[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Bauer Wetterwolke

Es waren einmal ein Mann und eine Frau, die hatten einen einzigen Sohn, namens Hans. Der Frau schien es an, der Zeit, dass dieser auszog, um einen Dienst zu suchen, und sie sagte zu ihrem Mann, er möge mitgehen. »Du sollst mir ihn so gescheit machen, dass er Meister aller Meister wird!« sprach sie und gab ihm etwas Brot und Käse und eine Rolle Kautabak in einem Sack mit. Sie waren bei vielen Meistern, alle sagten aber, sie könnten den Jungen wohl so gelehrt machen, wie sie selbst wären, aber besser nicht. Als der Mann nach Hause zurückkam und seiner Frau erzählte, was die Leute gesagt hatten, antwortete sie: »Je nun, mir ist es ganz gleich, wo du ihn hintust, das sage ich aber, dass du ihn mir zum Meister aller Meister machen musst.« So gab sie ihnen wieder Essen und Kautabak in den Sack, und der Mann musste noch einmal mit dem Sohne fortbummeln.

Als sie eine Weile gewandert waren, kamen sie auf Eis, dort begegneten sie jemand, der mit einem schwarzen Ross fuhr. »Wohin?« fragte der. »Oh, ich möchte meinen Sohn zu jemand in die Lehre geben, der ihn gut erziehen kann«, antwortete der Mann, »denn meine Frau ist braver Leute Kind, und sie möchte ihn zum Meister aller Meister erzogen haben.«

»Das trifft sich nicht übel«, erwiderte der Fahrende; »dazu bin ich der rechte Mann. Ich suche eben so einen Lehrjungen! Stelle dich hinten auf die Schlittenkufen, du!« sagte er zu dem Jungen, und so fuhren sie durch die Wolken dahin. »Warte, halt ein bisschen!« schrie der Vater des Jungen. »Ich muss ja doch wissen, wie du heißt und wo du wohnst.«

»Oh, ich bin zu Hause sowohl im Norden wie im Süden, im Osten wie im Westen«, sagte der Meister, »und mein Name ist Bauer Wetterwolke«, fügte er hinzu. »In einem Jahr kannst du wiederkommen, dann werde ich dir sagen, ob er so gescheit geworden ist.« Damit fuhren sie ab, und fort waren sie.

Als der Mann nach Hause kam, fragte die Frau, wohin der Sohn gekommen wäre. »Gott weiß, wo er hingekommen ist«, sagte der Mann, »sie fuhren in die Luft hinauf«, und so erzählte er, was passiert war. Da die Frau hörte, dass der Mann keine rechte Antwort bekommen hatte, weder wann der Bursche seinen Lehrbrief erhalten sollte, noch wo er war, so schickte sie den Mann wieder hinaus und gab ihm einen Brotsack und eine Rolle Kautabak mit. Da er eine Strecke gegangen war, kam er in einen großen Wald, der dauerte, so weit er auch ging, den ganzen Tag hindurch, und als es finster wurde, sah er ein starkes Leuchten, dem ging er nach. Nach langer Zeit erreichte er eine kleine Hütte an einem Berg. Vor der Tür stand ein altes Weibsbild, das mit ihrer Nase Wasser aus dem Brunnen heraufzog. »Guten Abend, Mutter«, sagte der Mann. »Wieder schönen guten Abend«, sagte das Weibsbild. »In hundert Jahren hat niemand mich Mutter genannt«, sagte sie. »Kann ich hier Quartier für die Nacht haben?« fragte der Mann. »Nein!« sagte die alte Frau. Da zog der Mann seinen Kautabak hervor, trocknete und röstete ein wenig davon und gab es der Frau. Darüber freute sie sich so, dass sie zu tanzen anfing, und dann erlaubte sie dem Manne, auch die Nacht dazubleiben.

Ehe sie es sich versah, fragte er sie nach dem Bauer Wetterwolke. Sie wisse nichts von ihm zu sagen, antwortete sie. Da sie aber über alle vierfüßigen Tiere herrsche, wollte sie fragen, ob sie vielleicht etwas von ihm wüssten. Mit einer Pfeife, die sie hatte, blies sie die Tiere zusammen und verhörte sie alle, aber keines hatte etwas vom Bauer Wetterwolke gehört. »Je nun, wir sind drei Schwestern«, sagte die Frau. »Vielleicht weiß eine von den andern, wo er ist. Ich werde dich fahren lassen, so dass du bis zum Abend dahin kommst, denn bis zur nächsten sind es dreihundert Meilen.«

Der Mann fuhr ab, und am Abend langte er dort an. Da stand auch ein altes Weibsbild vor der Tür und wand mit ihrer Nase Wasser vom Brunnen hinauf. »Guten Abend, Mutter«, sagte der Mann. »Wieder schön' guten Abend!« sagte die alte Frau. »In hundert Jahren hat niemand mich Mutter genannt«, setzte sie hinzu. »Kann ich hier für die Nacht Quartier haben?« fragte der Mann. »Nein!« sagte das Weibsbild. Dann nahm aber der Mann seinen Kautabak heraus, trocknete und röstete ein wenig davon und gab es der Frau auf den Handrücken. Darüber freute sie sich so, dass sie zu tanzen anfing, und dann erlaubte sie ihm auch, die Nacht dazubleiben.

