[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Der Reisende und sein Helfer

Ein Reisender kam einst an einen Fluss, den, wollt' er nicht der Reise Zweck verlieren, musst' er durchaus mit seinem Ross passieren; doch dazu fehlt es ihm an mutigem Entschluss.

»Wer«, rief er, »kann dem Wasser trauen, das keine Balken hat? Kann man nicht Brücken bauen? 0, dass ich niemand hier zu Rate ziehen kann, ob nichts zu fürchten ist!« - Zum Glücke kam ein Mann. »Freund«, rief er ihm, »würd' Er Bedenken tragen, sich hier in diesen Strom zu wagen?«

»Kein's, hätt' ich vollends so ein Tier, als wie der Herr, noch unter mir. So ritt ich, glaub' ich, durch die Hölle.«

»Es scheint mir gleichwohl manche Stelle nicht gar so flach und seicht.«

»Es könnte sein«, antwortete der Schalk, »vielleicht, vielleicht auch nicht. Nun wohl denn, eine Bitte und Trinkgeld, wenn Er erst vor mir hinüber ritte und zeigte mir den sichern Pfad.«

»Sehr gern, mein Herr, dazu wird Rat.«

Der Reisende steigt schnell von seinem Gaul herab, der andere hinauf, setzt dann in vollem Trab den Strom hindurch und weiter - - -

»Was Teufel! Herr! Wohin?« ruft ihm der erste Reiter voll Schrecken nach: »Gemach, mein Freund, gemach!« Allein, es hilft kein Schreien, Drohn und Ach, und ohne sich an sein Geschrei zu kehren, jagt er noch mehr, hört oder will nicht hören.

Doch nein, jetzt lenkt er um und kommt, o welches Glück, ganz langsam an den Strand zurück.

»Er Schalk!«, ruft jener, »mir so viele Angst zu machen! Nur her mein Pferd! Dann will ich seinen Spaß belachen.« »Ein Spaß?« versetzt der Dieb: »Nein! mir behagt dies Pferd! Doch scheint es mir zum Dank noch einer Lehre wert: bei einem wichtigen Geschäfte versuch' Er künftig fein erst seine eignen Kräfte, bevor Er fremde borgt, und trau' Er dem ja nicht, der zu gefällig dient und, was man will, verspricht. Hab' ich ein eignes Pferd und will ein Ziel erjagen, warum soll seinen Hals für mich ein andrer wagen?«