habt!«

Als sie diese Worte gesagt hatte, stand sie von der Pferdekrippe auf und legte sich in die Krippe der Ochsen. Die Ochsen fraßen noch ein wenig, nachdem sich die Jungfrau Maria in ihre Krippe gelegt hatte, dann machten sie das Kreuz und schliefen ein. Ihr warmer Atem ging über die Jungfrau hinweg. Darüber freute sie sich und segnete die Ochsen: »Seid gesegnet, Ochsen! Das ganze Jahr hindurch sollt ihr so viel fressen, bis ihr satt seid. Dann sollt ihr euch hinlegen, wiederkäuen und einen warmen Atem haben.« Und als sie diese Worte gesagt hatte, wurden die Tiere noch stiller.

Bald darauf überfielen Maria die Geburtsschmerzen. Sie erwachte aus dem Schlaf und sah sich um. Da sah sie eine Menge Kerzen auf den Balken stehen, an welche die Ochsen gebunden waren, die eine schöner als die andere leuchtend. Der Stall stand in festlichem Licht, schöner noch als eine Kirche. An den Rändern der Krippe aber brannte Weihrauch und Myrrhe, die ihren angenehmen Duft in alle Teile des Stalles ausströmten. Es war dies ein Zeichen dafür, dass bald darauf der Erlöser der Welt geboren werden würde, unser Herr Jesus Christus.

Gerade zu dieser Zeit trat die Hauswirtin, Craciuneása genannt, aus dem Hause und entsetzte sich, als sie den Stall in einem Lichtermeer sah. Sie dachte, er brenne, und wollte rasch in das Haus zurück, um ihren Mann zu Hilfe zu rufen. Maria aber, die gehört hatte, wie sich jemand dem Stalle näherte, ließ sie nicht weggehen, sondern rief Craciuneása und bat sie, ihr bei der Geburt behilflich zu sein. Die Frau des Craciuneása antwortete ihr aber, sie dürfe nicht kommen; denn ihr Mann habe es ihr streng verboten, noch einmal bei einer Geburt zu helfen und ihr gedroht, ihr beide Hände abzuschneiden, wenn sie sein Verbot überschreite. - »Komm, komm, er wird, dir die Hände nicht abschneiden!« bat Maria wieder. Da merkte die Craciuneása, dass nicht mehr viel Zeit sei zu Gesprächen, trat in den Stall und half ihr bei der Geburt. Dann hob sie den Herrn Jesus Christus auf, wickelte ihn in Windeln aus feinem Linnen und gab ihn in ein Steckkissen aus Seide, das mit goldenen Bändern zusammengehalten war. Auf das Haupt gab sie ihm eine Mütze aus Samt. Dann legte sie ihn neben seine Mutter und bedeckte ihn mit etwas Heu, damit er sich nicht erkälte.

Sie aber kehrte in das Haus zurück und sagte zu ihrem Mann: »Ich habe ein Enkelchen zur Welt gebracht!« Craciun aber, der ein sehr bösartiger und leidenschaftlicher Mensch war, wurde aus Wut über sie rot wie ein Krebs, als er hörte, dass sie sein Verbot übertreten hatte. In seinem schrecklichen Zorn schlug er ihr mit der Axt beide Hände ab und schrie: »Habe ich dir nicht ein für allemal verboten, noch einmal bei einer Geburt behilflich zu sein. Du aber hast nicht gehorcht! Jetzt verrichte noch einmal Hebammendienste!«

Die Craciuneasa lief in ihrem Schrecken zur Mutter Gottes und klagte ihr, dass ihr Mann ihr die Hände abgeschnitten habe, weil sie nicht gehorsam gewesen sei und ihr behilflich war. Die Mutter Gottes hatte Mitleid mit ihr, als sie die Armstumpfen sah, und sagte: »Geh rasch, und bring mir die Hände her!« Die Wirtin kehrte rasch um, hob mit den Armen die auf dem Boden liegenden Hände auf und trug sie zur Mutter Gottes. Maria nahm sie, legte sie an die Armstümpfe und forderte die Wirtin auf, sie unter ihr Kind zu legen, d.h. unter unsern Herrn Jesus Christus. Das tat Frau Craciuneasa und siehe da, ihre Hände wuchsen wieder an und wurden viel gesünder und viel schöner, als sie vorher gewesen waren; denn kraft der göttlichen Gewalt unseres Herrn Jesus Christus wurden sie bis an die Ellenbogen aus Gold. Die Wirtin schlug vor Freude in ihre Hände, die sie nun wieder hatte. Sie lief in das Haus, klatschte in die Hände und sagte zu ihrem Mann: »Sieh, was für Hände mir mein Enkel an Stelle derer gegeben hat, die du mir abgeschlagen hast!« Als Craciun sie mit den goldenen Händen sah, sagte er voll Staunen: »Sehr gut! Sag mir aber auch, wer dieser Enkel ist und wie seine Mutter heißt, damit ich es auch weiß!« Frau Craciuneasa aber wusste nichts anderes zu sagen, als dass sie, nachdem er ihr die Hände abgeschlagen habe, zu der Frau der sie bei der Geburt behilflich gewesen war, zurückgekehrt sei, und dass sie und ihr Sohn ihr die Hände geheilt hätten. Sie erzählte weiter, dass in dem Stall, in dem jene Frau geboren habe, Lichter, Weihrauch und Myrrhe brannten, und dass es dort wunderbar schön sei. Man sehe, dass diese Frau niemand anderes sein könne als die Jungfrau Maria und ihr Kind unser Herr Jesus Christus.

Als Craciun auch dieses noch hörte, entsetzte er sich sehr. Er war voll Furcht, dass ihn die Strafe Gottes für seine unmenschliche und blutige Tat treffen werde. Ohne Aufenthalt ging er in den Stall, fiel vor der Mutter Gottes in die Knie und bat sie um Verzeihung. Er sagte ihr, dass er nicht gewusst habe, wer sie sei, und dass er seiner Frau deshalb die Hände abgeschlagen habe; aber was er getan habe, würde er nie mehr tun. Die Mutter Gottes lag in der Krippe und hielt ihren Sohn Jesus in den Armen.

Als Craciun so inständig um Verzeihung bat, erhörte sie ihn.