Ehe sie es sich versah, fragte er nach Bauer Wetterwolke. Nein, sie wisse nichts von ihm; sie herrsche aber über alle Fische im Meere, sagte sie, und vielleicht habe einer von ihnen etwas über ihn gehört. Also blies sie die Fische mit einer Pfeife zusammen und verhörte sie; aber niemand wusste etwas vom Bauer Wetterwolke. »Je nun, ich habe noch eine Schwester«, sagte die Alte, »vielleicht vermag sie über ihn Auskunft zu geben. Sie wohnt sechshundert Meilen von hier. Du wirst aber Pferde und Geschirr von mir bekommen, so kommst du bis zum Abend hin.«

Der Mann fuhr ab und langte auch gegen Nacht an, als das Weibsbild soeben im Begriff war, das Feuer zusammenzuschüren, und das tat sie mit ihrer Nase: So eine lange Nase hatte sie! »Guten Abend, Mutter«, sagte der Mann. »Wieder einen schönen guten Abend!« sagte die Alte. »In hundert Jahren hat niemand mich Mutter genannt«, setzte sie hinzu. »Kann ich hier über Nacht Quartier haben?« fragte der Mann. »Nein!« sagte das Weibsbild. Da nahm der Mann seinen Kautabak heraus, trocknete und röstete ihn und gab der Alten den ganzen Handrücken voll. Darüber freute sie sich so gewaltig, dass sie anfing zu tanzen, und dann wollte sie dem Manne auch über Nacht Quartier geben.

Ehe sie es sich versah, fragte er nach Bauer Wetterwolke. Sie wisse nichts von ihm zu sagen, antwortete sie. Da sie aber über alle Vögel herrsche, wolle sie diese mit ihrer Pfeife zusammen blasen und befragen. Als sie alle verhört hatte, vermisste sie noch den Adler; nach einiger Zeit kam der auch, und als die Alte ihn fragte, wo er geblieben sei, antwortete er, dass er eben vom Bauer Wetterwolke komme. Da befahl sie ihm, den Mann dahin zu begleiten. Der Adler musste aber erst etwas essen und obendrein bis zum nächsten Tag ausruhen; denn er war nach dem weiten Flug so müde, dass er sich kaum von der Erde heben konnte. Als er satt war und sich erholt hatte, rupfte die Alte ihm eine Feder aus dem Schwanz und steckte an ihrer Stelle den Mann hinein. So flog der Adler mit ihm davon. Sie kamen aber bei Bauer Wetterwolke nicht vor Mitternacht an.

Als sie angelangt waren, sagte der Adler: »Es liegt etwas vor der Tür; darum brauchst du dich aber nicht zu kümmern. Die drinnen schlafen alle fest, dass sie nicht wach werden. Du sollst aber erst zum Tisch gehen und drei Brotkrümchen aus der Schublade nehmen, und wenn du hörst, dass jemand schnarcht, so sollst du ihm drei Federn vom Kopf ausrupfen, er erwacht darum doch nicht.« Der Mann tat, wie ihm gesagt war. Als er die Brotkrümchen gewonnen hatte, rupfte er zuerst eine Feder aus. »Auweh!« schrie Bauer Wetterwolke. Nun zog er noch eine aus, und da schrie der wieder: »Auweh!« Als er die dritte ausriss, da hat der Bauer Wetterwolke so geschrieen, dass beinahe Mauern und Wände eingestürzt wären, er schlief aber fort. Dann sagte der Adler, was er weiter tun sollte, und das tat er auch: Er ging zur Stalltüre, da stieß er gegen einen Stein, den nahm er auf; darunter lagen drei Späne, die er auch aufhob. Nun pochte er an die Stalltüre, die sich gleich öffnete. Er ließ die drei Brotkrümchen fallen; kam ein Hase hervor und fraß sie; auch den nahm er mit. Jetzt sagte der Adler, dass er ihm drei Federn aus dem Schwanze rupfen möge, und an ihrer Stelle solle er den Hasen, den Stein, die Späne und sich selbst einsetzen; und so wollte er ihn nach Hause tragen.

Als der Adler eine weite Strecke geflogen war, ließ er sich auf einem Stein nieder. »Siehst du etwas?« sagte er. »Ja, ich sehe einen Schwärm Krähen uns nachfliegen«, sagte der Mann. »Dann müssen wir wohl noch eine Weile weiterreisen«, sagte der Adler, und fort flog er. Nach einer Weile fragte er wieder: »Siehst du jetzt etwas?«

»Ja, jetzt sind die Krähen uns ganz nahe«, sagte der Mann. »So lasse die Federn vom Kopfe des Bauern Wetterwolke hinunterfallen«, sagte der Adler. Wie gesagt, so getan, und gleich wurde aus den Federn ein Rabenschwarm, der die Krähen fortjagte.

Der Adler flog wieder weithin mit dem Manne; zuletzt setzte er sich auf einen Stein, um auszuruhen. »Siehst du etwas?« fragte er. »Ganz gewiss kann ich es nicht sagen«, antwortete der Mann. »Es dünkt mich aber, dass ich in weiter Ferne etwas erblicke.«

»Da müssen wir wohl eine Strecke weiterreisen«, sagte der Adler. »Siehst du jetzt etwas?« fragte er nach einer Weile. »Ja, jetzt ist es uns auf den Fersen«, sagte der Mann. »Dann lasse die drei Späne fällen, die du unter dem Feldstein an der Stalltür aufnahmst«, sagte der Adler. Wie gesagt, so getan. Und kaum hatte er sie hinab geworfen, als sie zu einem so großen, dichten Wald emporschossen, dass Bauer Wetterwolke umkehren und nach Hause fahren musste, um Äxte zu holen, damit er sich einen Weg durch den Wald hauen konnte.

Dann flog der Adler wieder weiter, als er aber müde wurde, setzte er sich auf eine Kiefer. »Siehst du etwas?« fragte er. »Ja, ganz gewiss kann ich es nicht sagen«, antwortete der Mann. »Es scheint mir aber, dass ich in der Ferne etwas wie einen Schatten erblicke.«

»Dann müssen wir wohl noch eine Strecke weiterreisen«, sagte der Adler und flog davon. »Siehst du jetzt etwas?« sagte er nach einer Weile. »Jetzt ist es uns auf den Fersen«, sagte der Mann. »So lass den Feldstein fallen, den du bei der Stalltür aufnahmst«, sagte der Adler. Wie gesagt, so getan. Und der Feldstein wurde zu einem großen hohen Berg, durch den Bauer Wetterwolke sich erst hindurchwühlen musste. Als er aber mitten im Berg war, da brach er sich das Bein und musste nach Hause fahren, um es mit Schienen zu verbinden. Mittlerweile flog der Adler mit dem Manne und dem Hasen weiter, und als sie zu Hause anlangten, ging der Mann auf den Kirchhof und streute geweihte Erde auf den Hasen, und der wurde zu seinem Sohn Hans.

Als nun dort wieder einmal Jahrmarkt war, verwandelte sich der Bursche in ein falbes Pferd und bat den Vater, mit ihm auf den Markt zu reisen. »Wenn jemand kommt, der mich kaufen will, so fordere hundert Taler für mich. Aber du darfst nicht vergessen, den Halfter abzunehmen, sonst behält Bauer Wetterwolke mich für immer; denn er ist es, der mich kaufen will«, sagte der Bursche. So ging es auch. Es kam ein Rosstäuscher, der große Lust hatte, das Pferd zu erwerben, und der Mann erhielt hundert Taler dafür. Als der Handel aber gemacht war und Hansens Vater das Geld eingesteckt hatte, wollte der Pferdehändler auch den Halfter haben. »Nein, davon steht nichts in unserm Vertrag«, sagte der Mann. »Den Halfter kriegst du nicht; denn ich habe mehrere Pferde, die ich noch zu Markte bringen muss.« So gingen sie jeder seinen Weg. Sie waren noch nicht weit gekommen, da verwandelte Hans sich wieder in sich selbst, und als sein Vater nach Hause kam, saß er schon wieder auf der Ofenbank.

Am nächsten Tage machte er sich zu einem braunen Pferde und sagte zu seinem Vater, er solle mit ihm auf den Markt reisen. »Wenn jemand kommt, der mich kaufen will, sollst du zweihundert Taler fordern; denn das gibt er. Und er beschenkt dich obendrein mit Schnaps. Aber soviel du auch trinkst und was du auch tust, vergiß nicht, den Halfter abzunehmen, sonst siehst du mich nie wieder«, sagte Hans. Je nun, so ging es auch. Der Vater bekam zweihundert Taler für das Pferd und Schnaps obendrein, und als sie voneinander schieden, fehlte nicht viel, dass er vergessen hätte, den Halfter abzunehmen. Sie waren noch nicht weit auf dem Weg gekommen, so verwandelte der Bursche sich wieder. Und als der Vater nach Hause kam, saß Hans auf der Ofenbank.

Den dritten Tag ging es ebenso. Der Bursche verwandelte sich nun in ein großes schwarzes Pferd und sagte zu seinem Vater, jemand werde kommen und dreihundert Taler für ihn bieten und ihn obendrein recht tüchtig betrunken machen. Was er aber auch tue und wie viel er auch trinke, er dürfe nicht vergessen, den Halfter abzunehmen, sonst werde er nimmermehr vom Bauer Wetterwolke fortkommen. Nein, das wolle er nicht vergessen, sagte der Mann. Als er auf den Markt kam, erhielt er dreihundert Taler. Bauer Wetterwolke trank ihm aber so zu, dass er den Halfter abzunehmen vergaß, und so fuhr Bauer Wetterwolke mit dem Pferd ab.

Als er eine Strecke weit auf seinem Weg gekommen war, wollte er einkehren, um noch einige Schnäpse zu sich zu nehmen. Mittlerweile setzte er dem Pferd eine Tonne voll glühender Nägel unter die Nase und eine Hafermulde unter den Schweif, band den Halfter an die Umfriedung des Hauses und ging in den Gasthof hinein. Das Pferd stand da und stampfte und scharrte und schnaubte. Da kam ein Mädchen vorbei, dem tat es leid. »Oh, du armes Tier, was hast du denn für einen Herrn, der dich so schlecht behandelt?« sagte sie und machte den Halfter los, so dass das Pferd sich umkehren und von dem Hafer kosten konnte. »Ich bin es!« rief Bauer Wetterwolke und stürzte zur Tür heraus. Das Pferd hatte sich aber vom Halfter befreit, warf sich in eine Entenpfütze und verwandelte sich in einen kleinen Fisch. Sogleich wurde Bauer Wetterwolke zu einem großen Hecht. Da verwandelte sich Hans in eine Taube, und Bauer Wetterwolke machte sich zu einem Habicht, der auf die Taube stieß.

Nun stand aber eine Prinzessin am Fenster des königlichen Schlosses und schaute diesem Wettkampfe zu. »Wüsstest du, was ich weiß, so kämst du zu meinem Fenster herein«, sagte die Prinzessin. Die Taube flog ins Zimmer, verwandelte sich wieder in Hans und erzählte der Prinzessin, wie alles zugegangen war. »Mache dich zu einem goldenen Ring und steck dich auf meinen Finger«, sagte die Prinzessin. »Das kann ich nicht«, sagte Hans, »denn sonst lässt Bauer Wetterwolke den König krank werden, und dann fordert er den goldenen Ring als Lohn.«

»Ich werde sagen, es ist ein Erbstück von meiner seligen Mutter«, sagte die Prinzessin. So verwandelte sich Hans denn in einen goldenen Ring und schlüpfte auf den Finger der Prinzessin, und da konnte Bauer Wetterwolke seiner nicht mehr habhaft werden.

Aber es ging, wie der Bursche vorausgesagt hatte. Der König wurde krank, und es gab keinen Arzt, der ihn heilen konnte, bis Bauer Wetterwolke kam und dafür den Ring verlangte, der auf dem Finger der Prinzessin saß. Der König schickte zu ihr, um den Ring zu bekommen, sie wollte ihn aber nicht hergeben, weil er ein Erbstück von ihrer Mutter wäre. Als der König das hörte, wurde er böse und sagte, dass er auf jeden Fall den Ring haben wolle, sei er nun ein Erbstück oder nicht. »Meinetwegen kannst du böse werden«, sagte die Prinzessin; »denn der Ring sitzt fest und lässt sich nicht abstreifen; wenn du den Ring haben willst, so musst du auch den Finger nehmen.«

»Ich kann helfen. So werden wir wohl den Ring. herunterbekommen«, sagte Bauer Wetterwolke. »Danke schön, ich versuche es selbst«, sagte die Prinzessin, ging zum Feuerherd und streute Asche auf den Finger.

Da fiel der Ring vom Finger ab und verschwand in der Asche. Bauer Wetterwolke verwandelte sich in einen Hahn, der auf dem Herd nach dem Ring scharrte und kratzte, so dass Asche und glühende Kohlen dem König und der Prinzessin in die Augen flogen. Hans aber verwandelte sich in einen Fuchs, biss dem Hahn den Kopf ab, und wenn der Teufel in Bauer Wetterwolke steckte, jetzt war er kaputt.